Un­ab­hän­gig im Al­ter durch be­treu­tes Woh­nen

Vie­le Se­nio­ren brau­chen mit zu­neh­men­dem Al­ter ver­mehrt Un­ter­stüt­zung, möch­ten aber ih­re Ei­gen­stän­dig­keit nicht ver­lie­ren. Be­treu­tes Woh­nen ist für vie­le die pas­sen­de Al­ter­na­ti­ve.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINO - VON BRI­GIT­TE BONDER

In jun­gen Jah­ren träu­men vie­le vom ei­ge­nen Haus mit Gar­ten oder ei­ner gro­ßen Ei­gen­tums­woh­nung, doch im Al­ter wird der Lu­xus plötz­lich zum Hin­der­nis. Zur Haus­tür füh­ren drei Stu­fen, das Bad ist nicht bar­rie­re­frei und das Schlaf­zim­mer im ers­ten Stock wird plötz­lich un­er­reich­bar. Auch die ehe­mals so aus­sichts­rei­che Woh­nung in der drit­ten Eta­ge ist oh­ne Auf­zug nicht mehr al­ten­ge­recht. „Ich fühl­te mich in mei­ner gro­ßen Drei-Zim­merWoh­nung in Düs­sel­dorf-Ger­res­heim ziem­lich al­lei­ne“, blickt Do­ris Harms zu­rück. „Ich ha­be kei­ne An­ge­hö­ri­gen und Ge­sell­schaft leis­te­ten mir nur mei­ne zwei Kat­zen.“Mit dem Al­ter ka­men klei­ne Ge­bre­chen. Es fiel der 77-Jäh­ri­gen im­mer schwe­rer, die Woh­nung sau­ber zu hal­ten, Ein­kau­fen zu ge­hen und die Treppen in den zwei­ten Stock zu schaf­fen. Seit ei­nem Drei­vier­tel­jahr lebt sie in ei­ner Woh­nung von „Se­nio­ren­woh­nen plus“in Düs­sel­dorf und fühlt sich wie ein neu­er Mensch. „Zwar ha­be ich mich von den Qua­drat­me­tern her ver­klei­nert, aber ich ha­be mei­ne ei­ge­nen vier Wän­de, die hell und freund­lich ein­ge­rich­tet sind. Auch das Du­schen macht wie­der Spaß“, freut sich Do­ris Harms. Sie hat nun ein bar­rie­re­frei­es Bad und muss nicht mehr um­ständ­lich in die Wan­ne klet­tern und sich sor­gen, wie sie wie­der her­aus­kommt.

Wenn die häus­li­che Pfle­ge nicht mehr mög­lich ist, stel­len sich be­son­ders An­ge­hö­ri­ge die Fra­ge, ob ein Pfle­ge­heim die rich­ti­ge Al­ter­na­ti­ve ist. „Ei­gen­stän­dig­keit und Wohn­um­feld auf­zu­ge­ben fällt je­doch vie­len Men­schen in ei­ner sol­chen Si- tua­ti­on schwer“, er­klärt Da­nie­la Häuß­ler von Se­nio­ren­woh­nen plus in Düs­sel­dorf.

Hin­zu kommt die Fra­ge des Ver­trau­ens zum Pfle­ge­per­so­nal. „Se­nio­ren-Wohn­ge­mein­schaf­ten oder be­treu­tes Woh­nen kön­nen für pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen ei­ne in­ter­es­san­te Al­ter­na­ti­ve sein. Im­mer mehr pri­va­te Ver­mie­ter bie­ten in ih­ren Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern die Wohn­form des be­treu­ten Woh­nens an“, weiß Häuß­ler. So auch der Ver­mie­ter Dr. Klaus Ley­en­de­cker in Ko­ope­ra­ti­on mit dem Pfle­ge­dienst Se­nio­ren­woh­nen plus Gm­bH in Düs­sel­dorf-El­ler.

In zwei Häu­sern hat der Pfle­ge­dienst ei­nen Stütz­punkt ein­ge­rich­tet und schafft so die Vor­aus­set­zung für ei­ne pro­fes­sio­nel­le Be­treu­ung. Die 2- bis 3Zim­mer-Woh­nun­gen sind 48 bis 80 Qua­drat­me­ter groß und mög­lichst bar­rie­re­arm ein­ge- rich­tet. Sie ver­fü­gen über ei­ne Ter­ras­se oder ei­nen Bal­kon und sind teil­wei­se für Roll­stuhl­fah­rer ge­eig­net.

