Ve­ro­ni­ca Fer­res in der Salz­wüs­te

Zu­letzt mach­te Re­gis­seur Wer­ner Her­zog Hol­ly­wood­star Ni­co­le Kid­man zur „Kö­ni­gin der Wüs­te“. Dies­mal zieht er mit Ve­ro­ni­ca Fer­res ins ewi­ge Salz ei­ner Step­pe in Bo­li­vi­en. Für die Lo­gik sei­nes Öko-Thril­lers in­ter­es­siert sich Her­zog we­nig.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINO - VON AN­TO­NIA LAN­GE

(dpa) Ei­ne Wis­sen­schaft­le­rin wird erst ent­führt und dann in ei­ner Salz­wüs­te aus­ge­setzt – zu­sam­men mit zwei blin­den Kin­dern. Wer­ner Her­zogs Öko-Thril­ler „Salt and Fi­re“wirft vie­le Fra­gen auf. Nicht al­le wer­den be­ant­wor­tet.

Schon am Flug­ha­fen deu­tet sich an, dass et­was schief­ge­lau­fen ist. Das Ge­päck der Wis­sen­schafts­de­le­ga­ti­on um Lau­ra Som­mer­feld (Ve­ro­ni­ca Fer­res) taucht nicht auf, eben­so we­nig der an­ge­kün­dig­te Um­welt­mi­nis­ter – da­für aber be­waff­ne­te Män­ner, die sich als Mit­ar­bei­ter der Re­gie­rung vor­stel­len. Die drei For­scher, die ei­ner Um­welt­ka­ta­stro­phe in Bo­li­vi­en auf der Spur sind, las­sen sich von ih­nen ins Lan­des­in­ne­re brin­gen und wer­den ent­führt.

Der deut­sche Re­gis­seur Wer­ner Her­zog bringt mit „Salt and Fi­re“nach zahl­rei­chen Do­ku­men­tar­fil­men nun ei­nen Öko-Thril­ler auf die Lein­wand. Da­bei bleibt er sei­nen Vor­lie­ben treu: Her­zog por­trä­tiert gern Men­schen, Si­tua­tio­nen und auch Land­schaf­ten der Ex­tre­me. Zu­letzt in­sze­nier­te er et­wa Ni­co­le Kid­man als Wüs­ten­for­sche­rin Ger­tru­de Bell bild­ge­wal­tig in „Kö­ni­gin der Wüs­te“. Ex­tre­me Si­tua­tio­nen und ex­tre­me Naur – in „Salt und Fi­re“wird das auf die Spit­ze ge­trie­ben.

Ve­ro­ni­ca Fer­res ver­kör­pert die Lei­te­rin der Wis­sen­schafts­de­le­ga­ti­on, die sich ge­fes­selt und mit ver­bun­de­nen Au­gen in ei­ner Ha­ci­en­da wie­der­fin­det, ge­trennt von ih­ren bei­den Kol­le­gen. Sie wird zu­nächst ta­ge­lang als Ge­fan­ge­ne ge­hal­ten, bis sich ei­ner der Mas­kier­ten zu er­ken­nen gibt. Ihr Kid­nap­per Matt Ri­ley (Micha­el Shan­non) ist der Chef des Kon­sor­ti­ums, das für die dro­hen­de Um­welt­ka­ta­stro­phe ver­ant­wort­lich ist, zu der Som­mer­feld re­cher­chiert.

Ein Scheu­sal ist er al­ler­dings nicht ge­ra­de. Der at­trak­ti­ve Ent­füh­rer und die For­sche­rin kom­men ein­an­der nä­her, in Form von tief­grün­di­gen Ge­sprä­chen und tie­fen Bli­cken. Of­fen bleibt nur die Fra­ge: War­um die Ent­füh­rung? Ein Lö­se­geld wird nicht ge­for­dert. Und auch Ge­walt be­kommt die For­sche­rin nicht zu spü­ren.

Ri­ley und sei­ne Leu­te fah­ren mit ihr schließ­lich zu ei­nem rie­si­gen Salz­see am Fu­ße ei­nes Vul­kans. Dort wird klar: Die Ent­füh­rung hat mit der Land­schaft zu tun. Als die Zu­schau­er ge­ra­de glau­ben, die Zu­sam­men­hän­ge zu be­grei­fen, gibt es je­doch ei­ne über­ra­schen­de Wen­de. Die Kid­nap­per las­sen die For­sche­rin in die­ser Salz­wüs­te zu­rück – zu­sam­men mit zwei blin­den Kin­dern und Vor­rä­ten für et­wa ei­ne Wo­che. Schlüs­sig scheint das nicht wirk­lich. Wie­so blei­ben die bei­den bis da­hin nie auf­ge­tauch­ten Kin­der mit ihr in der Wüs­te? Und wie­so funk­tio­niert der Ta­blet-Com­pu­ter der Ent­führ­ten, mit dem sie ein Ta­ge­buch führt, oh­ne La­de­mög­lich­keit?

Zu­min­dest die Fra­ge nach den Kin­dern wird ge­klärt. Sie sind Leid­tra­gen­de der Um­welt­be­las­tun­gen, die von dem Salz­see aus­ge­hen – ei­nem von Men­schen ge­schaf­fe­nen Pro­blem. Wie ge­nau Men­schen dar­an be­tei­ligt sind, bleibt al­ler­dings of­fen. Ent­füh­rer Ri­ley hat die Kin­der nach dem Tod ih­rer Mut­ter ad­op­tiert. Und er ist auch nur Ent­füh­rer, weil er will, dass sich die For­sche­rin, die die La­ge nur nach ih­ren Da­ten be­wer­tet hat, in die Ka­ta­stro­phe ein­fühlt. Er selbst will sich den Be­hör­den als schul­dig aus­lie­fern und macht vor­her noch mit Som­mer­felds Ta­blet-Com­pu­ter Er­in­ne­rungs­fo­tos von ihr und den Kin­dern. All das wirkt bis­wei­len sehr weit her­ge­holt und stel­len­wei­se auch nicht wirk­lich plau­si­bel. War­um be­geht der Ent­füh­rer ein Ver­bre­chen, nur um ei­ner Wis­sen­schaft­le­rin ei­ne Lek­ti­on zu er­tei­len – und das als zwei­fa­cher (Ad­op­tiv-)Va­ter? Und war­um ris­kiert er da­bei das Le­ben der bei­den Kin­der, die er in ei­ner to­ten Land­schaft lässt?

Doch mit sol­chen Fra­gen muss man Her­zog nicht kom­men. Für ihn ist die Thril­ler-Hand­lung nur die Ober­flä­che, sei­ne Bil­der er­zäh­len ei­ne ei­ge­ne Ge­schich­te, für die man sich öff­nen muss. Salt and Fi­re, Re­gie: Wer­ner Her­zog, mit Ve­ro­ni­ca Fer­res, Micha­el Shan­non, 93 Mi­nu­ten

FO­TO: DPA

Ve­ro­ni­ca Fer­res wird in dem Öko-Thril­ler „Salt and Fi­re“mit zwei bo­li­via­ni­schen Kin­dern in der Wüs­te aus­ge­setzt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.