Ar­beits­lo­sen­zen­trum bleibt ein Zank­ap­fel

Ab­stell­gleis oder Über­hol­spur? Im Haupt­aus­schuss gab es ei­nen hef­ti­gen Schlag­ab­tausch um die Zu­kunft der Ein­rich­tung. CDU und SPD be­ken­nen sich zur Ar­beit des Ver­eins, for­dern aber Ve­rän­de­run­gen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON RALF JÜN­GER­MANN

Es gibt der­zeit kein zwei­tes The­ma, bei dem die Wahr­neh­mun­gen zwi­schen CDU und SPD auf der ei­nen und Grü­nen und Lin­ken auf der an­de­ren Sei­te so aus­ein­an­der lie­gen und die Emo­tio­nen so hoch­ko­chen wie beim Ar­beits­lo­sen­zen­trum. Für Tor­ben Schultz (Lin­ke) ist klar: „Die­se vor­bild­li­che Ein­rich­tung soll auf das Ab­stell­gleis ge­scho­ben wer­den. Sie wol­len sie auf Zeit ster­ben las­sen“, sag­te er im Haupt­aus­schuss. Bernd Meis­ter­ling-Riecks (Grü­ne) sprach von ei­ner „zy­ni­schen Dis­kus­si­on“, in der nach über 30 Jah­ren er­folg­rei­cher Ar­beit plötz­lich die Da­seins­be­rech­ti­gung in Fra­ge ge­stellt wer­de. Ganz an­ders wer­ten das CDU und SPD. „Wir wol­len das Ar­beits­lo­sen­zen­trum nicht aufs Ab­stell­gleis stel­len, son­dern im Ge­gen­teil auf die Über­hol­spur“, ver­si­cher­te Fe­lix Hein­richs, der SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de. Und Hans-Pe­ter Schle­gel­milch, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der CDU, stell­te klar: „Wir ha­ben kein Miss­trau­en ge­gen die­se an­er­kann­te Ein­rich­tung. Sonst wür­den wir ja kein Geld in den In­no­va­ti­ons­pro­zess ste­cken“, sag­te er im Haupt­aus­schuss.

20.000 Eu­ro soll der Trä­ger­ver­ein er­hal­ten, um mit pro­fes­sio­nel­ler Hil­fe ein Kon­zept für die Quar­tiers­ar­beit zu er­stel­len. „Das ist da­mit die ein­zi­ge Ein­rich­tung aus dem So­zi­al­be­reich, die Geld von der Stadt für ih­re Wei­ter­ent­wick­lung be­kommt“, sagt Hein­richs. Das Ar­beits­lo­sen­zen­trum soll beim Pro­jekt „So­zia­le Stadt Glad­bach“ei­ne wich­ti­ge Rol­le spie­len. Al­ler­dings wird der Ver­trag zum ers­ten Mal nicht um drei, son­dern nur noch um zwei Jah­re ver­län­gert. „Das kann ei­nem ge­fal­len oder nicht. Aber das ist et­was völ­lig Nor­ma­les im So­zi­al­be­reich“, so der SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de. Und es bleibt auch bei der An­sa­ge von CDU und SPD, dass die Ein­rich­tung auf Dau­er um­zie­hen soll.

Für Tor­ben Schultz ist die Be­to­nung der Quar­tiers­ar­beit ei­ne nicht leist­ba­re Über­for­de­rung für den Trä­ger­ver­ein. „Die wert­vol­le Ar­beit des Ar­beits­lo­sen­zen­trums ist ge­samt­städ­tisch und muss es auch blei­ben“, so der Spre­cher der Lin­ken. Al­ler­dings hat­te der Ver­ein selbst ar­gu­men­tiert, dass ein Um­zug nicht in Fra­ge kom­me, weil man we­gen des Mit­tags­ti­sches an den Stand­ort an der Lü­pert­zen­der Stra­ße ge­bun­den sei. Die Men­schen, die sich we­gen ih­rer Ar­beits­lo­sig­keit be­ra­ten las­sen, sei­en an­de­re als die­je­ni­gen, die mit­tags zum Es­sen kä­men. CDU und SPD ent­schie­den „über die Köp­fe der Ein­rich­tung hin­weg“, mo­nier­te Schultz. Tat­säch­lich hat sich der Trä­ger­ver­ein ge­gen die Ver­kür­zung des Ver­trags auf zwei Jah­re aus­ge­spro­chen. „Das An­ge­bot liegt auf dem Tisch. Das kann man an­neh­men oder nicht“, sag­te Hein­richs. Die Ar­beit der Ein­rich­tung wer­de zu Recht ge­lobt. Al­le An­bie­ter im so­zia­len Be­reich müss­ten al­ler­dings er­klä­ren, wie sie sich für die Zu­kunft auf­stel­len wol­len, er­klär­te Schle­gel­milch.

Die Be­treu­ung von Ar­beits­lo­sen ist ei­ne Pflicht­auf­ga­be der Stadt. Sie hat die­se an das Ar­beits­lo­sen­zen­trum über­tra­gen. Ge­schäfts­füh­rer der Ein­rich­tung ist der Frak­ti­ons­spre­cher der Grü­nen, Karl Sas­serath. Ver­wal­tungs­spit­ze, CDU und SPD hat­ten dem Trä­ger­ver­ein vor über ei­nem Jahr mit­ge­teilt, dass das lu­kra­ti­ve Grund­stück ne­ben Mu­sikund Volks­hoch­schu­le schu­le per­spek­ti­visch an­ders ge­braucht wer­de. Man wür­de dem Ar­beits­lo­sen­zen­trum al­ler­dings an­de­re ge­eig­ne­te Räu­me su­chen. Seit­her sind die Fron­ten ver­här­tet.

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