EU-Rats­prä­si­dent Tusk po­kert um zwei­te Amts­zeit

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK -

BRÜS­SEL (krö) EU-Rats­prä­si­dent Do­nald Tusk bringt sich für sei­ne mög­li­che Wie­der­wahl im kom­men­den Jahr in Stel­lung. Im April wird der Po­le 60 Jah­re alt, kurz dar­auf läuft sei­ne ers­te Amts­zeit in Brüs­sel ab. Da­her hat Tusk in­zwi­schen da­mit be­gon­nen, sei­ne Chan­cen ab­zu­wä­gen und zu tak­tie­ren.

In jüngs­ten In­ter­viewauf­trit­ten kün­dig­te der ge­bür­ti­ge Dan­zi­ger auf sub­ti­le Art und Wei­se an, ei­ne Rück­kehr in die pol­ni­sche In­nen­po­li­tik zu er­wä­gen. „Wenn ich hel­fen kann, ist das im­mer ei­ne Über­le­gung wert“, er­klär­te Tusk. Aber viel spricht auch da­für, dass der 59-Jäh­ri­ge gern als Rats­prä­si­dent wei­ter­ma­chen wür­de.

Wer sei­ne Art zu tak­tie­ren kennt, dem konn­te der Sinn die­ser An­kün­di­gung kaum ver­bor­gen blei­ben: Der Po­le will sei­ne Geg­ner, aber auch sei­ne Un­ter­stüt­zer in Brüs­sel und War­schau zwin­gen, sich zu po­si­tio­nie­ren.

Und das Ma­nö­ver ge­lang. Po­lens Au­ßen­mi­nis­ter Wi­told Wasz­c­zy­kow­ski vom po­li­ti­schen Kon­kur­ren­ten PiS (Par­tei Recht und Ge­rech­tig­keit) stell­te Tusk ein Ul­ti­ma­tum: „Der Rats­prä­si­dent hat noch bis zum Früh­jahr Zeit, sei­ne Hal­tung ge­gen­über der pol­ni­schen Re­gie­rung zu än­dern. An­dern­falls wird die PiS sei­ne Wie­der­wahl nicht un­ter­stüt­zen.“

Der Front­ver­lauf ist un­über­sicht­lich, aber zwei Sze­na­ri­en sind denk­bar: Die PiS könn­te sich trotz al­ler po­li­ti­schen Feind­schaft ent­schlie­ßen, Tusk in Brüs­sel zu un­ter­stüt­zen, um ihn von War­schau fern­zu­hal­ten. Das wä­re die hal­be Mie­te für den Rats­prä­si­den­ten. An­dern­falls stün­de der Po­le vor der Fra­ge: Kampf um die Macht in War­schau oder Rück­zug aus der Po­li­tik?

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