UN: Hun­der­te Män­ner in Alep­po ver­misst

We­der Re­gie­rungs­kräf­te noch Re­bel­len wol­len nach­ge­ben. Die Not der Zi­vi­lis­ten wird im­mer grö­ßer.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON JAN KUHL­MANN

ALEP­PO (dpa) Hun­der­te Män­ner aus der um­kämpf­ten Stadt Alep­po sind den UN zu­fol­ge nach der Flucht in Ge­bie­te un­ter Kon­trol­le der sy­ri­schen Re­gie­rung ver­schwun­den. Die Fa­mi­li­en der Män­ner hät­ten seit Ta­gen nichts von ih­nen ge­hört, hieß es. Die Män­ner sei­en zwi­schen 30 und 50 Jah­re alt. An­ge­sichts der Be­rich­te über will­kür­li­che Fest­nah­men der sy­ri­schen Streit­kräf­te sei man sehr be­sorgt. Sie könn­ten ver­schleppt, in­haf­tiert oder ge­tö­tet wor­den sein, er­klär­ten die UN.

Die La­ge in der eins­ti­gen Han­dels­me­tro­po­le wird un­ter­des­sen im­mer dra­ma­ti­scher. Die Kämp­fe ge­hen wei­ter, trotz ei­ner von Russ- land ver­kün­de­ten den Waf­fen­ru­he. vor­über­ge­hen- Wie ist die Si­tua­ti­on in Alep­po? Kräf­te von Prä­si­dent Ba­schar al As­sad kon­trol­lie­ren den Wes­ten, Re­gime­geg­ner den Os­ten. Doch seit Be­ginn ei­ner Of­fen­si­ve ha­ben Ar­mee und Ver­bün­de­te rund 80 Pro­zent der Re­bel­len­ge­bie­te ein­ge­nom­men. Die Mi­li­zen der Op­po­si­ti­on hal­ten nur noch den Süd­os­ten. Wer kämpft noch in Alep­po? Auf der Sei­te der Re­gie­rung kämp­fen an der Sei­te der Ar­mee die li­ba­ne­si­sche Schii­ten­mi­liz His­bol­lah so­wie Ein­hei­ten schii­ti­scher Grup­pen aus dem Li­ba­non, dem Irak, dem Iran und Af­gha­nis­tan. Die Re- gime­geg­ner set­zen sich aus meh­re­ren Mi­li­zen zu­sam­men, die sich oft nicht ei­nig sind. Re­bel­len und Ak­ti­vis­ten aus der Stadt be­strei­ten, dass die Al-Kai­da-na­he Fa­tah-al-SchamFront den Ton an­gibt. Im Nor­den Alep­pos kon­trol­liert auch noch die Kur­den­mi­liz YPG Ge­bie­te. War­um ge­ben die Re­bel­len nicht auf? „Die Re­bel­len sind Söh­ne der Stadt“, sagt Ab­dul Mo­naim Zain al Din, Ko­or­di­na­tor der Mi­li­zen. „War­um sol­len sie ab­zie­hen? Da­mit As­sad an der Macht bleibt?“Die Re­bel­len wol­len erst über die Zu­kunft Alep­pos spre­chen, wenn Zi­vi­lis­ten und Ver­letz­te un­ter UN-Auf­sicht die Stadt ver­las­sen kön­nen. Gibt es bald ei­ne neue Waf­fen­ru­he? Da­nach sieht es nicht aus. Die USA als Un­ter­stüt­zer der Op­po­si­ti­on ha­ben kein Druck­mit­tel, um in Ver­hand­lun­gen mit Russ­land ei­ne Feu­er­pau­se zu er­rei­chen. Füh­ren­de Ver­tre­ter des Re­gimes er­klär­ten, sie wür­den ei­ner Waf­fen­ru­he erst zu­stim­men, wenn die Op­po­si­ti­ons­mi­li­zen ab­zie­hen. Weil die Kräf­te der Re­gie­rung auf dem Vor­marsch sind, ha­ben sie kein In­ter­es­se an ei­ner Feu­er­pau­se. Al­ler­dings star­te­te die Ter­ror­mi­liz IS in die­ser Wo­che ei­nen An­griff na­he der his­to­ri­schen Oa­sen­stadt Pal­my­ra in Zen­tral­sy­ri­en. Soll­te die Ar­mee Kräf­te aus Alep­po dort­hin ver­le­gen müs­sen, könn­te sich ih­re Hal­tung zu ei­ner Waf­fen­ru­he än­dern.

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