Pa­pa Ni­ko­laus

Wie re­agie­ren Kin­der heu­te auf den Hei­li­gen Mann? Un­ser Au­tor und drei­fa­cher Va­ter hat die Kin­der­ta­ges­stät­te sei­nes Nach­wuch­ses be­sucht – und da­bei viel über das neue po­si­ti­ve Image des Ni­ko­laus ge­lernt.

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA - VON SE­BAS­TI­AN PE­TERS

KRE­FELD Die bes­te von vie­len gu­ten Nach­rich­ten an die­sem Morgen in der Kre­fel­der Ki­ta Drei­kä­se­hoch: Kei­nes, wirk­lich kei­nes der Kin­der spricht mich, den Ni­ko­laus, mit „Weih­nachts­mann“an. Al­le schei­nen zu wis­sen, dass der Mann mit dem wei­ßen Rau­sche­bart und dem lan­gen ro­ten Um­hang der Hei­li­ge Ni­ko­laus ist. Und je län­ger der Be­such dau­ert, des­to mehr wächst das Ver­trau­en – am En­de schil­dern die Kin­der ihm gar ih­re klei­nen Sor­gen und Nö­te. „Ni­ko­laus, ich ha­be Schnup­fen“, sagt Paul (3). Kurz da­nach zeigt ei­ner auf sei­ne Hand und sagt: „Ni­ko­laus, schau mal, ich ha­be ein Pflas­ter am Fin­ger.“Ni­ko­laus, so ler­ne ich bei die­sem Ki­ta-Be­such, ist nicht mehr der ge­fürch­te­te Mann mit der tie­fen Stim­me – für die Kin­der ist er ei­ne ver­trau­te Per­son. Er sieht schließ­lich dem Weih­nachts­mann mitt­ler­wei­le so ähn­lich, der die­ser Ta­ge über­all über die Märk­te läuft, in Scho­ko­la­den­aus­füh­rung und auf Colaf­la­schen im Re­gal liegt. Schimp­fen aber sa­hen sie ihn nie.

Als Darstel­ler des Ni­ko­laus braucht es ei­ne ge­wis­se Grö­ße und Kör­per­fül­le – das ist vi­el­leicht der Grund, war­um Ki­ta-Lei­te­rin El­ke Him­melein aus­ge­rech­net auf mich zu­ge­kom­men war. Ich bin 1,92 Me­ter groß, spie­le auch ge­wichts­mä­ßig in der Ni­kolaus­li­ga und kann mei­ne Stim­me bei Be­darf tief­stel­len. Auch ei­ne ge­wis­se Be­rufs­er­fah­rung im Gen­re kann ich auf­wei­sen: An St. Mar­tin ha­be ich in mei­nem Hei­mat­dorf für ein paar Jah­re den Bett­ler ge­spielt. Am Feu­er war es da­mals schon im­mer recht heiß, noch wär­mer, so ler­ne ich an die­sem Vor­mit­tag, ist es al­ler­dings un­ter ei­nem Ni­ko­laus­kos­tüm. Erst recht, wenn man ver­gisst, sei­nen Strick­pul­li vor­her aus­zu­zie­hen. Nicht die ein­zi­ge Tü­cke: Die Fus­seln des Bar­tes kle­ben, die Bi­schofs­müt­ze drückt die Pe­rü­cke an den Kopf. Ein Ni­ko­laus jam­mert aber nicht, er er­trägt. Es war schließ­lich der gro­ße Wunsch der Kin­der, den Hei­li­gen Mann zu se­hen: Sie hat­ten vor ein paar Ta­gen ei­nen Brief mit Be­suchs­wunsch an den Ni­ko­laus ge­schrie­ben und in die Bu­chen­he­cke ge­steckt. Ei­nen Tag spä­ter war der Brief weg. Wür­de al­so der Ni­ko­laus wirk­lich kom­men?

Lei­te­rin El­ke Him­melein trägt den gro­ßen Sack, ich tra­ge ein gold­far­be­nes Buch in der Hand. Als wir an die Tür der Spring­mäu­se-Grup­pe klop­fen, sit­zen die Kin­der in Reih’ und Glied am Tisch. Gro­ße Au­gen, als wir her­ein­kom­men. Die äl­te­ren Kin­der ver­su­chen zwar, cool zu tun, drü­cken sich aber vor­sichts­hal­ber doch mal tie­fer in ih­re Holz­stühl­chen. Die Klei­nen su­chen schnell

FO­TOS: T. LAMMERTZ

Pe­pe (l.), Nao­mi und Jo­sef tref­fen Ni­ko­laus – und bei Jo­sef dau­ert es ein we­nig, bis er be­merkt, dass das auch der Mann ist, der ihn abends ins Bett bringt. Aber ei­gent­lich kann das nicht sein Pa­pa sein: „Ni­ko­laus hat viel mehr Haa­re.“

Se­bas­ti­an Pe­ters ar­bei­tet in der Re­dak­ti­on Mo­ers und ab und zu als Ni­ko­laus.

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