Dräng­ler, hört auf mich zu stres­sen!

Mir bricht der Schweiß aus, ich ge­ra­te in Pa­nik – ein Dräng­ler ist im Au­to hin­ter mir, und er fährt im­mer dich­ter auf. Ich fah­re schnel­ler, aber er bleibt dran. Wie so oft die­ser Ta­ge. Ein Er­fah­rungs­be­richt.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON SA­BI­NE KRI­CKE

Ich lie­be es, mit dem Au­to zu fah­ren. Es ent­spannt mich nach ei­nem lan­gen Ar­beits­tag so­gar. Doch im­mer wie­der ver­mie­sen mir be­stimm­te Grup­pen von Au­to­fah­rern das Fahr­ver­gnü­gen, be­son­ders in den ver­gan­ge­nen Wo­chen im Win­ter: Dräng­ler und Ra­ser. Sie ma­chen mich wahn­sin­nig.

Ob in der In­nen­stadt oder auf der Au­to­bahn, es gibt sie über­all. Egal zu wel­cher Ta­ges­zeit ich un­ter­wegs bin, min­des­tens ei­ne rü­de Ges­te wür­de ich je­den Tag gern zei­gen (wenn ich mich da­mit nicht straf­bar ma­chen wür­de).

Über ein Er­leb­nis auf der A 46 in Rich­tung Düs­sel­dorf är­ge­re ich mich be­son­ders: Ich fah­re auf der rech­ten Spur, mit 130 km/h, das ent­spricht der Richt­ge­schwin­dig­keit auf deut­schen Au­to­bah­nen. Vor mir fährt ein lang­sam fah­ren­der Lkw. Ich ver­ge­wis­se­re mich, dass auf der lin­ken Fahr­spur nie­mand fährt, set­ze den Blin­ker und über­ho­le den Las­ter. Plötz­lich rast ein SUV mit ei­ner Ge­schwin­dig­keit von hin­ten her­an, die ich nicht ein­mal schät­zen kann.

Statt ab­zu­brem­sen, fährt der Mann dicht auf und gibt mir mit im­mer wie­der auf­blin­ken­der Licht­hu­pe zu ver­ste­hen, dass ich schnel­ler an dem Lkw vor­bei fah­ren soll. Mir bricht der Schweiß aus. Mein Herz rast, ich ge­ra­te in Pa­nik und wer­de wü­tend. Mitt­ler­wei­le zeigt mein Ta­cho be­reits 150 km/h an. 521 Men­schen star­ben im Jahr 2015 bei Ver­kehrs­un­fäl­len. „Zu ho­he Ge­schwin­dig­keit bleibt Kil­ler Nr. 1“, sag­te NRW-In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger in Hin­blick auf die Ver­kehrs­sta­tis­tik. Laut ei­ner Sta­tis­tik der Zeit­schrift „ADAC Mo­tor­welt“fühl­ten sich be­reits 80 Pro­zent der Deut­schen ein­mal von Dräng­lern pro­vo­ziert. Da- bei fal­len Fah­rer PS-star­ker Au­tos von Mar­ken wie BMW, Mer­ce­des, Au­di und Por­sche be­son­ders ne­ga­tiv auf. Nur 30 Pro­zent der Au­to­fah­rer, är­gern sich über zu lang­sa­me Ver­kehrs­teil­neh­mer.

Zu­rück auf der Au­to­bahn: Schnell zie­he ich wie­der auf die rech­te Spur, wür­de da­bei dem Dräng­ler am liebs­ten ins Ge­sicht sprin­gen. Er fährt vor­bei, zeigt mir ein Vö­gel­chen. Die­se Sze­ne spielt sich in­ner­halb we­ni­ger Se­kun­den ab. Ei­ni­ge Me­ter wei­ter: Stau. Mitt­ler­wei­le bin ich auf der rech­ten Spur so­gar schnel­ler als der Dräng­ler von eben. Er zieht des­halb nach rechts und fährt di­rekt hin­ter mir. Erst­mal schön die Schei­ben­wi­sch­an­la­ge an­ma­chen, da­mit sei­ne Schei­be nass wird. Das ist mei­ne klei­ne Ra­che.

Dräng­ler und Ra­ser müs­sen beim zu dich­ten Auf­fah­ren mit Nö­ti­gung mit ei­ner An­zei­ge rech­nen. Laut dem ADAC wä­re teil­wei­se so­gar ein Mo­nats­ge­halt an Stra­fe fäl­lig. Au­ßer­dem kann für bis zu ei­nem hal­ben Jahr der Füh­rer­schein ein­ge­zo­gen wer­den. Chris­tof Spel­ters ist Rechts­an­walt in Vier­sen und be­rät Kli­en­ten vor al­lem in Sa­chen Ver­kehrs­recht. Er be­tont, dass es wich­tig ist, Zeu­gen für den Vor­fall zu ha­ben. „Oh­ne Zeu­gen steht an­sons­ten Aus­sa­ge ge­gen Aus­sa­ge“, sagt Spel­ters. Ob es dann über­haupt zu ei­nem Ver­fah­ren kommt, sei frag­lich. Laut der Au­to­bahn­po­li­zei in Düs­sel­dorf gibt es kei­ne ex­pli­zi­ten Sta­tis­ti­ken über Ver­kehrs­de­lik­te, an de­nen Dräng­ler be­tei­ligt wa­ren. Ein Spre­cher der Po­li­zei sagt, dass die­se Ar­ten von Ver­kehrs­de­lik­ten un­ter „Nö­ti­gung im Stra­ßen­ver­kehr“fal­len und wer­den nicht un­ter dem Hin­weis „Dräng­ler“ver­merkt.

Ich als Au­to­fah­re­rin kann ver­ste­hen, dass man auf der Au­to­bahn aus Fahr­ver­gnü­gen oder weil man ei­nen wich­ti­gen Ter­min hat, auch mal schnel­ler als mit der Richt­ge­schwin­dig­keit von 130 km/h un­ter­wegs ist. Ich kann auch nach­voll­zie­hen, dass es ei­nen nervt, wenn Au­to­fah­rer ver­meint­lich „schlei­chen“. Aber ei­ne Re­ak­ti­on wie oben be­schrie­ben bringt nicht nur das ei­ge­ne Le­ben in Ge­fahr, son­dern auch das an­de­rer Men­schen.

FO­TOS (2): HANS-PE­TER REICHARTZ

Un­se­re Au­to­rin hat vor al­lem in den letz­ten Wo­chen ne­ga­ti­ve Er­fah­run­gen mit Dräng­lern ge­macht. Da­bei ist über­höh­te Ge­schwin­dig­keit laut der Ver­kehrs­sta­tis­tik Un­fall­ur­sa­che Num­mer 1.

Laut ei­ner Sta­tis­tik des ADAC fühl­ten sich be­reits 80 Pro­zent al­ler Au­to­fah­rer in Deutsch­land durch Dräng­ler pro­vo­ziert.

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