Kiffen soll le­gal wer­den

Düs­sel­dorf will als ers­te Kom­mu­ne in Deutsch­land den Ver­kauf und Kon­sum von Can­na­bis le­ga­li­sie­ren. Ein ers­tes Ex­pe­ri­ment könn­te ei­ne Mil­li­on Eu­ro kos­ten.

Rheinische Post Moenchengladbach - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON LAU­RA IHME

DÜS­SEL­DORF In der Lan­des­haupt­stadt ist Kiffen viel­leicht bald rund­um er­laubt: Düs­sel­dorf treibt sei­ne Plä­ne für ei­nen Mo­dell­ver­such für den Kon­sum und Ver­kauf der Dro­ge vor­an. Be­reits im Som­mer 2017 könn­te die Stadt ei­nen An­trag auf ei­ne Ge­neh­mi­gung für le­ga­le Ab­ga­bes­tel­len ein­rei­chen – al­ler­dings mit un­ge­wis­sen Chan­cen: Ber­lin ist mit ei­nem ähn­li­chen Ver­such be­reits ge­schei­tert.

Im Düs­sel­dor­fer Rat­haus ver­sucht man der­zeit, die kom­pli­zier­ten Fra­gen rund um das The­ma zu klä­ren. Ge­sund­heits­de­zer­nent Andre­as Mey­er-Fal­cke lud des­halb ges­tern zur Fach­ta­gung zum The­ma in das Rat­haus. Ex­per­ten dis­ku­tier­ten das Für und Wi­der, spra­chen dar­über, wie ei­ne Um­set­zung aus­se­hen könn­te – und mach­ten den Be­tei­lig­ten Hoff­nung, dass das Vor­ha­ben glü­cken könn­te.

Der Vor­stoß Düs­sel­dorfs zur Le­ga­li­sie­rung der Dro­ge nimmt da­mit erst­mals kon­kre­te Zü­ge an. Po­li­ti­ker des Am­pel­bünd­nis­ses aus SPD, Grü­nen und FDP so­wie der Lin­ken hat­ten sich vor an­dert­halb Jah­ren im Stadt­rat für die Le­ga­li­sie­rung aus­ge­spro­chen. Die CDU wehrt sich ge­gen die Idee. Ar­gu­men­te gibt es für bei­de Po­si­tio­nen: Me­di­zi­ner war­nen da­vor, dass der über­mä­ßi­ge Kon­sum zu Psy­cho­sen und schwe­ren Per­sön­lich­keits­stö­run­gen füh­ren kön­ne. Der Kin­der- und Ju­gend­psych­ia­ter Ar­min Claus mahn­te ges­tern au­ßer­dem an, dass der Kon­sum der Dro­ge bei jun­gen Men­schen bis 25 Jah­ren zu Ge­hirn­schä­den füh­ren kön­ne.

An­de­re Po­di­ums­gäs­te wie der Düs­sel­dor­fer Öko­nom Jus­tus Hau­cap sind da­ge­gen der An­sicht, ei­ne Le­ga­li­sie­rung kön­ne sich för­der­lich aus­wir­ken. „Der Dro­gen­markt als il­le­ga­ler Markt bie­tet kaum Mög­lich­kei­ten der Kon­trol­le.“Man kön­ne bei­spiels­wei­se nicht die Qua­li­tät des Stof­fes kon­trol­lie­ren. „Es kön­nen schäd­li­che Stof­fe bei­ge­mischt sein, und kei­ner ahn­det das“, so Hau­cap. Bei ei­ner re­gu­lier­ten Ab­ga­be könn­ten Li­zen­zen ver­teilt wer­den. Die Ab­ga­bes­tel­len müss­ten sich dann den Qua­li­täts­maß­stä­ben der staat­li­chen Kon­trol­le fü­gen. Can­na­bis kön­ne au­ßer­dem be­steu­ert wer­den.

