Puc­ci­ni für al­le

Das Ar­chiv des be­rühm­ten ita­lie­ni­schen Ri­cor­di-Ver­lags wird im In­ter­net öf­fent­lich ge­macht.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - VON WOLF­RAM GOERTZ

MAI­LAND Ge­le­gent­lich fra­gen sich Mu­sik­freun­de, die nicht knö­chel­tief in der Ma­te­rie ste­cken, zum Bei­spiel die­ses: War­um wer­den Hand­schrif­ten als wert­vol­les Fak­si­mi­lie, al­so als Nach­druck des Ori­gi­nals, zum Kauf oder in Bi­b­lio­the­ken an­ge­bo­ten? Dar­auf er­kennt man doch so­wie­so nichts.

Das ist ein Irr­tum. Ken­ner le­sen in al­ten Ori­gi­nal­hand­schrif­ten wie in ei­nem auf­ge­schla­gen Buch, sie kön­nen et­wa die Tin­ten­far­be ei­nem Ort oder der Jah­res­zeit zu­ord­nen, da der Kom­po­nist sein Werk schrieb. Sie kön­nen über­prü­fen, ob die ein­zel­nen Orches­ter­stim­men der Par­ti­tur ent­spre­chen oder ob dort Än­de­run­gen vor­ge­nom­men wur­den. Guckt man et­wa ins Au­to­graf von Bachs h-Moll-Mes­se, sieht man bei ei­ner Arie, dass Bach die Flö­ten­stim­me rhyth­misch mo­di­fi­ziert hat. Die Par­ti­tur weiß nichts da­von, aber es liegt auf der Hand, dass die Flö­ten­stim­me mehr gilt. Bach hat das da­mals dem Mu­si­ker am No­ten­pult ei­gen­hän­dig in die No­ten nach­ge­tra­gen, bei ei­ner Pro­be.

Des­halb ist die Mit­tei­lung von un­schätz­ba­rem Wert, dass zahl­lo­se Do­ku­men­te der ita­lie­ni­schen Opern­ge­schich­te ab so­fort über das In­ter­net ein­seh­bar sind. Nach mehr­jäh­ri­ger Vor­ar­beit ist ein ers­ter Teil des „Ar­chi­vio Sto­ri­co Ri­cor­di“in Mai­land für die Öf­fent­lich­keit nutz- ver­mut­lich bar, wie das Gü­ters­lo­her Me­dien­un­ter­neh­men Ber­tels­mann als Be­sit­zer jetzt mit­teil­te. Im ers­ten Schritt wur­den die iko­no­gra­fi­sche Samm­lung mit mehr als 400 Por­träts und 600 Büh­nen­bild­ent­wür­fen so­wie 1000 Zeich­nun­gen zu ita­lie­ni­schen Opern ins Netz ge­stellt. Dar­un­ter sind Wer­ke von Gui­sep­pe Ver­di und Gi­a­co­mo Puc­ci­ni.

Auch die­ser Teil der Samm­lung ist von größ­tem In­ter­es­se. Man kann so zum Bei­spiel se­hen, wie an­hand der di­ver­sen Büh­nen­bil­der die Ins­ze­nie­rungs­ge­schich­te ei­ner Oper wie „La Bo­hè­me“in Ita­li­en oder an­ders­wo ver­lief. Gab es na­tu­ra­lis­ti­sche oder sym­bo­lis­ti­sche Epi­so­den? Blieb Pa­ris im­mer der at­mo­sphä­ri­sche Hin­ter­grund? Wann hielt das so­ge­nann­te Re­gie­thea­ter Ein­zug?

Ri­cor­di ist bis heu­te ei­ner der größ­ten Mu­sik­ver­la­ge der Mu­sik­in­dus­trie und der größ­te sei­ner Art in Ita­li­en, und sein Ar­chiv zählt mit mehr als 7800 Ori­gi­nal­par­ti­tu­ren, dar­un­ter rund 600 Opern so­wie rund 10.000 Text­bü­cher, zu den wich­tigs­ten pri­va­ten Mu­sik­samm­lun­gen. „Un­ser Ziel ist es, al­le we­sent­li­chen Be­stän­de des Ar­chivs di­gi­tal ver­füg­bar zu ma­chen“, kün­dig­te Ber­tels­mann-Vor­stands­chef Tho­mas Ra­be an. In den nächs­ten Jah­ren sol­len Ge­schäfts­brie­fe, his­to­ri­sche Fo­to­gra­fi­en, Pos­ter, Li­bret­ti und Aus­zü­ge aus Par­ti­tu­ren fol­gen. www.ri­cor­di.com/de-DE/Ri­cor­diAr­chi­ve.as­px

FO­TO: MAT­THI­AS STUTTE

Puc­ci­nis Oper „La Bo­hè­me“in ei­ner Auf­füh­rung des Thea­ters Kre­feld/Mön­chen­glad­bach aus dem Jahr 2005.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.