Schwe­re Zei­ten für den Wäh­rungs­fonds

Der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds hat vie­le Pro­ble­me: Die Che­fin muss am Mon­tag vor Ge­richt, das Ver­hält­nis zum neu­en US-Prä­si­dent Trump ist schwie­rig, die Be­tei­li­gung am drit­ten Ret­tungs­pa­ket für Grie­chen­land ein Streit­the­ma.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

DÜS­SEL­DORF (RP) Über die Be­tei­li­gung des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds (IWF) an Hil­fen für das hoch ver­schul­de­te Grie­chen­land ist schon mehr als ein­mal dis­ku­tiert wor­den. Auch jetzt ist die Rol­le des IWF wie­der ein Streit­the­ma. Auf die An­kün­di­gung von Eu­ro­grup­pen­Chef Je­ro­en Di­js­sel­blo­em, der IWF wer­de sich nicht mehr bis Jah­res­en­de am drit­ten Hilfs­pa­ket für Grie­chen­land be­tei­li­gen, ha­ben Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te von CDU/CSU mit schar­fer Kri­tik re­agiert. Frak­ti­ons­vi­ze Micha­el Fuchs poch­te auf das Ver­spre­chen der Bun­des­re­gie­rung, wo­nach der IWF bis spä­tes­tens En­de 2016 in je­dem Fall mit da­bei sein wer­de. „Der IWF muss an Bord. Das ist so ver­ein­bart“, sag­te Fuchs der „Bild“.

Par­tei­kol­le­ge Chris­ti­an von Stet­ten, droh­te gar mit dem Aus­stieg Deutsch­lands aus dem Hilfs­pro­gramm: „Die Ver­ein­ba­rung ist ein­deu­tig. Wenn der IWF sich nicht be­tei­ligt, muss Deutsch­land aus­stei­gen.“Und CSU-Fi­nanz­ex­per­te Hans Mi­chel­bach kri­ti­sier­te die „Ver­trös­tungs-Or­gie“, die die Ab­ge­ord­ne­ten „ei­gent­lich nicht län­ger ak­zep­tie­ren kön­nen“.

Ei­ne Spre­che­rin von Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le trat der Kri­tik ent­ge­gen. Die Bun­des­re­gie­rung stre­be zwar ei­ne IWFBe­tei­li­gung an, tech­nisch ste­he aber noch der Ab­schluss der zwei­ten Prü­fungs­run­de zu den grie­chi­schen Re­form­fort­schrit­ten aus. Der aber sei ei­ne Vor­aus­set­zung für die IWFEnt­schei­dung, sag­te sie. Am Mon­tag hat­ten die Eu­ro-Fi­nanz­mi­nis­ter kurz­fris­ti­ge Ent­las­tun­gen bei den Schul­den­diens­ten be­schlos­sen, die Grie­chen­land lang­fris­tig ei­ne nied­ri­ge­re Schul­den­quo­te brin­gen und da­mit die Schul­den­last in den nächs­ten Jahr­zehn­ten trag­fä­hi­ger ma­chen sol­len.

Ob das dem IWF reicht, bleibt of­fen. Die Auf­re­gung bleibt je­den­falls vor­erst. Und Grie­chen­land ist bei­lei­be nicht das ein­zi­ge Pro­blem­feld für den IWF. Da wä­re zum ei­nen das schwie­ri­ge Ver­hält­nis zum künf­ti­gen US-Prä­si­den­ten Do­nald Trump. Der hat klar be­kun­det, dass in sei­ner Amts­zeit die In­ter­es­sen der Ver­ei­nig­ten Staa­ten im Vor­der­grund ste­hen soll­ten und ein lang­fris­ti­ges En­ga­ge­ment des Wäh­rungs­fonds nicht im In­ter­es­se der USA sein könn­ten. Die Ame­ri­ka­ner sind aber der größ­te An­teils­eig­ner des IWF, und dar­um sind auch die Eu­ro­pä­er alar­miert ob der Aus­sa­gen Trumps.

Das zwei­te gro­ße Pro­blem ist die Prä­si­den­tin: Christine La­g­ar­de muss sich ab Mon­tag vor Ge­richt ver­ant­wor­ten. La­g­ar­de war frü­her Fi­nanz­mi­nis­te­rin in Pa­ris. Ihr wird vor­ge­wor­fen, dass sie in die­ser Zeit re­gel­wid­rig ei­ne Ent­schä­di­gungs­zah­lung von rund 400 Mil­lio­nen Eu­ro an den Ge­schäfts­mann Ber­nard Ta­pie mög­lich ge­macht ha­be. Ta­pie sah sich sei­ner­zeit beim Ver­kauf sei­ner An­tei­le am deut­schen Chris­ti­an von Stet­ten Vor­sit­zen­der des Par­la­ments­krei­ses Mit­tel­stand Sport­ar­ti­kel­her­stel­ler Adi­das von der da­mals staat­li­chen Groß­bank Cré­dit Lyon­nais ge­prellt und be­kam in ei­nem Schieds­ver­fah­ren die 400Mil­lio­nen-Eu­ro-Ent­schä­di­gung zu­ge­spro­chen. La­g­ar­de ver­zich­te­te auf ei­nen Ein­spruch. Doch der Wind hat sich ge­dreht: Der Schieds­spruch wur­de auf­ge­ho­ben, ge­gen Ta­pie und an­de­re wird we­gen Be­trugs­ver­dachts er­mit­telt. La­g­ar­de hat die Vor­wür­fe stets be­strit­ten und be­tont, sie ha­be im In­ter­es­se des Staa­tes ge­han­delt. Ihr An­walt will am Mon­tag ei­ne Ver­schie­bung der Ver­hand­lung be­an­tra­gen und be­grün­det dies da­mit, dass noch wei­te­re Er­mitt­lun­gen in dem Fall lie­fen. Das al­les än­dert nichts dar­an, dass die Po­si­ti­on des Wäh­rungs­fonds nicht ge­stärkt wird, wenn sei­ne Che­fin vor Ge­richt ste­hen soll.

„Wenn der IWF sich nicht be­tei­ligt, muss Deutsch­land aus­stei­gen“

FO­TO: AP

In­ter­na­tio­nal an­ge­se­hen und doch um­strit­ten: IWF-Che­fin Christine La­g­ar­de beim Tref­fen der Asia­tisch-Pa­zi­fi­schen Wirt­schafts­ge­mein­schaft (Apec)

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