Ne­ben den klas­si­schen Pfle­ge­leis­tun­gen um­fasst das Kon­zept auch ei­ne 24-stün­di­ge No­t­ruf­be­reit­schaft, re­gel­mä­ßi­ge Wohl­auf­kon­trol­len, die Be­reit­stel­lung ei­nes Haus­not­ruf­ge­räts, die Ter­min­ko­or­di­na­ti­on mit Ärz­ten und ei­nen werk­täg­li­chen An­sprech­part­ner vor Ort. Wei­te­re Ser­vice­an­ge­bo­te wie Woh­nungs­rei­ni­gung, Fens­ter put­zen und Bröt­chenoder Post­dienst kön­nen hin­zu ge­bucht wer­den. „Der Pfle­ge­dienst ist im­mer zur Stel­le, wenn ich ein Pro­blem ha­be“, be­rich­tet Do­ris Harms. „Die Da­men der Haus­wirt­schaft hel­fen mir im All­tag beim Ein­kau­fen, Wa­schen, Bü­geln und be­glei­ten mich so­gar zum Arzt. So ha­be ich Un­ter­hal­tung und füh­le mich nicht mehr so al­lein.“

Vie­le Se­nio­ren le­ben al­lein und häu­fig ha­ben An­ge­hö­ri­ge nur sel­ten Zeit für ei­nen Be­such oder woh­nen in der Fer­ne. Schwie­rig wird es, wenn sich die äl­te­ren Men­schen nicht mehr selbst ver­sor­gen kön­nen. „Mein Ge­sund­heits­zu­stand wur­de im­mer schlech­ter und mei­ne Kin­der hat­ten nicht die Zeit, sich aus­rei­chend um mich zu küm­mern“, er­in­nert sich Ma­ria Pio­rek. „Al­so ha­be ich den Ent­schluss ge­fasst, ins Se­nio­ren­woh­nen plus zu zie­hen.“Ne­ben der Be­treu­ung durch den Pfle­ge­dienst gibt es hier auch den bis­her feh­len­den Kon­takt zu an­de­ren. „Ich ha­be schnell neue Leu­te ken­nen­ge­lernt und wir sit­zen oft auf der Bank vor dem Haus oder ko­chen zu­sam­men, denn zu zweit macht Es­sen mehr Spaß“, freut sich die 78-Jäh­ri­ge. „Je­de Wo­che gibt es den Kaf­fee­klatsch, den Spie­le­nach­mit­tag und re­gel­mä­ßig grö­ße­re Ver­an­stal­tun­gen wie die Weih­nachts­fei­er hier im Hau­se.“

Auch Eli­sa­beth An­ton hat schnell Kon­takt zu den Mit­be­woh­nern ge­fun­den. Nach ei­nem Kran­ken­haus­auf­ent­halt zog sie in ein Heim, da sie an den Roll­stuhl ge­bun­den war. Doch hier wa­ren vie­le Men- schen an De­menz er­krankt und sie fühl­te sich fehl am Plat­ze. „Ich such­te ei­ne Al­ter­na­ti­ve mit Pfle­ge und Be­treu­ung, woll­te aber den­noch selbst­be­stimmt mei­nen All­tag be­wäl­ti­gen“, er­klärt die 85-Jäh­ri­ge. Über ei­ne Zei­tungs­an­zei­ge stieß sie auf Se­nio­ren­woh­nen plus und ent­schied, an die Kis­sin­ger Stra­ße zu zie­hen.

„Trotz mei­ner kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen kom­me ich hier gut zu­recht, denn die Mit­ar­bei­ter des Pfle­ge­diens­tes sind im­mer an­sprech­bar und die Da­men der Haus­wirt­schaft hel­fen mir in der Woh­nung.“Seit 2014 ge­nießt sie die Aus­sicht von ih­rem Bal­kon – be­son­ders zum Son­nen­un­ter­gang. Auch abends oder nachts füh­len sich die Be­woh­ne­rin­nen im Ge­gen­satz zu frü­her si­cher. Schließ­lich gibt es hier ei­nen Haus­not­ruf und der Pfle­ge­dienst ist auch im Haus. Mehr In­for­ma­tio­nen un­ter www.se­nio­ren­woh­nen-plus.de

FO­TO: THINKSTOCK

Al­ten­ge­rech­te Wohn­for­men wie be­treu­tes Woh­nen bie­ten vie­le Vor­tei­le: Statt al­lei­ne in der viel zu gro­ßen Woh­nung zu sit­zen, gibt es Ge­sell­schaft und vie­le Ser­vice- und Ver­an­stal­tungs­an­ge­bo­te.

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