Post­fak­tisch

Rheinische Post Moenchengladbach - - STIMME DES WESTENS -

Ein Wort macht Kar­rie­re. So sehr, dass es hier zum zwei­ten Mal bin­nen kur­zer Zeit Er­wäh­nung fin­det. Nach dem in­ter­na­tio­na­len Wort des Jah­res hat es „post­fak­tisch“nun auch in Deutsch­land zum Wort des Jah­res 2016 ge­bracht. Die Ju­ry der Ge­sell­schaft für Deut­sche Spra­che ent­schied sich da­für, weil es ei­ne be­denk­li­che Ent­wick­lung spie­gelt: Fak­ten sind im­mer we­ni­ger ge­fragt, Emo­tio­nen da­ge­gen im­mer mehr. Nicht mehr der An­spruch auf Wahr­heit füh­re zum Er­folg, schrieb die Ju­ry. Das be­deu­tet al­so nichts we­ni­ger als den Rück­fall in das Zeit­al­ter vor der Auf­klä­rung, et­wa vor 1650. Die Be­ru­fung auf die Ver­nunft als uni­ver­sel­le Ur­teils­in­stanz, der Kampf ge­gen Vor­ur­tei­le – pas­sé. Da hat Ös­ter­reich es leich­ter. Dort lau­tet das Wort des Jah­res: Bun­des­prä­si­den­ten­stich­wahl­wie­der­ho­lungs­ver­schie­bung. kib

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.