Flie­ßen­de Kon­tu­ren: Heinz Lan­ser stellt in der NEW-Ver­wal­tung aus

Sei­ne Por­träts ver­schmel­zen mit dem Hin­ter­grund. Oft­mals sind sie schwer zu ent­de­cken.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON SI­GRID BLOMEN-RADERMACHER

Sei­ne Bil­der tra­gen Ti­tel wie „Al­ler­lei­rauh“, „Sind­bad der See­fah­rer“, „ Cy­ra­no“, Ali Ba­ba und die 40 Räu­ber“oder „Mond­frau“, „Wolf­gang Ama­de­us auf der Rei­se nach Prag“und „Der zu­frie­de­ne Gärt­ner“. Heinz Lan­ser, der in Köln 1937 ge­bo­re­ne und in Net­te­tal le­ben­de Ma­ler, ist nicht nur an der Ma­le­rei in­ter­es­siert, wie man den Ti­teln un­schwer ent­neh­men kann. Ihn fas­zi­nie­ren his­to­ri­sche Per­sön­lich­kei­ten. Und sie sind es, de­nen er ei­ne Rei­he von „Por­träts“wid­met. In An­füh­rungs­zei­chen ge­setzt, denn sei­ne Por­träts sind schon sehr be­son­ders. Knapp 30 da­von hat Lan­ser für sei­ne Aus­stel­lung un­ter dem Ti­tel „Flie­ßen­de Kon­tu­ren“in den Räu­men der NEW Haupt­ver­wal­tung aus­ge­wählt. Bis auf vier Ar­bei­ten da­tie­ren sie aus den Jah­ren 2015 und 2016.

Mit dem Be­griff der „Flie­ßen­den Kon­tu­ren“um­schreibt Lan­ser sei­ne Tech­nik: er legt, auf Lein­wand oder Kar­ton, ei­nen far­bi­gen Un­ter­grund an, auf dem die Acryl­far­be auch mit Sand ver­mischt sein kön­nen. Er malt, er spach­telt, er kratzt und da­bei ist im­mer der nächs­te Schritt ein­ge­plant: nach dem Trock­nen näm­lich lässt Lan­ser auf das am Bo- den lie­gen­de Bild schwar­zen Acryl­lack trop­fen. Der Acryl­lack macht aus der Far­b­land­schaft, in der im­mer schon ge­dach­ter „Platz“für ei­nen Men­schen ist, ein Por­trät – nur aus kon­tu­rie­ren­den Li­ni­en, de­nen wei­te­re hin­zu­ge­fügt sind. Die­ses „Drip­ping“muss rasch er­fol­gen, denn ein­mal ge­trock­net, gibt es kei­ne Mög­lich­keit mehr, die Li­ni­en zu kor­ri­gie­ren. Aus der Far­be al­so er­wächst mit Hil­fe des Lacks das oft rät­sel­haft wir­ken­de und schwer zu ent­zif­fern­de Pro­fil­por­trät ei­nes Men­schen, so als sei er Teil des Un­ter­grun­des und le­dig­lich mal kurz aus ihm her­vor­ge­tre­ten, um sich zu zei­gen.

Be­son­ders schön und nach­zu­emp­fin­den ist die­se Ver­bin­dung zwi­schen dem Grund und dem Por­trät in „Der zu­frie­de­ne Gärt­ner“: ein Un­ter­grund aus vie­len ver­schie­de­nen Grün­tö­nen wirkt wie das Sym­bol der Le­bens­welt des Gärt­ners, mit der er in­nig ver­bun­den ist.

Bei an­de­ren Por­träts ist das Ge­sicht schwie­ri­ger zu ent­zif­fern: die Li­ni­en lau­fen la­by­rin­thisch über die Lein­wand, ver­meh­ren sich, kon­zen­trie­ren und ver­di­cken sich nur an we­ni­gen Punk­ten – es braucht ei­ne Wei­le, um es zu se­hen. Die zu­sätz­li­chen Li­ni­en, die schein­bar gar nicht da­zu ge­hö­ren, las­sen an ei­ne Ver­wir­rung den­ken, an die Viel­heit von Ein­flüs­sen, de­nen Men­schen aus­ge­setzt sind, an ih­re Ver­netz­heit, die nicht im­mer nur hilf­reich und klä­rend ist. Bei solch viel­fäl­ti­ger Ver­net­zung wird dann der Kern des Men­schen un­deut­lich.

Die Aus­stel­lung „Flie­ßen­de Kon­tu­ren“mit Bil­dern von Heinz Lan­ser ist bis zum 3. Fe­bru­ar 2017 mon­tags bis Don­ners­tag von 8 bis 17 Uhr und frei­tags von 8 bis 13 Uhr in der NEW Haupt­ver­wal­tung an der Oden­kir­che­ner Stra­ße 201 in Mön­chen­glad­bach zu se­hen.

RP-FO­TO: DET­LEF ILGNER

Heinz Lan­ser lebt in Net­te­tal. Der­zeit zeigt er ei­ni­ge sei­ner Bil­der in der NRWHaupt­ver­wal­tung.

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