„Der Fan als sol­cher war ent­täuscht“

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON KARS­TEN KEL­LER­MANN

Im­mer­hin: Das Wet­ter war schön. Und Bar­ce­lo­na ist ei­ne rich­tig schö­ne Stadt. Aus rein tou­ris­ti­scher Sicht war es ei­ne ge­lun­ge­ne Eu­ro­pa­po­kal­rei­se für Bo­rus­si­as Fans. Sport­lich war es eher de­pri­mie­rend, denn die 0:4-Nie­der­la­ge pas­sier­te oh­ne Ge­gen­wehr. Im­mer­hin gab es auch auf dem Ra­sen ein High­light zu be­sich­ti­gen: Lio­nel Mes­si. „Es ist toll, ihn, aber auch An­drés Inies­ta mal aus der Nä­he zu se­hen“, sag­te Sa­scha Göbel, ei­ner von rund 10.000 Bo­rus­sia-Fans, die nach Ka­ta­lo­ni­en reis­ten. Aber was heißt aus der Nä­he? Der Aus­wärts­block im Camp Nou ist ei­gent­lich weit weg. „Da bist du dem Him­mel nä­her als dem Ra­sen“, sag­te Göbel. „Da kannst du das Spiel­feld kaum se­hen und die Spie­ler nicht er­ken­nen“, stell­te auch Bo­rus­si­as Fan­be­auf­trag­ter Tho­mas Wein­mann fest, als er „die fünf Stock­wer­ke hoch­ge­klet­tert“war. Und weil die Fans so weit weg wa­ren, „hat­ten wir auch kei­ne Chan­ce, das Team zu un­ter­stüt­zen, es kam ja nichts un­ten an“, sagt Göbel. De­fen­siv­mann To­ny Jantsch­ke be­stä­tig­te das: „Wir ha­ben un­se­re Fans nicht ge­hört.“

Den Fan­marsch, bei dem rund 5000 Fans vom Pla­ça d’Espanya zum Sta­di­on zo­gen, mach­te Göbel nicht mit. Da­mit er­spar­te er sich un­schö­ne und ge­fähr­li­che Sze­nen. „Das Pro­blem war, dass die Po­li­zei nicht da­mit ge­rech­net hat, dass so vie­le Leu­te beim Fan­marsch mit­ge­hen wür­den. Sie hat dann ei­nen Park ab­ge­sperrt, in den die Fans ge­lei­tet wur­den. Es gab nur ein klei­nes Tor. Da­hin­ter wur­de al­les zu­sam­men­ge­pfercht“, sag­te Wein­mann. „Wie kann man tau­sen­de Fans der­art vieh­mä­ßig be­han­deln? Zwar war es zu kei­ner Zeit le­bens­be­droh­lich oder wur­de un­an­ge­nehm, was aber vor al­lem der be­son­ne­nen Re­ak­ti­on un­se­rer Fans zu ver­dan­ken ist. Die stän­di­ge War­te­rei, Ab­sper­re­rei und das mas­si­ve und ag­gres­si­ve Po­li­zei­Auf­ge­bot darf und muss man im Rück­blick schon hin­ter­fra­gen“, schreibt der Mit­ge­dacht-Blog in sei­nem Rei­se­be­richt aus Bar­ce­lo­na.

„Der Fan als sol­cher war ent­täuscht. Nicht nur we­gen des Spiels, son­dern we­gen der Ge­samt­um­stän­de. Im Sta­di­on wirst du schlecht be­han­delt, die Po­li­zei setz­te Schlag­stö­cke ein, ob­wohl nichts pas­siert ist – es war un­ter al­ler Ka­no­ne. Je­der, der sagt Camp Nou ist ei­ne Rei­se wert, dem kann ich nur sa­gen: Im VIP-Be­reich viel­leicht, aber nicht da oben im Fan­block“, sag­te Wein­mann. Ein er­nüch­tern­des Fa­zit zum Ab­schied aus der Cham­pi­ons-Le­ague.

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