Start­schuss für sechs Di­gi­tal­hubs in NRW

In Ko­ope­ra­ti­ons­zen­tren sol­len ab heu­te Tra­di­ti­ons­fir­men und Start-ups zu­sam­men­ge­führt wer­den: in Düsseldorf und fünf an­de­ren NRW-Städ­ten. Vie­le Un­ter­neh­men ma­chen mit, doch nicht über­all ist die Um­set­zung per­fekt.

Rheinische Post Moenchengladbach - - DIGITALE WIRTSCHAFT - VON REIN­HARD KOWALEWSKY

DÜSSELDORF Braucht die NRWWirt­schaft ei­ni­ge Mil­lio­nen Eu­ro der Lan­des­re­gie­rung, da­mit die Di­gi­ta­li­sie­rung vor­an­kommt? Das kommt auf den Stan­dpunkt an. Die Düs­sel­dor­fer Me­tro stell­te noch am Mon­tag in­tern zehn groß­zü­gig un­ter­stütz­te Jung­fir­men vor – der Rie­sen­kon­zern kommt gut al­lei­ne aus. Ha­ni­el aus Duis­burg in­ves­tiert 50 Mil­lio­nen Eu­ro in in­no­va­ti­ve Fir­men – kein Pap­pen­stiel. Die Te­le­kom pumpt Mil­li­ar­den in di­gi­ta­le Net­ze. Und auch der 140 Jah­re al­te Dax-Kon­zern Hen­kel hat den Trend der Zeit er­kannt: In den nächs­ten Jah­ren flie­ßen bis zu 150 Mil­lio­nen Eu­ro in Be­tei­li­gun­gen bei Grün­der­fir­men – Hen­kel will Ide­en auf­sau­gen und jun­ge Leu­te an sich bin­den.

Auf viel nied­ri­ge­rem Ni­veau will nun auch die Lan­des­re­gie­rung un­ter­stüt­zen, dass sich Tra­di­ti­ons­fir­men und Start-ups ge­gen­sei­tig be­fruch­ten. 12,5 Mil­lio­nen Eu­ro flie­ßen in den nächs­ten Jah­ren in sechs „Hubs der di­gi­ta­len Wirtschaft“in NRW. Beim Auf­bau der ges­tern vor­ge­stell­ten Ver­mitt­lungs­stel­len hat Wirt­schafts­mi­nis­ter Gar­relt Du­in (SPD) ei­nen klu­gen Schach­zug ge­macht: Das Geld gibt es nur, wenn lo­ka­le Part­ner ge­nau­so viel in die Kas­se zah­len wie das Land.

Als Er­geb­nis tra­ten bei­spiels­wei­se dem Di­gi­tal­hub Aa­chen e.V. mehr als 100 Fir­men und In­sti­tu­tio­nen bei – auch der Mar­me­la­den­her­stel­ler Zen­tis und ein gro­ßes Mö­bel­haus mi­schen ne­ben der RWTH mit. „Un­ser Ziel ist, gu­te Ge­schäf­te zu or­ga­ni­sie­ren“, sagt Oli­ver Grün vom Vor­stand des Hubs, „da kön­nen sich di­gi­tal­HUB Aa­chen tra­di­tio­nel­le Fir­men und Grün­der gut die Bäl­le zu­spie­len.“

Ähn­lich soll es in Düsseldorf lau­fen. Hier ge­hö­ren meh­re­re Hoch­schu­len und IHKs der Re­gi­on zu den För­de­rern, aber auch Hua­wei, Er­go, die Stadt­wer­ke oder die 134 Jah­re al­te Tee­kan­ne. Han­nes Amets­rei­ter, Chef von Vo­da­fo­ne, er­klärt, war­um sei­ne Fir­ma mit­macht: „Ab­seits der Un­ter­neh­mens­hier­ar­chi­en kön­nen Start-ups wah­re Im­puls­ge­ber sein: sie ha­ben es leich­ter, aus Denk­mus- Di­gi­tal In­no­va­ti­on Hub Düsseldorf/Rhein­land Di­gi­tal Ruhr: HUB Di­gi­tal Hub Co­lo­gne Re­gi­on Bonn Di­gi­tal Hub tern aus­zu­bre­chen und schnell und ein­fach neue Lö­sun­gen und Pro­duk­te zu ent­wi­ckeln.“

Doch so ver­nünf­tig die Grün­dung der Hubs ist, so sehr kommt es auf die Um­set­zung an: In Aa­chen wird der Hub wohl au­to­ma­tisch ein Er­folg wer­den, weil die Hoch­schu­le vie­le ta­len­tier­te In­ge­nieu­re her­vor­bringt. Der Hub in Düsseldorf pro­fi­tiert von den sprit­zi­gen An­füh­rern Pe­ter Hor­nik und Kle­mens Gai­da. Hor­nik er­zähl­te bei der gest­ri­gen MS­land.di­gi­tal Prä­sen­ta­ti­on, wie Tee­kan­ne, Hen­kel und der Flug­ha­fen bei ei­nem Work­shop kon­zern­in­ter­ne Da­ten mit­brach­ten, aus de­nen die Teil­neh­mer dann Ide­en für neue An­ge­bo­te ent­wi­ckel­ten. „An­zug­trä­ger und Turn­schuh­trä­ger ha­ben sich gut er­gänzt.“

Gleich­zei­tig sor­gen aber po­li­ti­sche Rück­sicht­nah­men auch für Pro­ble­me: Das Ruhr­ge­biet be­warb sich aus Sor­ge vor Kon­kur­renz als Ein­heit – jetzt ist ei­ne Kon­zen­tra­ti­on schwie­rig. Köln be­harr­te trotz ei­ner nur schwa­chen Idee auf ei­nem ei­ge­nen Pro­jekt – al­so wer­den jetzt sechs statt der ur­sprüng­lich ge­plan­ten fünf Hubs be­zahlt. Der Düs­sel­dor­fer CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Tho­mas Jar­zom­bek meint da­zu: „Die Hub-Idee ist gut, aber es wird zu sehr in re­gio­na­len Ego­is­men ge­dacht. So hät­te man Düsseldorf und Köln zu­sam­men­le­gen kön­nen.“

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