Ul­rich Seidl auf Groß­wild­jagd

Der Ös­ter­rei­cher pran­gert in sei­ner Do­ku „Sa­fa­ri“die Tier­jagd in Afri­ka an.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINO - VON PE­TER CLAUS

(dpa) Der Schock kommt am En­de: Zum Fi­na­le sei­ner Do­ku­men­ta­ti­on „Sa­fa­ri“zeigt der Ös­ter­rei­cher Ul­rich Seidl quä­lend lang und de­tail­liert den To­des­kampf ei­ner Gi­raf­fe und schließ­lich das Aus­wei­den des Tie­res. Die schier end­los an­mu­ten­de Sze­ne „krönt“hier den Ur­laub­strip von Eu­ro­pä­ern, die in Afri­ka als Tou­ris­ten ih­re Lust am Tö­ten von Groß­wild aus­le­ben.

Ehe der Au­tor und Re­gis­seur Seidl das qual­vol­le Ster­ben und dann auch noch bru­ta­le Zer­stü­ckeln des im Le­ben schön und stolz an­mu­ten­den Tie­res in küh­ler Di­rekt­heit zeigt, schleicht er sich zu­vor so­zu­sa­gen auf Samt­pfo­ten an sein The­ma her­an: die Ent­lar­vung des Men­schen als die grau­sams­te Bes­tie auf Er­den. Zu­nächst zu­rück­hal­tend, in sei­nen Fra­gen je­doch im­mer drän­gen­der, be­ob­ach­tet er Deut­sche und Ös­ter­rei­cher auf der Jagd in Dschun­gel und Sa­van­ne.

An­fangs hat man als kri­ti­scher Be­trach­ter den Ein­druck, Seidl ma­che es sich et­was zu leicht. Denn das Jä­ger­la­tein und die Recht­fer­ti­gun­gen, die das Grüpp­chen der von ihm Be­glei­te­ten von sich gibt, wir­ken oft ein­fach nur lä­cher­lich. Doch je mehr Seidl auf Be­ob­ach­tun­gen setzt, um­so schär­fer wird die Ent­lar­vung ei­ner Pro­fit brin­gen­den Tou­ris­mus­in­dus­trie.

In fil­mi­schen Es­says wie „Tie­ri­sche Lie­be“, „Der Bu­sen­freund“oder „Im Kel­ler“und in Spiel­fil­men, et­wa „Hunds­ta­ge“und „Im­port Ex­port“, hat Seidl im­mer wie­der auf die Ab­grün­de der so­ge­nann­ten Zi­vi­li­sa­ti­on ge­blickt. Auch mit der vor ei­ni­gen Jah­ren her­aus­ge­kom­me­nen „Pa­ra­dies“-Tri­lo­gie über die Sehn­süch­te un­ter­schied­li­cher Frau­en er­reg­te er in­ter­na­tio­nal Auf­merk­sam­keit. „Sa­fa­ri“wirkt am stärks­ten, wenn der Re­gis­seur nicht auf die Bru­ta­li­tät des Ja­gens fo­kus­siert, son­dern auf die Selbst­ver­ständ­lich­keit, mit der Men­schen das Tö­ten von Tie­ren als Spaß be­trach­ten. Da ist et­wa ein Mann, der das ge­ra­de ab­ge­schos­se­ne Gnu tät­schelt und vom Sports­geist des Geg­ners fa­selt – so als hät­ten die Zwei ei­ne Par­tie Schach ge­spielt. Zum En­de hin wei­tet sich der Blick dann über das The­ma Jagd hin­aus: Kur­ze Mo­ment­auf­nah­men be­le­gen schlag­licht­ar­tig, dass sich die von Seidl be­glei­te­ten Mit­tel­eu­ro­pä­er den Afri­ka­nern ganz selbst­ver­ständ­lich über­le­gen füh­len. Spä­tes­tens dann wird der von Jagd-Geg­nern so­wie­so kri­tisch ver­stan­de­ne Re­port des Tö­tens aus Spaß zum kon­tu­ren­schar­fen Bild der so­ge­nann­ten west­li­chen Welt. Sa­fa­ri, Re­gie: Ul­rich Seidl, 91 Min.

FO­TO: NEUE VI­SIO­NEN

Ein Paar auf Groß­wild­jagd in Afri­ka in der Do­ku „Sa­fa­ri“

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