An Chi­na führt kein Weg vor­bei

Das Gym­na­si­um am Ge­ro­wei­her sucht den Kon­takt ins Reich der Mit­te und ver­an­stal­te­te ei­nen ers­ten Chi­na-Abend.

Rheinische Post Moenchengladbach - - BILDUNG - VON AN­GE­LA RIETDORF

1,3 Mil­li­ar­den Men­schen le­ben in Chi­na. Das al­lein wä­re schon ein aus­rei­chen­der Grund, Chi­ne­sisch zu ler­nen. Es gibt aber noch et­li­che an­de­re Mo­ti­ve, sich mit Spra­che und Kul­tur des be­völ­ke­rungs­reichs­ten Lan­des der Er­de zu be­fas­sen. „Chi­na spielt wirt­schaft­lich und po­li­tisch ei­ne im­mer ge­wich­ti­ge­re Rol­le“, sagt Dr. Cord Eber­s­pächer, Di­rek­tor des Kon­fu­zi­us-In­sti­tuts Düsseldorf. „Die In­ves­ti­tio­nen be­son­ders in Nord­rhein-West­fa­len wach­sen ra­sant. Die Chi­ne­sen wer­den Ar­beits­ge­ber.“Au­ßer­dem sind mehr als 5000 deut­sche Un­ter­neh­men in Chi­na ver­tre­ten. All das ist Grund

„Es ist ei­ne Welt, die un­se­rer äh­nelt und trotz­dem so ganz an­ders ist“

Ge­sa Kel­ler Schü­le­rin (15) ge­nug für das Gym­na­si­um am Ge­ro­wei­her, um sei­nen Schü­lern Mög­lich­kei­ten des Sprach­er­werbs und des Kon­takts nach Os­t­a­si­en zu er­öff­nen.

Des­halb hat­te die Schu­le jetzt zu ei­nem ers­ten Chi­na-Abend mit In­fos, Bil­dern und ei­nem sprach­li­chen Crash-Kurs ein­ge­la­den. Be­reits seit zwei Jah­ren bie­tet das Gym­na­si­um ei­ne Chi­ne­sisch-AG an. Mo­men­tan büf­feln 15 Schü­ler un­ter der Lei­tung von Ton­gTong Frei­tag chi­ne­si­sche Schrift­zei­chen, Gram­ma­tik und Vo­ka­bu­lar. „Die frem­den Schrift­zei­chen ma­chen es schwie­rig für die Schü­ler“, weiß die Chi­ne- sisch­leh­re­rin. „Aber wenn sie die Grund­la­gen durch­schaut ha­ben, geht es im­mer schnel­ler vor­an.“

Ei­ne Schü­le­rin hat es be­reits sehr weit ge­bracht in der für Eu­ro­pä­er so frem­den Spra­che: Ge­sa Kel­ler be­sucht die Ober­stu­fe des Gym­na­si­ums am Ge­ro­wei­her und lernt seit sechs Jah­ren Chi­ne­sisch am Kon­fu­zi­us-In­sti­tut in Düsseldorf. Drei­mal war die 15-Jäh­ri­ge schon in Chi­na. „Ich kann mich in­zwi­schen aus­drü­cken und ver­ste­he, was die Leu­te sa­gen“, er­klärt sie. Am schwie­rigs­ten sei das Schrei­ben. Ge­sa Kel­ler hat zwei Som­mer­camps und ei­nen zwei­mo­na­ti­gen Schü­ler­aus­tausch hin­ter sich. „Ich ha­be so viel über Chi­na ge­lernt, aber auch viel über mich selbst“, sagt die Ober­stu­fen­schü­le­rin.

Ur­sprüng­lich ha­be sie die Spra­che in­ter­es­siert, in­zwi­schen fin­de sie die Men­schen und ih­re Le­bens­art eben­so fas­zi­nie­rend. „Es ist ei­ne Welt, die un­se­rer äh­nelt und die trotz­dem so ganz an­ders ist“, er­klärt Ge­sa Kel­ler, die be­son­ders das chi­ne­si­sche Essen liebt. Lus­tig sei­en im­mer wie­der die Mo­men­te, wenn man heim­lich fo­to­gra­fiert wer­de oder die Kin­der fas­zi­niert auf das eu­ro­päi­sche Ge­sicht starr­ten. „Man fällt in Chi­na als Eu­ro­päe­rin auf“, stellt sie fest. So reiz­voll der Auf­ent­halt in Chi­na war, sie hat auch das Le­ben in Deutsch­land schät­zen ge­lernt. „Ich bin dank­ba­rer ge­wor­den“, sagt Ge­sa.

Die Mög­lich­keit, Chi­na aus ers­ter Hand ken­nen­zu­ler­nen, will das Gym­na­si­um am Ge­ro­wei­her auch an­de­ren Schü­lern und eben­falls Leh­rern er­öff­nen. „Wir konn­ten über die Wirt­schafts­för­de­rung ei­nen Kon­takt nach Su­qi­an her­stel­len und möch­ten so­wohl ei­nen Schü­le­rals auch ei­nen Leh­rer­aus­tausch in Gang brin­gen“, er­klärt Schul­lei­ter Dr. Chris­ti­an Dern. Au­ßer­dem wer­de über­legt, Chi­ne­sisch als Lehr­fach in der Mit­tel- oder Ober­stu­fe ein­zu­füh­ren. Mit die­sen Plä­nen be­wegt sich das Mön­chen­glad­ba­cher Gym­na­si­um in ei­ne Rich­tung, die der Di­rek­tor des Kon­fu­zi­us-In­sti­tuts für zu­kunfts­wei­send hält.

„Deutsch­land hinkt im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich hin­ter­her“, stellt Cord Eber­s­pächer fest. „Es ist sinn­voll, an ei­ner wei­ter­füh­ren­den Schu­le pro Stadt Chi­ne­sisch als zu­sätz­li­che Fremd­spra­che an­zu­bie­ten.“Von eben­so gro­ßer Be­deu­tung sei die per­sön­li­che Be­geg­nung. „Es ist wich­tig, die Ge­mein­sam­kei­ten zu ent­de­cken“, sagt der Si­no­lo­ge aus Düsseldorf.

FO­TO: DETLEF ILGNER

Ge­sa Kel­ler (15) lernt seit sechs Jah­ren Chi­ne­sisch und war schon drei­mal im Reich der Mit­te.

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