Ves­ter­gaard: „Drei Sie­ge wä­ren jetzt gut“

Der Ver­tei­di­ger kennt sport­li­che Stress-Si­tua­tio­nen aus Hof­fen­heim und Bre­men. Bo­rus­si­as Pro­blem will er nicht da­mit ver­glei­chen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON KARS­TEN KELLERMANN

BAR­CE­LO­NA Bo­rus­sia steht an der Schwel­le zum Ab­stiegs­kampf. Kei­ne schö­ne Si­tua­ti­on ist das, doch es gibt ei­ni­ge Spie­ler im Ka­der, die ha­ben schon ganz an­de­re Stress-Si­tua­tio­nen er­lebt. Den Tanz auf der Ra­sier­klin­ge, Spie­le am Ab­grund zur Zwei­ten Li­ga. To­ny Jantsch­ke ge­hört zur Ge­ne­ra­ti­on Re­le­ga­ti­on bei den Bo­rus­sen, er war da­bei ge­gen den VfL Bochum, als der zu­vor schon si­cher ge­glaub­te Ab­stei­ger Glad­bach noch dem Teu­fel von der Schip­pe sprang, eben­so wie Chris­to­fer Hei­meroth und Patrick Herr­mann. „So et­was prägt na­tür­lich“, pflegt Jan­nik Ves­ter­gaard Über das The­ma Re­le­ga­ti­on Jantsch­ke zu sa­gen. Und sol­che Er­leb­nis­se ent­schleu­ni­gen wil­de Ge­dan­ken­spie­le. Im Er­folg („Wir wis­sen, wo wir her­kom­men“), aber auch, wenn es Pro­ble­me gibt wie das ak­tu­el­le.

Nicht, dass man dann Si­tua­tio­nen un­ter­schätzt, nein. Bo­rus­sia läuft Ge­fahr, in ei­nen Stru­del zu ge­ra­ten. Und ge­ra­de Jantsch­ke, der das we­nig er­bau­li­che 0:4 in Bar­ce­lo­na als ak­ti­ver Teil­neh­mer mit­er­leb­te, weiß, wie schnell das ge­hen kann. Denn wer die Re­le­ga­ti­on spiel­te, der war auch in die­sem Ab­wärts­stru­del. „Aber“, sagt Jan­nik Ves­ter­gaard, „man soll­te nicht sol­che Par­al­le­len zie­hen, in ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on sind wir über­haupt nicht.“Er ist auch ei­ner aus der Ge­ne­ra­ti­on Re­le­ga­ti­on. Al­ler­dings bei 1899 Hof­fen­heim. Im Kraich­gau ging man zwei Jah­re nach den Bo­rus­sen durch das Stahl­bad – eben­falls er­folg­reich. Und was war das für ei­ne Vor­ge­schich­te: das 2:1 in Dort­mund am letz­ten Spiel­tag durch die bei­den Elf­me­ter von Se­jad Sa­li­ho­vic, dann das ver­meint­li­che Aus­gleichs­tor des BVB, das Hof­fen­heims Ab­stieg be­deu­tet hät­te, aber nicht zähl­te. Ves­ter­gaard war mit­ten­drin. Und stemm­te al­les, was er hat­te, ge­gen den Ab­stieg. Im zwei­ten Re­le­ga­ti­ons­spiel beim 1. FC Kai­sers­lau­tern (Hin­spiel 3:1 für 1899) sorg­te er dann mit sei­nem Kopf­ball­tor zum 2:1-Sieg für die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung.

