War­um Bo­ris Be­cker sei­nen Trai­ner­job los ist

Das Duo Be­cker und No­vak Djo­ko­vic ist nach drei Jah­ren Ge­schich­te. Die Tren­nung hat­te sich schon län­ger an­ge­deu­tet.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON ANT­JE REHSE

DÜS­SEL­DORF „Dan­ke! Wir hat­ten die Zeit un­se­res Le­bens ...“Die we­ni­gen Wor­te, mit de­nen Bo­ris Be­cker – na­tür­lich auf sei­nem Lieb­lings­por­tal Twit­ter – die Tren­nung von No­vak Djo­ko­vic kom­men­tier­te, klin­gen emo­tio­nal, po­si­tiv, eu­pho­risch. Die Er­klä­rung, die der ser­bi­sche Ten­nis­star über die so­zia­len Netz­wer­ke und sei­ne Home­page ver­brei­te­te, wirkt da­ge­gen fast un­ter­kühlt. „Die Zie­le, die wir uns zu Be­ginn un­se­rer Zu­sam­men­ar­beit ge­steckt hat­ten, wur­den voll­stän­dig er­füllt, und ich möch­te ihm für Ko­ope­ra­ti­on, Te­am­work, Hin­ga­be und En­ga­ge­ment dan­ken“, schrieb Djo­ko­vic, um dann fort­zu­fah­ren. „Doch an­de­rer- seits sind mei­ne pro­fes­sio­nel­len Plä­ne nun, ein gu­tes Spiel­ni­veau bei­zu­be­hal­ten und für die kom­men­de Sai­son ei­nen gu­ten Fahr­plan zu er­stel­len und neue Zie­le zu set­zen.“Die Tren­nung sei ein­ver­nehm­lich er­folgt, ließ Djo­ko­vic ver­lau­ten.

In Wahr­heit darf flei­ßig dar­über spe­ku­liert wer­den, wer die trei­ben­de Kraft bei der Ent­schei­dung war. Tat­sa­che ist, dass die über lan­ge Zeit so er­folg­brin­gen­de Be­zie­hung zwi­schen der deut­schen Ten­nis-Iko­ne und dem ser­bi­schen Aus­nah­me­kön­ner in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten Ris­se be­kom­men hat­te. Nach sei­nem Tri­umph bei den French Open im Ju­ni 2016, durch den Djo­ko­vic sei­ne Grand-Slam-Samm­lung kom­plet­tiert hat­te, war ein Bruch im Spiel des Ser­ben zu er­ken­nen ge­we­sen. Und auch in­ner­halb sei­nes Teams brö­ckel­te es. Djo­ko­vic fiel in ein Mo­ti­va­ti­ons­loch, schei­ter­te in Wim­ble­don und bei den Olym­pi­schen Spie­len in Rio de Janei­ro früh. Pri­va­te Pro­ble­me und kör­per­li­che Weh­weh­chen ta­ten ihr Üb­ri­ges.

Im Herbst über­rasch­te er wäh­rend des ATP-Tur­niers in Shang­hai mit der Aus­sa­ge, gro­ße Ti­tel zu ge­win­nen, sei nicht mehr das wich­tigs­te für ihn als Ten­nis­spie­ler. „Ich möch­te die in­ne­re Freu­de auf dem Platz wie­der­be­kom­men“, sag­te der 29-Jäh­ri­ge. „Mei­ne Ein­stel­lung ge­gen­über dem Ten­nis, mei­ner Kar­rie­re, mei­nem Le­ben – sie ist jetzt an­ders. Bei die­ser Wand­lung spielt der spa­ni­sche Ex-Pro­fi Pe­pe Imaz ei­ne tra­gen­de Rol­le. Imaz ist schon län­ger Teil des Teams Djo­ko­vic, nach Ro­land Gar­ros ist sein Ein­fluss aber of­fen­bar ge­wach­sen. Er fun­giert als ei­ne Art Men­tal­trai­ner, die Pres­se gab ihm den Bei­na­men „Ten­nis-Gu­ru“. Imaz be­treibt in Spa­ni­en ei­ne Ten­nis-Aka­de­mie mit ei­nem un­ge­wöhn­li­chen An­satz. Sein Kon­zept von „Lie­be und Frie­den“, Spi­ri­tua­li­tät und Me­di­ta­ti­on hat Djo­ko­vic of­fen­sicht­lich stär­ker an­ge­zo­gen als Be­ckers leis­tungs­ori­en­tier­ter An­satz. Und das dürf­te Be­cker wie­der­um gar nicht ge­passt ha­ben. „No­vak hat in den ver­gan­ge­nen sechs Mo­na­ten nicht so viel Zeit auf dem Trai­nings­court ver­bracht, wie er soll­te. Und er weiß das“, sag­te Be­cker bei Sky News.

Durch die Nie­der­la­ge bei der ATPWM ge­gen An­dy Mur­ray ver­pass­te Djo­ko­vic es auch, sich die Num­mer eins in der Welt­rang­lis­te von Mur­ray zu­rück­zu­ho­len. Be­cker saß bei al­len Mat­ches in Lon­don in Djo­ko­vics Box. Auch Imaz nahm dort Platz, aber et­was ab­seits. Je­den Ball­wech­sel ver­folg­te er mit ei­nem im­mer glei­chen, stoi­schen Lä­cheln auf den Lip­pen. Da­bei trug er ein T-Shirt, auf dem das Lo­go sei­ner Aka­de­mie ab­ge­druckt war: ein Herz, das die Wor­te „Amor y Paz“um­rahmt – Lie­be und Frie­den.

Nicht ge­ra­de Lie­be und Frie­den, aber ei­ne neue Her­aus­for­de­rung sucht Be­cker künf­tig als TV-Ex­per­te bei Eu­ro­sport und auch wie­der als Po­ker­spie­ler.

FO­TO: AP

Ex-Team: No­vak Djo­ko­vic (li.) und sein Trai­ner Bo­ris Be­cker.

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