AfD-Ba­sis er­zwingt Son­der­par­tei­tag

Lan­des­chef Mar­tin Ren­ner sagt: „Die nö­ti­gen Un­ter­schrif­ten lie­gen vor.“

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON D. HÜWEL, B. MAR­SCHALL UND J. RATHCKE

DÜS­SEL­DORF/BER­LIN In der nord­rhein-west­fä­li­schen AfD wird ei­ne Neu­auf­stel­lung der Kan­di­da­ten­lis­te zur Land­tags­wahl im Mai im­mer wahr­schein­li­cher. Die Kri­ti­ker der der­zei­ti­gen Lis­te ha­ben in­zwi­schen die nö­ti­gen 250 Un­ter­schrif­ten ein­ge­sam­melt, die für die Ein­be­ru­fung ei­nes Son­der­par­tei­tags nö­tig sind, wie Mar­tin Ren­ner un­se­rer Re­dak­ti­on be­stä­tig­te. Ren­ner ist zu­sam­men mit Mar­cus Pret­zell Vor­sit­zen­der der NRW-AfD. We­gen des Ver­dachts von „Mau­sche­lei­en“hat­te es bei der Lis­ten­auf­stel­lung mas­si­ve par­tei­in­ter­ne Kri­tik ge­ge­ben. Wäh­rend Pret­zell, der die Lis­te an­führt, die Be­den­ken weg­zu­wi­schen ver­sucht, for­dert das geg­ne­ri­sche La­ger die Neu­auf­stel­lung der Kan­di­da­ten­lis­te, die vor­erst bis Platz 40 fest­ge­zurrt wor­den ist.

Das wei­te­re Vor­ge­hen ist noch un­klar. Dem Vor­stand lä­gen die 250 Un­ter­schrif­ten of­fi­zi­ell noch nicht vor, sag­te ei­ne Spre­che­rin. Wenn die Lis­te vor­lie­ge, wer­de sorg­fäl­tig ge­prüft, ob al­les in Ord­nung sei und al­le, die un­ter­schrie­ben hät­ten, auch wirk­lich der AfD an­ge­hör­ten. Erst dann wer­de der Vor­stand ei­nen Ter­min für ei­nen au­ßer­or­dent­li­chen Lan­des­par­tei­tag an­be­rau­men, der sei­ner­seits den Vor­stand be­auf­tra­gen müss­te, ei­ne Wahl­ver­samm­lung zur Neu­auf­stel­lung der Re­ser­ve­lis­te zu ter­mi­nie­ren.

Nach An­ga­ben der Spre­che­rin plant der Vor­stand oh­ne­hin die Ein­be­ru­fung ei­nes or­dent­li­chen Par­tei­tags für Ja­nu­ar. Dort sol­len die Wei- chen für die Fort­set­zung der Wahl­ver­samm­lung ge­stellt wer­den. Die bis­her fest­ge­leg­ten 40 Plät­ze reich­ten zwar aus, wenn die AfD bei der Land­tags­wahl am 14. Mai et­wa 15 Pro­zent er­rei­che. Soll­te das Er­geb­nis aber bes­ser aus­fal­len, wür­den noch „ein paar“wei­te­re Lis­ten­be­wer­ber be­nö­tigt.

Das Pret­zell-La­ger will die bis­he­ri­ge Lis­te mög­lichst rasch dem Lan­des­wahl­lei­ter vor­le­gen, um zu er­fah­ren, ob sie recht­lich ein­wand­frei zu­stan­de ge­kom­men ist. Ren­ner in­des ist skep­tisch: Wahl­lei­ter und Wahl­aus­schuss wür­den erst im März ak­tiv. Bis da­hin könn­te es in ei­ne Hän­ge­par­tie ge­ben, weil so lan­ge un­klar blie­be, ob die Lis­te ins­ge­samt oder in Tei­len un­gül­tig ist.

Der­weil geht aus ei­ner Stu­die der Ber­li­ner Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler Os­kar Nie­der­may­er und Jür­gen Hof­rich­ter her­vor, dass die AfD ih­re Wäh­ler vor al­lem von der Link­s­par­tei und FDP hin­zu­ge­winnt. Die­se Par­tei­en ha­ben seit 2013 bei al­len Wah­len die meis­ten Wäh­ler an die AfD ver­lo­ren. Es fol­gen CDU und SPD. Am we­nigs­ten Wäh­ler ver­lo­ren die Grü­nen an die AfD.

Bei der Bun­des­tags­wahl 2013 hat­ten 21 Pro­zent der AfD-Wäh­ler vier Jah­re zu­vor die FDP ge­wählt. Bei den drei Land­tags­wah­len im März 2016 ka­men je­doch nur noch zwei bis drei Pro­zent der AfD-Wäh­ler von den Li­be­ra­len. Dies zeigt den Wan­del der po­li­ti­schen In­hal­te: 2013 war die AfD un­ter Bernd Lu­cke vor al­lem ei­ne eu­ro­kri­ti­sche Par­tei. Sie konn­te da­mals vie­le frü­he­re FDP-Wäh­ler be­geis­tern. 2016 ist die AfD vor al­lem ei­ne mi­gra­ti­ons­kri­ti­sche Par­tei. Da­mit kann sie frü­he­re li­be­ra­le Wäh­ler nicht mehr an sich bin­den.

Die Kri­ti­ker der ak­tu­el­len Lis­te ha­ben in­zwi­schen die nö­ti­gen 250 Un­ter­schrif­ten ein­ge­sam­melt

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