Auch in Bre­men hat der längs­te Bo­rus­se der Ver­eins­ge­schich­te ein Ner­ven­spiel er­lebt. Das 1:0 ge­gen Ein­tracht Frank­furt am letz­ten Spiel­tag der ver­gan­ge­nen Spiel­zeit be­deu­te­te die Ret­tung für Wer­der, wie­der war Ves­ter­gaard als Ver­tei­di­ger da­bei. Er weiß al­so, wie Jantsch- ke, Hei­meroth und Herr­mann, wie sol­che Spie­le ge­hen. Spie­le, in de­nen Ent­schei­dun­gen fal­len. Mainz am Sonn­tag ist ei­ne Light­ver­si­on. Doch es kann rich­tungs­wei­send sein – wenn es ver­lo­ren­geht, hat Bo­rus­sia end­gül­tig die Schwel­le zum Ab­stiegs­kampf über­schrit­ten. Das könn­te weit­rei­chen­de Kon­se­quen­zen ha­ben.

„Sol­che Spie­le kön­nen ei­nen men­tal for­dern, aber auch über­for­dern. Dar­um tut mir mei­ne Er­fah­rung viel­leicht ganz gut“, sagt Ves­ter­gaard. Er weiß, wie Kri­sen­ma­nage­ment geht. „Wenn je­mand Ru­he und Si­cher­heit in dem fin­det, was ich ma­che, dann ist es gut“, sagt Ves­ter­gaard. Er ist schon der im­po­san­ten Er­schei­nung we­gen ei­ner, der prä­des­ti­niert ist für ei­ne Füh­rungs­rol­le auf dem Ra­sen.

Er ist im Som­mer oh­ne­hin mit dem An­sin­nen nach Glad­bach ge­kom­men, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. Und der in­ter­na­tio­na­len Er­leb­nis­se we­gen. Was er nun in Bar­ce­lo­na er­leb­te, wird al­ler­dings erst auf den zwei­ten, drit­ten oder vier­ten Blick ei­nen ge­wis­sen Charme er­lan­gen. „Ir­gend­wann kann man sich viel­leicht doch dar­über freu­en, hier mal ge­spielt zu ha­ben. Es ist für uns al­le si­cher ein Kind­heits­traum ge­we­sen, hier auf­zu­lau­fen im Camp Nou beim FC Bar­ce­lo­na. Aber das Spiel war schon frus­trie­rend und är­ger­lich“, sag­te er nach dem 0:4, bei dem er ei­ner von vier In­nen­ver­tei­di­gern war, die Trai­ner An­dré Schu­bert auf­bot. „Wir woll­ten Bar­ce­lo­na das Le­ben so schwer wie mög­lich ma­chen“, be­schrieb Ves­ter­gaard den Plan, der nicht auf­ging. Schwer hat­te es nur Bo­rus­sia, für Bar­ca war es fast ein Spa­zier­gang.

Dass das Heim­spiel ge­gen Mainz ein an­de­res ist, liegt auf der Hand. Es soll­te auch an­ders ver­lau­fen, eben­so wie die Par­ti­en in Augs­burg und ge­gen Wolfs­burg. Ves­ter­gaard ist gu­ter Din­ge, dass das klappt. „Wenn wir so spie­len wie ge­gen Köln und Hof­fen­heim, wer­den wir in neun von zehn Fäl­len ge­win­nen. Wir müs­sen aber an un­se­rer Ef­fek­ti­vi­tät ar­bei­ten – hin­ten und vorn. Dann fin­den wir auch wie­der in die Spur“, sag­te der 1,99-Me­ter-Mann. Er ist op­ti­mis­tisch, spricht aber trotz­dem Kl­ar­text: „Es ist ganz egal, wie vie­le Punk­te wir in den letz­ten drei Spie­len ho­len, mit der Hin­run­de in der Bun­des­li­ga kön­nen wir nicht zu­frie­den sein. Aber es macht die Si­tua­ti­on leich­ter, wenn wir so vie­le Punk­te wie mög­lich ho­len. Gut wä­ren drei Sie­ge.“

„Man soll­te nicht sol­che Par­al­le­len zie­hen, in ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on sind wir nicht.“

FO­TO: DIRK PÄFFGEN

Jan­nik Ves­ter­gaard spiel­te mit Hof­fen­heim Re­le­ga­ti­on und ret­te­te sich mit Bre­men erst am letz­ten Spiel­tag der ver­gan­ge­nen Sai­son.

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