Trump und die Tweets

Der künf­ti­ge US-Prä­si­dent be­haup­tet von sich, er ver­ste­he die so­zia­len Me­di­en bes­ser als je­der an­de­re.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON FRANK HERR­MANN

WASHINGTON Nun hat auch Chuck Jo­nes sein Fett ab­be­kom­men, Chef der Re­gio­nal­ge­werk­schaft in In­dia­na, die die Be­schäf­tig­ten des Kli­ma­an­la­gen­bau­ers Car­ri­er ver­tritt. Der Mann ma­che ei­nen mi­se­ra­blen Job, wenn es dar­um ge­he, die In­ter­es­sen der Ar­bei­ter zu ver­tre­ten, gif­te­te Do­nald Trump über den Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter: „Kein Wun­der, dass die Un­ter­neh­men aus die­sem Land flie­hen!“Wenn die­se Ge­werk­schaft zu et­was tau­ge, dann wä­ren all die Car­ri­er-Jobs auch so in In­dia­na ge­blie­ben.

Die Sa­che mit der Mar­ke Car­ri­er, die ih­re Pro­duk­ti­on nach Me­xi­ko aus­la­gern woll­te, hat­te Trump im Wahl­kampf als Pa­ra­de­bei­spiel da­für ge­dient, wie schlecht die USA an­geb­lich mit dem Frei­han­del fah­ren. Um ge­wis­ser­ma­ßen die Wen­de ein­zu­läu­ten, prahl­te er neu­lich via Twit­ter da­mit, durch en­er­gi­sches Ein­grei­fen bei Car­ri­er mehr als 1100 Ar­beits­plät­ze im Mitt­le­ren Wes­ten ge­ret­tet zu ha­ben. Dann rech­ne­te Jo­nes vor, dass es in Wahr­heit nur 800 Jobs sind, die nun nicht nach Me­xi­ko ab­wan­dern. Was Trump ver­brei­te, sei ei­ne Lü­ge. Wor­auf der Mil­li­ar­där kon­ter­te, dass Jo­nes mehr ar­bei­ten und we­ni­ger re­den sol­le.

Als Au­ßen­sei­ter ins Kan­di­da­ten­ren­nen ge­gan­gen, be­dien­te Trump sich des Kurz­nach­rich­ten­diens­tes, um ei­nen täg­li­chen Draht zu sei­nen An­hän­gern zu knüp­fen, de­ren Frust er bes­ser er­fass­te als sei­ne Kon­tra­hen­ten. „Je­mand hat ge­sagt, ich sei der Er­nest He­ming­way der 140 Zei­chen“, brüs­te­te er sich vor zwölf Mo­na­ten auf ei­ner Büh­ne. „Ich ver­ste­he die so­zia­len Me­di­en. Viel­leicht bes­ser, als sie je ei­ner ver­stan­den hat.“

Tat­säch­lich gibt es nicht we­ni­ge Ame­ri­ka­ner, die Trump für ein Twit­ter-Ge­nie hal­ten. In­dem er sich di­rekt an sei­ne Fol­lo­wer wand­te – in­zwi­schen sind es 17 Mil­lio­nen –, igno­rier­te er die klas­si­schen Me­di­en. Ob­wohl er Wahr­heit und Fik­ti­on auf ei­ne Art ver­mengt, wie man es kei­nem Prä­si­dent­schafts­be­wer­ber vor ihm durch­ge­hen ließ, hat er et­li- che Wäh­ler da­von über­zeugt, dass sei­ne Wort­mel­dun­gen glaub­wür­di­ger sind als das, was et­wa die se­riö­se „New York Ti­mes“be­rich­tet.

Wel­che Wel­len sei­ne Tweets aus­lö­sen kön­nen, zeig­te sich, als er die Kos­ten für den Bau der künf­ti­gen Prä­si­den­ten­flug­zeu­ge kri­ti­sier­te. Trump droh­te da­mit, den Vier-Mil­li­ar­den-Dol­lar-Auf­trag für den Bau zwei­er neu­er Bo­eing 747 zu stor­nie­ren. Mit Er­folg: Erst brach der Kurs der Bo­eing-Ak­tie ein, dann ge­lob­te der Flug­zeug­her­stel­ler, die Kos­ten für die neue Ge­ne­ra­ti­on der Air Force One un­ter Kon­trol­le zu hal­ten.

Oder die Cau­sa Tai­wan: Als ihm die Prä­si­den­tin des In­sel­staats zum Wahl­sieg gra­tu­lier­te, schrieb er bei Twit­ter, dass sie an­ge­ru­fen ha­be, als ha­be er kei­ne an­de­re Wahl ge­habt, als mit ihr zu re­den. Nun ver­zich­ten ame­ri­ka­ni­sche Spit­zen­po­li­ti­ker aus Rück­sicht auf Chi­na seit 1979 auf di­rek­te Kon­tak­te zur tai­wa­ne­si­schen Füh­rung. Nach­dem Trump die Pra­xis be­en­det hat­te, schrieb er in 126 Zei­chen auf, was ihn an der Tai­wanPo­li­tik sei­ner Vor­gän­ger stö­re. Er wun­de­re sich, war­um die USA der In­sel für Mil­li­ar­den Mi­li­tär­gü­ter ver­kauf­ten, er aber nicht mal ans Te­le­fon ge­hen dür­fe, wenn die Staats­che­fin der In­sel dran sei. Ein welt­po­li­ti­scher Schwenk, in drei Zei­len be­grün­det. Den Di­plo­ma­ten dürf­te es den Angst­schweiß auf die Stirn ge­trie­ben ha­ben.

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