Kraft: Wir wer­den Nord­afri­ka­ner nicht los

Die Mi­nis­ter­prä­si­den­tin be­klagt die zä­he Ab­schie­bung. Flücht­lin­ge sind für das Volk Pro­blem Num­mer eins.

Rheinische Post Moenchengladbach - - VORDERSEITE -

DÜS­SEL­DORF (kib/tor/RP) NRW-Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft (SPD) schlägt in der Fra­ge der Ab­schie­bung von Flücht­lin­gen ei­ne deut­lich schär­fe­re Ton­art an. „Un­ser Pro­blem ist, dass es kei­ne Re­ge­lung gibt, dass wir die los­wer­den“, sag­te Kraft in der ZDF-Sen­dung „May­brit Ill­ner“. Der Bund ha­be mit Staa­ten wie Ma­rok­ko oder Al­ge­ri­en schlecht ver­han­delt, die Län­der hät­ten kei­ne aus­rei­chen­de Hand­ha­be, um il­le­ga­le Flücht­lin­ge in ih­re Her­kunfts­län­der ab­zu­schie­ben. „Ich darf die da nicht ab­set­zen“, sag­te Kraft. Nach ei­ner gel­ten­den Ver­ein­ba­rung mit Ma­rok­ko dürf­ten nur zwei Flücht­lin­ge pro Li­ni­en­flug­zeug zu­rück­ge­schickt wer­den.

Ähn­lich hat­te sich die SPD-Vi­ze­che­fin zwar ver­schie­dent­lich ge­äu- ßert; neu sind aber To­na­li­tät und Wort­wahl. Auf dem Lan­des­par­tei­tag der SPD im Sep­tem­ber hat­te sie noch ge­sagt: „Wir se­hen hin, wir zei­gen Hal­tung, wir se­hen nicht den Flücht­ling, son­dern den Men­schen.“

Ein Spre­cher des In­nen­mi­nis­te­ri­ums be­stä­tig­te in­des auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on, dass der als „Kö­nig der Ta­schen­die­be“be­kannt ge­wor­de­ne Taou­fik M. am spä­ten Don­ners­tag­nach­mit­tag un­ter mas­si­vem Wi­der­stand nach Ma­rok­ko ab­ge­scho­ben wor­den ist. NRW-In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) sag­te: „Die­ser Mann ist kein Flücht­ling, son­dern ein Kri­mi- nel­ler.“Nach ei­nem Be­richt der „Welt“wur­den in den ers­ten drei Quar­ta­len des Jah­res 281 Nord­afri­ka­ner ab­ge­scho­ben. Die Flücht­lings­fra­ge ist für ei­ne Mehr­heit der Deut­schen das wich­tigs­te The­ma in Deutsch­land. 58 Pro­zent äu­ßer­ten im neu­en ZDF-„Po­lit­ba­ro­me­ter“die­se Mei­nung. Erst weit da­nach kommt auf Platz zwei mit 14 Pro­zent das The­ma Ren­te und Al­ters­si­che­rung. 60 Pro­zent be­fürch­ten, dass we­gen der Aus­ga­ben für die Flücht­lin­ge an an­de­rer Stel­le ge­spart wird. Mit ei­ner Zu­nah­me der Kri­mi­na­li­tät rech­ne­ten 52 Pro­zent der Be­frag­ten. 30 Han­ne­lo­re Kraft (SPD) über das Ma­ghreb-Pro­blem Pro­zent se­hen kul­tu­rel­le und ge­sell­schaft­li­che Wer­te be­droht.

Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel be­kommt für ih­re Po­li­tik den­noch eher Zu­spruch. Nach Mei­nung von 50 Pro­zent der Be­frag­ten macht die Re­gie­rungs­che­fin gu­te Ar­beit im Be­reich Flücht­lin­ge und Asyl. Als „eher schlecht“be­zeich­ne­ten 45 Pro­zent ih­re Flücht­lings­po­li­tik.

An den Wer­ten der Par­tei­en hat sich we­nig ge­än­dert. Wenn am nächs­ten Sonn­tag Wahl wä­re, kä­me die Uni­on wei­ter auf 36 Pro­zent. Die SPD leg­te ei­nen Punkt zu auf 22 Pro­zent. Die Lin­ke blieb bei zehn Pro­zent, die Grü­nen ver­lo­ren ei­nen Punkt auf zehn Pro­zent, die FDP ver­harr­te bei fünf Pro­zent. Die AfD fiel um ei­nen Punkt auf zwölf Pro­zent. Leit­ar­ti­kel

„Ich darf die da nicht ab­set­zen“

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