Drei Jah­re Haft für Bo­rus­sia-Ul­tra

Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bachs ehe­ma­li­ger Vor­sän­ger, Nils B., muss für drei Jah­re ins Ge­fäng­nis. Der 29-Jäh­ri­ge hat­te ei­nem Fan wäh­rend ei­nes Spiels ge­gen den Kopf ge­tre­ten. Das Op­fer er­litt da­bei Hirn­blu­tun­gen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA - VON SA­BI­NE KRICKE

Nils B. galt als vor­bild­li­cher Fan. „Er war be­son­ders so­zi­al im Be­reich der Fan­sze­ne von Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach ak­tiv“, stell­te Rich­ter Lothar Be­ckers ges­tern vor der Ur­teils­ver­kün­dung fest. Den­noch be­fand das Ge­richt Nils B. we­gen ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung für schul­dig und ver­ur­teil­te ihn zu drei Jah­ren Haft. „Ei­ne Be­wäh­rungs­stra­fe kommt hier nicht mehr in Fra­ge“, sag­te der Rich­ter.

Im De­zem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res er­eig­ne­te sich die Tat, we­gen der Nils B. im Mön­chen­glad­ba­cher Land­ge­richt ver­ur­teilt wur­de. Bei ei­nem Heim­spiel der Bo­rus­sia ge­gen Darm­stadt 98 kam es zwi­schen dem 29-Jäh­ri­gen und ei­nem be­trun­ke­nen Fan zu ei­ner Ran­ge­lei, bei der Nils B. mit Bier voll­ge­schüt­tet wur­de. Nach ei­ner ver­ba­len Aus­ein­an­der­set­zung schubs­te der Ver­ur­teil­te den 37-Jäh­ri­gen. Wäh­rend die­ser tau­mel­te, trat ihm Nils B. mit „vol­ler Wucht“ins Ge­sicht. Da­bei prall­te das Op­fer mit dem Hin­ter­kopf auf den Bo­den. Ein Ret­tungs­hub­schrau­ber brach­te den 37-Jäh­ri­gen in die Düs­sel­dor­fer Uni­k­li­nik. Er er­litt ei­ne Hirn­blu­tung mit Hirn­ö­dem. Au­ßer­dem wur­de sei­ne Zahn­pro­the­se durch den Tritt zer­bro­chen, Tei­le da­von steck­ten im Ra­chen des Op­fers.

Die Staats­an­walt­schaft for­der­te we­gen die­ser „ex­trem rück­sichts­lo­sen und bru­ta­len“Tat vier Jah­re Haft we­gen ver­such­ten Tot­schlags. Der Ver­tei­di­ger von Nils B. plä­dier­te auf ei­ne Ver­ur­tei­lung we­gen Kör- per­ver­let­zung. Er nann­te da­bei zwar kein Straf­maß, for­der­te je­doch, dass ei­ne even­tu­el­le Haft zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt wer­den soll­te.

Zu Be­ginn des Pro­zes­ses sag­te Nils B. mehr­fach aus, er ha­be aus Not­wehr ge­han­delt. Nach meh­re­ren Zeu­gen­aus­sa­gen, die kei­ne Not­wehr­si­tua­ti­on be­schrie­ben hat­ten, ge­stand der ehe­ma­li­ge Vor­sän­ger, den Mann aus Wut und Är­ger ge­schubst und ge­tre­ten zu ha­ben. Er ha­be sich von dem Op­fer pro­vo­ziert ge­fühlt, da die­ses ihn nach dem Remp­ler ei­ner so­ge­nann­ten „Biertau­fe“un­ter­zog. Laut dem Rich­ter träu­fel­te der 37-Jäh­ri­ge da­bei meh­re­re Sprit­zer Bier aus ei­nem Be­cher in Rich­tung des ehe­ma­li­gen Vor­sän­gers. „Wenn man ins Sta­di­on geht, dann muss man be­stimm­te Din­ge ein­fach hin­neh­men. Man be­gibt sich in ei­ne Si­tua­ti­on, in der es nun mal vor­kommt, dass man Bier ab­be­kommt oder Senf an der Ja­cke klebt“, sag­te der Rich­ter nach der Ur­teils­ver­kün­dung.

Den Tat­be­stand der ver­such­ten Tö­tung konn­te das Ge­richt nicht er­ken­nen. Meh­re­re Zeu­gen­aus­sa­gen hät­ten nicht be­le­gen kön­nen, dass der Tritt von Nils B. ge­zielt ge­gen den Kopf des Op­fers ging. Statt­des­sen kam das Ge­richt zu ei­ner an­de­ren Ent­schei­dung: „Wenn man je­man­den, der of­fen­sicht­lich be­trun­ken ist, in so ei­ner Si­tua­ti­on der­art trak­tiert, wie es Herr B. ge­tan hat, dann han­delt es sich da­bei um ge­fähr­li­che Kör­per­ver­let­zung“, sag­te der Rich­ter. Au­ßer­dem sei Nils B. wäh­rend der Tat, im Ge­gen­satz zum Op­fer, nüch­tern ge­we­sen. Laut dem Ge­richt muss dem 29-Jäh­ri­gen die Trag­wei­te sei­ner Hand­lung be­wusst ge­we­sen sein.

Das Straf­maß fiel laut Ge­richt ge­rin­ger aus, weil es sich um ei­nen „min­der­schwe­ren Fall“han­delt. Die­se Fest­stel­lung be­grün­de­te Rich­ter Be­ckers da­mit, dass sich Nils B. zu­vor mit dem 37-Jäh­ri­gen auf ei­nen Tä­ter-Op­fer-Aus­gleich ein­ließ. In dem Ge­spräch ver­ein­bar­ten bei­de, dass Nils B. 8000 Eu­ro Schmer­zens­geld an das Op­fer zah­len wer­de. Au­ßer­dem ha­be sich Nils B. bei dem Op­fer ent­schul­digt. „Da­mit wur­de der Rechts­frie­den wie­der her­ge­stellt. Der An­ge­klag­te hat deut­lich ge­macht, dass er sei­ne Tat be­reut“, sag­te der Rich­ter. Ob der Ver­ur­teil­te in Re­vi­si­on ge­hen wird, war am Don­ners­tag noch un­klar.

AR­CHIV­FO­TO: REICHARTZ

Nils B. (vor­ne) hat­te beim Pro­zess­auf­takt noch von Not­wehr ge­spro­chen. Spä­ter gab er zu, aus Wut und Är­ger ge­tre­ten zu ha­ben.

FO­TO: DPA

Vor­sän­ger sol­len im Sta­di­on für Stim­mung sor­gen. Sie ge­ben in der Fan­kur­ve die Ge­sän­ge vor.

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