Zum Ge­burts­tag viel Geld

Das Fo­to­ent­wick­lungs­un­ter­neh­men Cewe spen­det an­läss­lich sei­nes 30-jäh­ri­gen Be­ste­hens in Glad­bach 15.000 Eu­ro an den Kin­der­schutz­bund.

Rheinische Post Moenchengladbach - - STADTTEILE - VON JAN SCHNETTLER

GIESENKIRCHEN Nein, Tor­ten be­dru­cken kann man bei Cewe noch nicht. Das sü­ße Mo­tiv-Ge­bäck zum 30-jäh­ri­gen Be­ste­hen des Mön­chen­glad­ba­cher Stand­orts an der Erft­stra­ße, das die Mit­ar­bei­ter ges­tern in der Kan­ti­ne kre­denzt be­ka­men, wur­de bei ei­nem Köl­ner In­ter­net-Spe­zia­lis­ten be­stellt. Aber auch dar­über hin­aus zeig­te sich das Fo­to­ent­wick­lungs­un­ter­neh­men an­läss­lich sei­nes Ge­burts­tags ges­tern spen­da­bel: Ge­schäfts­füh­rer Mat­thi­as Meß über­reich­te ei­nen Scheck über 15.000 Eu­ro an Heidrun und Ma­rei­ke Eßer vom Kin­der­schutz­bund. „Wir ha­ben drei­mal nach­ge­fragt, ob es sich nicht viel­leicht doch nur um 1500 Eu­ro han­delt“, sag­te das Mut­ter-Toch­ter-Ge­spann. „Das ist für uns ei­ne Rie­sen­sum­me, nach­dem wir drei Jah­re in Fol­ge ein di­ckes Mi­nus ge­macht ha­ben.“

Die Wahl auf den Kin­der­schutz­bund als Be­güns­tig­ten fiel nicht zu­fäl­lig – denn Ver­ein und Un­ter­neh­men ha­ben über­ra­schend vie­le Ge­mein­sam­kei­ten. Punkt eins: Bei­de ha­ben der­zeit Hoch­sai­son. Bei Cewe macht das Weih­nachts­ge­schäft, spe­zi­ell mit Fo­to­bü­chern – al­so zu Pa­pier ge­brach­ten Emo­tio­nen – ein Vier­tel des Jah­res­um­sat­zes aus. Und in den rund 500 Fa­mi­li­en, die der Kin­der­schutz­bund mit sei- nen An­ge­bo­ten er­reicht, tritt das Kri­sen­po­ten­zi­al in der emo­tio­na­len Vor­weih­nachts­zeit oft be­son­ders deut­lich zu­ta­ge.

Punkt zwei: In den letz­ten 30 Jah­ren ha­ben bei­de ei­nen im­men­sen Wan­del durch­ge­macht. Bei Cewe war er di­gi­ta­ler Na­tur. Am 8. De­zem­ber 1986 star­te­te man mit 20 Mit­ar­bei­tern, die ana­lo­ge Fil­me ent­wi­ckel­ten – vier von ih­nen sind bis zum heu­ti­gen Tag mit an Bord, da das Team 210 Stamm- und der­zeit zu­sätz­li­che 80 Sai­son­kräf­te um­fasst, und das Auf­ga­ben­spek­trum ist ein völ­lig an­de­res. Der Kin­der­schutz­bund war nach der Grün­dung des Orts­ver­ban­des 1978 zu­nächst ei­ne rei­ne Be­ra­tungs­stel­le. „Der Schwer­punkt hat sich seit­dem im­mer mehr in Rich­tung prak­ti­sche Hil­fe und be­son­ders Hil­fe zur Selbst­hil­fe ver­la­gert“, sagt Heidrun Eßer.

Hier knüpft Ge­mein­sam­keit Num­mer drei an: So­wohl Kin­der­schutz­bund als auch Cewe le­gen Wert dar­auf, dass ihr En­ga­ge­ment nicht punk­tu­ell an­ge­legt ist und le­dig­lich ein „Pflas­ter auf­legt“, wie Ma­rei­ke Eßer es nennt. Ein Bei­spiel: Den „Mor­gen­mampf“, das kos­ten­lo­se Früh­stück, das der Kin­der­schutz­bund an vier Grund­schu­len im Stadt­ge­biet an­bie­tet, rich­tet sich nicht aus­schließ­lich an die Kin­der, die be­dürf­tig sind und in der Re­gel hung­rig zur Schu­le ge­hen. Denn das wür­de le­dig­lich stig­ma­ti­sie­ren, Kin­der wie El­tern in schwie­ri­ge Si­tua­tio­nen brin­gen und „Fron­ten schaf­fen“, so Heidrun Eßer. Statt­des­sen früh­stü­cken al­le Kin­der ge­mein­sam – und ler­nen zu­gleich et­was über Tisch­ma­nie­ren, Um­gangs­for­men und ge­re­gel­te Ta­ges­ab­läu­fe. Ähn­lich hand­habt es auch Cewe-Ge­schäfts­füh­rer Meß, wenn er et­wa Ver­eins­mit­glied­schaf­ten für Flücht­lin­ge beim VfB Kor­schen­broich spon­sert und da­mit wah­re In­te­gra­ti­on för­dert, an­statt die Flücht­lings­hil­fe sin­gu­lär „auf ei­nen Thron zu stel­len“: „Wir ha­ben uns nach­hal­ti­gem so­zia­lem En­ga­ge­ment ver­schrie­ben.“Das meis­te da­von hän­gen sie bei Cewe auch lie­ber nicht an die gro­ße Glo­cke – die Sü­ßig­kei­ten aus ih­ren Weih­nacht­s­tü­ten, die die Mit­ar­bei­ter nicht ha­ben wol­len, ge­hen et­wa an das Ju­gend­haus am St­ein­berg.

Und zu gu­ter Letzt ver­spü­ren Spen­der und Be­güns­tig­ter glei­cher­ma­ßen den Wan­del hin zu ei­ner ich­fi­xier­ten Ell­bo­gen­ge­sell­schaft – wenn auch auf un­ter­schied­li­che Wei­se. „Die sicht­ba­re Ge­walt in den Fa­mi­li­en nimmt ex­trem zu“, sa­gen Mut­ter und Toch­ter Eßer. „Heu­te fo­to­gra­fiert man nur noch sich selbst vor Ob­jek­ten – der Blick für den an­de­ren und das gro­ße Gan­ze bleibt da­bei auf der Stre­cke“, sagt Meß – auch die­se Sel­fie-Kul­tur sa­ge et­was über die Ge­sell­schaft aus.

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