Chi­ne­sen ge­ben Aix­tron-Über­nah­me auf

Der In­ves­tor woll­te 670 Mil­lio­nen Eu­ro für den Chip­ma­schi­nen-Bau­er zah­len. Dann leg­te US-Prä­si­dent Oba­ma sein Ve­to ein und Wirt­schafts­mi­nis­ter Ga­b­ri­el folg­te. Jetzt ist der De­al ge­schei­tert.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

HER­ZO­GEN­RATH (rky/rtr) Bö­se Weih­nachts­über­ra­schung für den Her­zo­gen­ra­ther Spe­zi­al­ma­schi­nen­bau­er Aix­tron und sei­ne 700 Be­schäf­tig­ten: Die ge­plan­te Über­nah­me durch Fu­jian Grand Chip In­vest­ment ist ge­platzt. Der chi­ne­si­sche In­ves­tor zog sei­ne Of­fer­te über 670 Mil­lio­nen Eu­ro zu­rück. Da US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma den Er­werb des US-Ge­schäfts von Aix­tron un­ter­sagt ha­be, sei ei­ne Be­din­gung für die Of­fer­te ent­fal­len und das Über­nah­me­an­ge­bot er­lo­schen, teil­ten Grand Chip In­vest­ment und Aix­tron ges­tern mit. „Ja, wir sind ent­täuscht“, sag­te ein Aix­tron-Spre­cher.

Hin­ter­grund für das ame­ri­ka­ni­sche Ve­to sind Sor­gen, dass Aix­tronPro­duk­te auch mi­li­tä­risch ge­nutzt wer­den könn­ten. Aix­tron stellt Ma­schi­nen zur Pro­duk­ti­on von Halb­lei­tern her. Ne­ben der zi­vi­len Nut­zung für Leucht­di­oden kön­nen auf den Aix­tron-An­la­gen auch Chips für Sys­te­me her­ge­stellt wer­den, die Ra­ke­ten und Sa­tel­li­ten steu­ern. Dar­auf mach­ten die USA die Bun­des­re­gie- rung auf­merk­sam, die ur­sprüng­lich ei­ne Un­be­denk­lich­keits­er­klä­rung ab­ge­ge­ben hat­te. Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el zog die­se dar­auf­hin im Ok­to­ber zu­rück.

Oba­ma hat­te den Er­werb des USGe­schäfts von Aix­tron un­ter­sagt, da „Ri­si­ken für die na­tio­na­le Si­cher­heit“der USA be­stün­den. Der Ent­schei­dung des Prä­si­den­ten war ei­ne Emp­feh­lung der US-Be­hör­de für Aus­lands­in­ves­ti­tio­nen (CFIUS) vor­aus­ge­gan­gen. Es ist erst das drit­te Mal seit 1990, dass ein US-Prä­si­dent ei­ne Fir­men­über­nah­me durch ei­nen aus­län­di­schen In­ves­tor we­gen Si­cher­heits­be­den­ken ver­hin­dert. Die US-Re­gie­rung hat ein Mit­spra­che­recht, weil das Un­ter­neh­men aus Her­zo­gen­rath ei­ne Zweig­stel­le in Ka­li­for­ni­en mit 100 Mit­ar­bei­tern hat. Die CFIUS hat­te sich im No­vem­ber ge­gen die Über­nah­me aus­ge­spro­chen, den Fall aber an das Wei­ße Haus wei­ter ver­wie­sen.

Die Ak­tio­närs­ver­ei­ni­gung DSW kri­ti­sier­te Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD). Er ha­be in dem Ge­schäft ei­ne „sehr un­glück­li­che und viel zu pas­si­ve Rol­le ge­spielt“, sag­te DSW-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Marc Tüng­ler. Da­mit ha­be sich Ga­b­ri­el zum Er­fül­lungs­ge­hil­fen von US-Wirt­schafts­in­ter­es­sen ge­macht. Den Scha­den hät­ten jetzt die Ak­tio­nä­re.

Die bis­her an­ge­dien­ten Aix­tronAk­ti­en sol­len am 13. De­zem­ber an ih­re Ei­gen­tü­mer zu­rück­ge­bucht wer­den. Der Aix­tron-Kurs sack­te zeit­wei­se um mehr als fünf Pro­zent ab. An­ge­sichts wach­sen­der Zwei­fel am Er­folg der Über­nah­me hat­te das Pa­pier be­reits in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ra­pi­de an Wert ver­lo­ren.

Aix­tron steckt seit lan­gem we­gen ei­ner schwa­chen Auf­trags­la­ge in der Kri­se. In den ers­ten drei Quar­ta­len hat­te Aix­tron bei gut 106 Mil­lio­nen Eu­ro Um­satz mehr als 30 Mil­lio­nen Eu­ro Net­to­ver­lust er­wirt­schaf­tet. Auch das Ge­samt-Jah­res­er­geb­nis wer­de ne­ga­tiv aus­fal­len, sag­te der Un­ter­neh­mens­spre­cher. Das Un­ter­neh­men müs­se jetzt die Si­tua­ti­on neu be­wer­ten und wer­de zeit­nah über die künf­ti­ge Ge­schäfts­ent­wick­lung in­for­mie­ren, sag­te der Spre­cher. Ex­per­ten be­zwei­feln, dass Aix­tron selbst­stän­dig über­le­ben kann. Oh­ne den Ver­kauf droh­ten Aix­tron har­te Ein­schnit­te und ein Ab­bau von Ar­beits­plät­zen, hat­te Kon­zern­chef Mar­tin Goet­zeler un­längst ge­sagt.

NRW-Wirt­schafts­mi­nis­ter Gar­relt Du­in hofft, dass es für Aix­tron trotz­dem wei­ter­geht. „Aix­tron ist ein tech­no­lo­gi­sches Schlüs­sel­un­ter­neh­men, auf das NRW stolz sein kann“, sag­te er. „Ich bin in sehr re­gel­mä­ßi­gen Aus­tausch mit der Ge­schäfts­füh­rung und wir wer­den jetzt die nächs­ten Schrit­te ge­mein­sam be­spre­chen.“

Der chi­ne­si­sche In­ves­tor hat­te im Mai ei­ne Über­nah­me­of­fer­te über 670 Mil­lio­nen Eu­ro vor­ge­legt und wie­der­holt für die Über­nah­me ge­wor­ben. Die­se sei ein nor­ma­ler Zu­sam­men­schluss von Fir­men und ha­be rein wirt­schaft­li­che Mo­ti­ve. Das sah die Po­li­tik in Washington und Ber­lin an­ders.

FO­TO: DPA

Aix­tron-Zen­tra­le.

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