Bar­ce­lo­na er­teilt Bo­rus­sia ei­ne Lehr­stun­de

Im Schon­gang kom­men die Ka­ta­la­nen in der Cham­pi­ons Le­ague ge­gen über­for­der­te Glad­ba­cher zu ei­nem 4:0.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON KARS­TEN KELLERMANN

BAR­CE­LO­NA Der Abend in Bar­ce­lo­na be­gann ges­tern für Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach mit ei­ner trau­ri­gen Nach­richt. Der spa­ni­sche Ver­tei­di­ger Al­va­ro Do­m­in­guez, den seit lan­gem Rü­cken­pro­ble­me pla­gen, ver­kün­de­te per Vi­deo­bot­schaft das En­de sei­ner Kar­rie­re. Was im Sta­di­on Camp Nou folg­te, pass­te da­zu. Bo­rus­sia ver­lor 0:4. Es war ei­ne Lehr­stun­de.

Bo­rus­si­as Trai­ner An­dré Schu­bert hat­te ei­ne recht über­ra­schen­de For­ma­ti­on er­son­nen. Die Rou­ti­niers Raf­fa­el, Os­car Wendt, Fa­bi­an John­son und Chris­toph Kra­mer sa­ßen auf der Bank, Ka­pi­tän Lars St­indl war ge­sperrt. „Wir müs­sen sehr, sehr gut ver­tei­di­gen“, hat­te er am Vor­abend des Spiels ge­sagt, und dies soll­te im ge­wal­ti­gen Camp Nou ei­ne Fün­fer­ket­te tun, vor der sich ei­ne Vie­rer­ket­te for­mier­te. Al­lein An­dré Hahn stand vorn und soll­te für Um­schalt­ak­tio­nen sor­gen.

Bar­ce­lo­nas Trai­ner Lu­is En­ri­que schon­te den Ex-Glad­ba­cher Mar­cAn­dré ter Stegen, auch Lu­is Sua­rez saß zu­nächst auf der Bank. Da­für spiel­te Lio­nel Mes­si, der im Hin­spiel ge­fehlt hat­te. Der Su­per­star hat­te auch rich­tig Lust, das war spür­bar. Mes­si leg­te zwi­schen­zeit­lich das ei­ne oder an­de­re ball­tech­ni­sche Kunst­stück aufs Grün. Und er traf. Nach 16 Mi­nu­ten war er nach der Her­ein­ga­be von Ar­da Tu­ran so frei und schoss den Ball ins Tor. Drei Mi­nu­ten spä­ter ver­hin­der­te Yann Som­mers Re­flex das nächs­te Ge­gen­tor. Die Bo­rus­sen wur­den Bar­ca kaum ein­mal hab­haft.

Die Gast­ge­ber schaff­ten es da­her im­mer wie­der, die Bo­rus­sen in Un­ord­nung zu spie­len. Die Glad­ba­cher wirk­ten in ih­rem Ab­wehr­be­mü­hen zu­wei­len et­was un­be­hol­fen, schos­sen öf­ter mal sich oder ei­nen Ge­gen­spie­ler an. Be­frei­ungs­schlä­ge ka­men meist nicht weit. Ball­be­sitz? Ge­fühlt un­ter zehn Pro­zent. Und wenn, dann nur als kur­zes Ver­gnü­gen. Bar­ca ließ den Ball lau­fen – und auch die Bo­rus­sen. Um 21.49 Uhr hat­ten die gut 6000 Glad­bach-Fans Spaß. Es gab die ers­te Ecke für ihr Team. Kurz dar­auf je­doch kon­ter­te Bar­ce­lo­na, und Tu­ran traf per Kopf zum 2:0 (51.). Nur drei Mi­nu­ten spä­ter durf­te Tu­ran dann mit dem Fuß voll­stre­cken, wie­der kam der An­griff über die rech­te Sei­te, auf der Ni­co El­ve­di mehr und mehr über­for­dert war. 3:0 nach 53 Mi­nu­ten – Bar­ca schoss die­sen Vor­sprung all­zu un­ge­hin­dert her­aus, Bo­rus­sia war viel zu sehr das Ka­nin­chen vor der Schlan­ge. Wie beim 4:0, wie­der durch Tu­ran. Er stand er­neut al­lein, es ging er­neut zu schnell für Glad­bach.

Das Er­geb­nis schwoll mehr und mehr und schmerz­haf­ter an. Der Mut, von dem Schu­bert vor­her ge­spro­chen hat­te, war nicht zu er­ken­nen. Das Spiel nach vorn fand nicht statt, Bar­ca-Tor­wart Cil­les­sen blieb un­ge­prüft. Und die vie­len Ver­tei­di­ger, neun mit­hin, be­ka­men nie die nö­ti­ge Sta­bi­li­tät hin, um da­ge­gen zu hal­ten, wenn Bar­ca sein Ti­ki Ta­ka auf­zog. Schu­bert De­fen­siv­kon­zept ging nicht auf, sein Bo­rus­sen-Wall war kein ad­äqua­tes Hin­der­nis für Bar­ca. Auch Kra­mer, John­son und Raf­fa­el konn­ten den Ein­druck des Abends nicht mehr raus­rei­ßen. Ein­zig Tor­wart Som­mer, der mit ei­ni­gen Pa­ra­den Schlim­me­res ver­hin­der­te, war auf der Hö­he.

Was neh­men die Bo­rus­sen aus Bar­ce­lo­na mit? Die Er­kennt­nis, dass Teams wie der FC Bar­ce­lo­na in der ak­tu­el­len Pha­se ei­ni­ge Num­mern zu groß sind. Was das für das Spiel am Sonn­tag ge­gen Mainz be­deu­tet? Es muss ge­won­nen wer­den. Dar­an hat sich nichts ge­än­dert. Nur, dass die Rei­se nach Bar­ce­lo­na nicht als Mut­ma­cher ge­eig­net ist. Und ein Ru­he­stif­ter ist sie ganz si­cher nicht.

FO­TO: DPA

Lio­nel Mes­si ju­belt nach sei­nem Tref­fer zum 1:0. Bo­rus­si­as Tor­hü­ter Yann Som­mer und Ver­tei­di­ger Jan­nik Ves­ter­gaard (ver­deckt) müs­sen es hin­neh­men.

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