Städ­te rin­gen um Po­li­zis­ten für Sil­ves­ter

Die star­ke Kon­zen­tra­ti­on der Be­am­ten in Köln und Düs­sel­dorf führt zu Aus­fäl­len an an­de­ren Stand­or­ten. Vor al­lem Groß­städ­te sor­gen sich um die Si­cher­heit zum Jah­res­wech­sel.

Rheinische Post Moenchengladbach - - VORDERSEITE - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER

KÖLN/DÜS­SEL­DORF Die an­ste­hen­de Sil­ves­ter­nacht wird für die Po­li­zei in Nord­rhein-West­fa­len zu ei­nem Kraft­akt. Nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Re­dak­ti­on sol­len al­le 18 Be­reit­schafts­hun­dert­schaf­ten mo­bi­li­siert wer­den, da­mit sich die Vor­fäl­le aus dem ver­gan­ge­nen Jahr in Köln und ei­ni­gen an­de­ren Städ­ten nicht wie­der­ho­len. „Es gilt für die Zeit ei­ne Di­enst­frei­sper­re, da­mit wir im Ernst­fall an Sil­ves­ter al­le Kräf­te bün­deln kön­nen, die wir ha­ben“, sag­te Ar­nold Pli­ckert, NRW-Vor­sit­zen­der der Ge­werk­schaft der Po­li­zei. „Ei­nen solch gro­ßen Ein­satz hat es zum Jah­res­wech­sel noch nicht ge­ge­ben.“

Die Köl­ner Po­li­zei wird nach den mas­sen­haf­ten se­xu­el­len Über­grif­fen im ver­gan­ge­nen Jahr dies­mal al­ler Vor­aus­sicht nach um sechs bis sie­ben Hun­dert­schaf­ten ver­stärkt, die aus je­weils drei Zü­gen mit je 38 Be­am­ten und ei­ner neun­köp­fi­gen Füh­rungs­grup­pe be­steht. Ne­ben Köln wird wohl auch Düs­sel­dorf Ver­stär­kung durch die Be­reit­schafts­po­li­zei be­kom­men. Im Ge­spräch sol­len dort zwei Hun­dert- schaf­ten sein. Auch an­de­re Städ­te in NRW wol­len zu­sätz­lich Po­li­zei­un­ter­stüt­zung durch das Land ha­ben. „Es be­steht ein Ger­an­gel um die Kräf­te. Aber wir kön­nen aus Prä­ven­ti­ons­grün­den nicht über­all gleich viel Per­so­nal ein­set­zen“, sag­te ein lei­ten­der Kri­mi­nal­be­am­ter.

Zu­stän­dig für die Zu­tei­lung der Be­reit­schafts­po­li­zei in NRW ist das Lan­des­amt für Zen­tra­le Po­li­zei­li­che Diens­te (LZPD) in Duis­burg, das dem In­nen­mi­nis­te­ri­um un­ter­steht. „Wir ha­ben ei­ne Rei­he von An­fra­gen aus meh­re­ren Be­hör­den, dar­un­ter na­tür­lich vor al­lem aus Groß­städ­ten“, be­stä­tig­te ein Spre­cher. Der­zeit wür­den die je­wei­li­gen Po­li­zei­be­hör­den im Land ei­ne La­ge­be­ur­tei­lung für die Sil­ves­ter­nacht er­stel­len. Wenn die­se beim LZPD vor­lie­ge, wer­de ent­schie­den, wer zu­sätz­li­ches Per­so­nal er­hal­te und wer nicht. Das sei aber ein dy­na­mi­scher Pro­zess, da sich die La­ge vor Ort auf­grund neu­er Er­kennt­nis­se auch kurz­fris­tig, al­so et­wa zwei, drei Ta­ge vor Sil­ves­ter oder so­gar noch am sel­ben Tag, ver­än­dern könn­te, so der Spre­cher wei­ter. „Auf­grund der Er­eig­nis­se aus dem ver­gan­ge­nen Jahr müs­sen wir an­ders pla­nen als sonst“, so der Spre­cher. Im Not­fall kön­ne man auch rasch zu­sätz­li­che Hun­dert­schaf­ten aus an­de­ren Bun­des­län­dern zur Ver­stär­kung an­for­dern. Da­für se­he er der­zeit aber kei­ne Not­wen­dig­keit.

In die La­ge­ein­schät­zun­gen flie­ßen auch Er­kennt­nis­se der Er­mitt­ler aus den so­zia­len Netz­wer­ken ein. So wer­den laut „Bild“-Zei­tung Flücht­lin­ge auf Platt­for­men wie Face­book und Twit­ter be­ob­ach­tet. Im ver­gan- ge­nen Jahr sei den Be­hör­den noch ent­gan­gen, dass sich Tau­sen­de Flücht­lin­ge aus NRW zu Tref­fen am Köl­ner Dom ver­ab­re­det hat­ten. Bis­lang ha­be man In­di­zi­en da­für aber noch nicht ge­fun­den.

Das NRW-In­nen­mi­nis­te­ri­um woll­te aus ein­satz­tak­ti­schen Grün­den nicht sa­gen, wel­che Städ­te an Sil­ves­ter ne­ben Köln und Düs­sel­dorf noch Hun­dert­schaf­ten be­kom­men sol­len. Al­ler­dings dürf­ten vie­le Städ­te bei der Zu­tei­lung leer aus­ge­hen. „We­gen der nor­ma­len Aus­fall­quo­te wer­den wir wohl nur ein Po­ten­zi­al von et­wa zwölf voll­stän­di­gen Hun­dert­schaf­ten an Sil­ves­ter zur Ver­fü­gung ha­ben“, so Pli­ckert. Wenn sie­ben Ein­hei­ten nach Köln und zwei nach Düs­sel­dorf kom­men soll­ten, blie­ben noch drei üb­rig. Pli­ckert: „Au­ßer­dem wird man wohl ei­ne Hun­dert­schaft als Re­ser­ve zu­rück­hal­ten, da­mit man hand­lungs­fä­hig bleibt.“Fest steht aber nach Re­cher­chen un­se­rer Re­dak­ti­on, dass fast al­le Städ­te und Krei­se in Nord­rhein-West­fa­len an Sil­ves­ter deut­lich mehr Po­li­zei ein­set­zen wer­den als an al­len vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­res­wech­seln. Leit­ar­ti­kel

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