Dis­kus­si­on um Ein­satz der Bun­des­wehr im In­ne­ren

Auf Ein­la­dung der Nie­der­rhein-Kreis­grup­pe im Ver­band der Re­ser­vis­ten der Deut­schen Bun­des­wehr re­fe­rier­ten beim Si­cher­heits­po­li­ti­schen Fo­rum Ver­tre­ter von Po­li­zei, Bun­des­wehr und Po­li­tik im Po­li­zei­prä­si­di­um.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON AN­GE­LA WILMS-ADRIANS

Bei ei­ner ter­ro­ris­ti­schen Be­dro­hung aus der Luft müss­te erst das Ka­bi­nett ent­schei­den, ob Ab­fang­jä­ger der Bun­des­wehr ein­ge­setzt wer­den dür­fen – ein Be­schluss, der mit Si­cher­heit viel zu spät kä­me. Aber per Grund­ge­setz ist der Ein­satz der Streit­kräf­te auf Not­fäl­le be­schränkt, wäh­rend Ter­ro­ris­ten längst in­ter­na­tio­nal ver­netzt agie­ren und über ho­he Spreng­kraft ver­fü­gen. Die Zu­stän­dig­keits­pro­ble­ma­tik war Kern des Leit­the­mas „Ein­satz der Bun­des­wehr im In­ne­ren bei Kri­sen und Ka­ta­stro­phen“beim Si­cher­heits­po­li­ti­schen Fo­rum Mön­chen­glad­bach. Der Re­ser­vis­ten­ver­band Nie­der­rhein führ­te mit Ver­tre­tern von Po­li­zei, Bun­des­wehr und Po­li­tik im Po­li­zei­prä­si­di­um Kräf­te zu­sam­men, die für Schutz und Ret­tung zu­stän­dig sind.

Der Lei­ten­de Oberst d. R. Hel­mut Mi­che­lis er­in­ner­te an die bei Ter­ror­an­schlä­gen je­weils los­ge­tre­te­ne De­bat­te, ob deut­sche Sol­da­ten im Not­fall Po­li­zei­auf­ga­ben über­neh­men dür­fen. Die Vä­ter des Grund­ge­set- zes hät­ten un­ter dem Ein­druck von Krieg und NS-Dik­ta­tur den Ein­satz von Streit­kräf­ten im In­ne­ren an engs­te Vor­ga­ben ge­bun­den. Die heu­te grenz­über­grei­fen­de Form des Ter­rors sei da­mals nicht vor­stell­bar ge­we­sen, so Mi­che­lis. Po­li­zei­prä­si­dent Ma­this Wies­sel­mann be­ton­te als Haus­herr: „Die Po­li­zei ist gut auf­ge­stellt. Wir be­rei­ten uns auf erns­te La­gen vor. Doch es kann sein, dass ir­gend­wann die Kräf­te nicht aus­rei­chen.“

CDU-In­nen­ex­per­te Prof. Dr. Gün­ter Krings be­zeich­ne­te Ter­ro­ris­mus als zu­neh­mend ver­netz­ter, brei­ter und un­be­re­chen­ba­rer. Der Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär beim Bundesminister des In­nern führ­te aus, dass der Streit­kräf­te­ein­satz im In­land auf Aus­nah­me­fäl­le be­grenzt ist. Auf­ga­be der Bun­des­wehr ist die äu­ße­re Si­cher­heit im Span­nungs­und Ver­tei­di­gungs­fall. Im Ka­ta­stro­phen­not­stand, wie Hoch­was­ser, kann die Bun­des­wehr in Amts­hil­fe tech­nisch lo­gis­ti­sche Un­ter­stüt­zung leis­ten. Beim re­gio­na­len Ka­ta­stro­phen­not­stand for­dert das Land die Bun­des­wehr an, doch bei über­re­gio­na­len Ka­ta­stro­phen muss die Bun­des­re­gie­rung ent­schei­den. Hier sah Krings die Not­wen­dig­keit ei­ner Er­wei­te­rung, um das Grund­ge­setz der Zeit an­zu­pas­sen und vor­han­de­ne Kom­pe­tenz im Not­fall zü­gig hand­hab­bar zu ma­chen. „Es macht kei­nen Sinn, auf Ter­ror­ak­te von ges­tern oder heu­te vor­be­rei­tet zu sein. Man muss ge­dank­lich ei­nen Schritt vor­aus­sein“, fass­te er zu­sam­men.

Bernd Hei­nen, In­spek­teur der Po­li­zei NRW, be­rich­te­te von In­ves­ti­tio- nen in Aus­rüs­tung und Fort­bil­dung. „Doch was kön­nen wir tun, wenn ei­ne Droh­ne auf die Kanz­le­rin ge­rich­tet ist?“, frag­te er rhe­to­risch an­ge­sichts nicht vor­han­de­ner Jagd­flug­zeu­ge bei der Po­li­zei. Hei­nen be­ton­te die Not­wen­dig­keit zu üben, was jetzt schon an Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen Po­li­zei und Bun­des­wehr mög­lich ist. Lei­ten­der Re­gie­rungs­di­rek­tor Dr. Wolf­ram Gei­er sprach sich eben­falls für ei­ne In­ten­si­vie­rung der zi­vil-mi­li­tä­ri­schen Zu­sam­men­ar­beit aus. Eben­so for­der­te er Un­ter­stüt­zungs­leis­tun­gen für die Bun­des­wehr, um ihr Ope­ra­ti­ons­frei­raum zu ge­währ­leis­ten. Bri­ga­de­ge­ne­ral Pe­ter Gor­gels er­klär­te: „Die Bun­des­wehr ist kei­ne Kraft der ers­ten St­un­de. Im Rhein­land gibt es zum Bei­spiel kei­ne ge­pan­zer­ten Trup­pen.“Für die Fäl­le, in de­nen Sol­da­ten po­li­zei­ähn­li­che Auf­ga­ben über­neh­men, gilt das Po­li­zei­recht des Lan­des, so Gor­gels. Bernd Hei­nen In­spek­tor der Po­li­zei NRW

FO­TO: KN

v. l.: Hans-Her­mann Tir­re, Po­li­zei­prä­si­dent a. D., Bri­ga­de­ge­ne­ral Pe­ter Gor­gels, In­spek­teur der Po­li­zei NRW Bernd Hei­nen, Ltd. Re­gie­rungs­di­rek­tor Dr. Wolf­ram Gei­er, Prof. Dr. Gün­ter Krings MdB und Hel­mut Mi­che­lis.

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