Die frü­he­re Po­li­zei­be­am­tin und Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Irene Mi­ha­lic (Grü­ne) er­hofft sich ei­ne Ent­las­tung für die Po­li­zei. Sie sprach für LEAP Deutsch­land, ei­nen Zu­sam­men­schluss von Po­li­zis­ten, Rich­tern und Staats­an­wäl­ten für ei­ne fort­schritt­li­che Dro­gen­po­li­tik. Durch Er­mitt­lungs­ver­fah­ren zum Can­na­bis-Be­sitz gin­gen dem Staat je­des Jahr Mil­lio­nen ver­lo­ren. Wenn man das Mit­tel le­ga­li­sie­re, ha­be man da­ge­gen die Mög­lich­keit, rich­ti­ge Auf­klä­rung zu be­trei­ben. „Das ist im Mo­ment nicht mög­lich, denn je­der, der of­fen zu­gibt, zu kon­su­mie­ren, wird kri­mi­na­li­siert“, sagt Mi­ha­lic.

Dass ei­ne Le­ga­li­sie­rung in ei­ner ein­zel­nen Stadt schwer zu rea­li­sie­ren ist, hat der Fall Fried­richs­hainK­reuz­berg ge­zeigt: In dem Ber­li­ner Be­zirk hat­ten Po­li­ti­ker und Be­hör­den 2015 ver­sucht, den Ver­kauf und Kon­sum rund um den Gör­lit­zer Park zu le­ga­li­sie­ren. Die Grün­flä­che ist seit je­her ein Ort des Kon­sums und Ver­triebs von Can­na­bis.

Weil selbst täg­li­che Po­li­zei­ein­sät­ze nichts än­der­ten, wa­ren die Orts­po­li­ti­ker der An­sicht, mit ei­ner Le­ga­li­sie­rung wie­der Herr der La­ge zu wer­den. Der Vor­stoß ist je­doch zwei­mal vor dem Bun­des­in­sti­tut für Arz­nei­mit­tel ge­schei­tert. Denn die Be­für­wor­ter des Mo­dell­ver­suchs konn­ten nicht be­le­gen, dass nie­mand durch die Maß­nah­me ab­hän­gig wird. Da­mit stan­den sie aber in Kon­flikt mit dem Be­täu­bungs­mit­tel­ge­setz.

In Düs­sel­dorf will man es bes­ser ma­chen – und mit ei­ner wis­sen­schaft­li­chen Stu­die punk­ten. Die Idee: Zwei Jah­re lang wer­den 500 Pro­ban­den be­ob­ach­tet. Die Hälf­te kon­su­miert Can­na­bis, die üb­ri­gen nicht. Am En­de wer­den die Un­ter­schie­de der bei­den Grup­pen aus­ge­wer­tet.

Die Stu­die wür­de al­ler­dings wohl Kos­ten in Hö­he von ei­ner Mil­li­on Eu­ro ver­ur­sa­chen – das ist Geld, das Düs­sel­dorf mit sei­nem an­ge­schla­ge­nen Haus­halt der­zeit nicht üb­rig hat. Der Ge­sund­heits­de­zer­nent will des­halb an­de­re Kom­mu­nen mit ins Boot ho­len: „Hier wa­ren heu­te auch Po­li­ti­ker aus Köln und Müns­ter zu Gast. Dort ist die Le­ga­li­sie­rung auch ein The­ma.“Die FDP schlug zu­dem vor, Geld vom Land zu be­an­tra­gen.

Die Düs­sel­dor­fer Po­li­ti­ker ga­ben sich ges­tern ent­schlos­sen, nicht so ein­fach auf­zu­ge­ben. Das nächs­te Mal po­li­tisch dis­ku­tiert wird das The­ma im Früh­jahr im Ge­sund­heits­aus­schuss des Stadt­rats. Dort könn­ten die ers­ten Ent­schei­dun­gen über die Stu­die fal­len.

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