Do­m­in­guez sagt mit 27 Jah­ren „Adi­os“

Bo­rus­si­as In­nen­ver­tei­di­ger hat ges­tern sein frü­hes Kar­rie­re­en­de ver­kün­det. Rü­cken­pro­ble­me zwan­gen ihn da­zu.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON KARS­TEN KELLERMANN

BAR­CE­LO­NA Die Bo­rus­sen wa­ren so­eben im Camp Nou an­ge­kom­men. Es war 19.30 Uhr, 75 Mi­nu­ten vor dem An­stoß des Cham­pi­ons-Le­ague-Spiels beim FC Bar­ce­lo­na. Das rie­si­ge Sta­di­on war noch im Ru­he­mo­dus, die Fuß­bal­ler schau­ten sich um. Der­weil schick­te ihr ver­letz­ter Kol­le­ge Ál­va­ro Do­m­in­guez ein kur­zes Vi­deo über Twit­ter in die Welt hin­aus. Die Bot­schaft, die es ent­hielt, war ei­ne sehr trau­ri­ge: Der spa­ni­sche Ver­tei­di­ger hat den Kampf ge­gen die an­hal­ten­den Rü­cken­pro­ble­me ver­lo­ren und be­en­det mit so­for­ti­ger Wir­kung sei­ne Kar­rie­re.

„Die letz­ten zwei Jah­ren wa­ren ei­ne schwe­re Zeit. Ich ha­be al­les ver­sucht, fit zu wer­den, ha­be al­les für den Ver­ein ge­ge­ben“, sag­te Do­m­in­guez. Er wirk­te ru­hig, doch sei­ne in­ne­re Auf­ge­wühlt­heit schwang in der Stim­me mit. „Ich bin mit 27 Jah­ren in­va­lid. Ich woll­te es euch mit­tei­len und ich hof­fe, wir hö­ren uns bald und se­hen uns bald. Ich woll­te mich be­dan­ken für eu­re Un­ter­stüt­zung“, sag­te Do­m­in­guez. 52 Se­kun­den dau­ert der Film.

Der eben­falls der­zeit ver­letz­te und frisch ope­rier­te Ibo Tra­o­ré ret­weete Do­m­in­guez‘ Vi­deo­bot­schaft flugs. Das, was schon län­ger zu be­fürch­ten war, ist nun al­so Ge­wiss­heit. Do­m­in­guez hat­te nach der ers­ten Rü­cken-OP im Som­mer noch ei­nen Ver­such ge­wagt, doch schnell ka­men die Schmer­zen zu­rück. Es gab ei­ne zwei­te OP, und schon da wur­de ver­mu­tet, dass er nicht zu­rück­keh­ren wür­de. Heu­te ist es ge­nau ein Jahr und ei­nen Mo­nat her, dass er sein letz­tes Spiel als Fuß­ball­pro­fi mach­te beim 0:0 ge­gen den FC Ingolstadt am 7. No­vem­ber 2015.

Do­m­in­guez rich­te­te sei­ne Bot­schaft ex­pli­zit an die Fans von Bo­rus­sia und At­lé­ti­co Ma­drid, von wo er 2012 zum Nie­der­rhein ge­wech­selt war. Da­mals kam der Ver­tei­di­ger, der auch links in der Vie­rer­ket­te spie­len konn­te, als zwei­ma­li­ger Eu­ro­pa-Le­ague-Sie­ger. In den vier­ein- halb Jah­ren als Bo­rus­se war er im­mer ver­let­zungs­an­fäl­lig, er kommt ins­ge­samt nur auf 106 Pflicht­spie­le für Glad­bach. Da­bei er­ziel­te Do­m­in­guez drei To­re. Bo­rus­sia, die zu­letzt acht­mal sieg­los war in der Bun­des­li­ga, hat die letz­ten 14 Bun­des­li­ga­spie­le, an de­nen Do­m­in­guez be­tei­ligt war, nicht ver­lo­ren.

Trai­ner An­dré Schu­bert hat­te nach dem 1:1 ge­gen 1899 Hof­fen­heim noch be­tont, wie wich­tig ein Spie­ler wie Do­m­in­guez sei, aber auch an­ge­deu­tet, dass es vi­el­leicht kein Come­back mehr ge­ben wer­de. „Wann und ob er zu­rück­kehrt, ist of­fen“, hat­te Schu­bert ge­sagt.

Dass Do­m­in­guez aus­ge­rech­net an dem Abend, da die Bo­rus­sen in sei­ner Hei­mat das größ­te Spiel der jün- ge­ren Ver­eins­ge­schich­te mach­ten, sei­ne trau­ri­ge Bot­schaft mit­teil­te, ent­behrt nicht ei­ner ge­wis­sen Tra­gik. Wä­re Do­m­in­guez ge­sund, wä­re es wohl sein Spiel ge­we­sen. Er, der ge­bür­ti­ge Ma­dri­le­ne, im Camp Nou, beim größ­ten Ri­va­len der bei­den spa­ni­schen Haupt­stadt-Klubs At­lé­ti­co und Re­al.

Do­m­in­guez hat­te sich mit Bo­rus­sia dar­auf ge­ei­nigt, sein Kar­rie­re­en­de selbst zu ver­kün­den. Über den Zeit­punkt gab es kei­ne Ab­spra­che, dass er es so kurz vor dem Spiel bei Bar­ca tat, über­rasch­te et­was. Doch es ist zu ver­mu­ten, dass sei­ne Team­kol­le­gen von der Nach­richt nicht kom­plett über­rascht wur­den und ges­tern auch ein biss­chen für Do­m­in­guez ge­spielt ha­ben.

Vor der Sai­son hat­te er noch er­freut mit­ge­teilt, dass er mit der Rü­cken­num­mer 18, die er zu­vor auch bei At­lé­ti­co hat­te, ei­nen Neu­an­fang star­ten wol­le. „Ich wer­de in den nächs­ten Jah­ren wie­der mit der 18 spie­len. Es ist mir ei­ne Eh­re, sie wie­der zu tra­gen“, schrieb er bei Face­book. Er hat­te sie neu be­kom­men in Glad­bach, nach­dem er in den Jah­ren zu­vor die 15 ge­tra­gen hat­te. Doch die 18 brach­te ihm kein Glück. Er hat sie nie ge­tra­gen bei Bo­rus­sia. „Ein viel zu frü­hes ’Adi­os’ von ei­nem gro­ßen Sport­ler und tol­len Men­schen. Dan­ke für al­les, Ál­va­ro. Du hast die Rau­te im Her­zen – für im­mer!“, twit­ter­te Bo­rus­sia. Sie ver­liert ei­nen Ver­tei­di­ger, der ge­sund zu den bes­ten der Bun­des­li­ga zähl­te.

FO­TO: IMA­GO

Es geht nicht mehr: Ál­va­ro Do­m­in­guez hat sein Kar­rie­re­en­de ver­kün­det. Den Spa­nier plag­ten über zwei Jah­re so hef­ti­ge Rü­cken­pro­ble­me, dass er nun in die Sport­in­va­li­di­tät geht. Do­m­in­guez mach­te sein letz­tes Spiel für Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach am 7. No­vem­ber 2015 ge­gen den FC Ingolstadt.

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