Die CDU ver­drib­belt sich beim Dop­pel-Pass

Rheinische Post Moenchengladbach - - STIMME DES WESTENS - VON MAR­TIN KESS­LER

Den deut­schen Pass er­hält man durch Ge­burt oder durch Er­werb der deut­schen Staats­bür­ger­schaft. Es ist ver­ständ­lich, dass die Bür­ger ei­nes Staats ver­lan­gen, dass sich des­sen An­ge­hö­ri­ge mög­lichst ex­klu­siv zu die­ser Ge­mein­schaft be­ken­nen. So weit geht die Initia­ti­ve der CDU in Ord­nung.

Doch die Christ­de­mo­kra­ten ver­fal­len in ih­re rück­wärts­ge­wand­ten Re­fle­xe, wenn sie nun gänz­lich die dop­pel­te Staats­bür­ger­schaft ab­schaf­fen wol­len. Denn es gibt ge­wich­ti­ge Aus­nah­men vom Prin­zip der sin­gu­lä­ren Staats­bür­ger­schaft. Wer beim Wech­sel in die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit sein Er­be ver­liert, soll­te wie bis­her ei­nen Dop­pel-Pass er­hal­ten. Das Be­kennt­nis zu un­se­rer Ver­fas­sung ist wich­ti­ger als die Auf­ga­be der bis­he­ri­gen Staats­bür­ger­schaft.

Der an­de­re gro­ße Aus­nah­me­fall ist die zwei­te Ge­ne­ra­ti­on. Wer in Deutsch­land als Kind aus­län­di­scher El­tern ge­bo­ren ist, hat häu­fig en­ge sprach­li­che und kul­tu­rel­le Bin­dun­gen zu de­ren Her­kunfts­land. War­um soll­ten dann in die­ser Ge­ne­ra­ti­on nicht zwei staat­li­che Iden­ti­tä­ten mög­lich sein? Die CDU soll­te wis­sen: Am Pass kann man nicht den Stand der In­te­gra­ti­on fest­ma­chen. Aber man kann mit aus­gren­zen­den Re­geln Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten för­dern. BE­RICHT

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