Evo­nik ge­lingt wei­te­re Über­nah­me

Der Che­mie­kon­zern will un­ab­hän­gi­ger von Zu­satz­stof­fen für die Tier­mast wer­den. Er kauft für 630 Mil­lio­nen Dol­lar das Si­li­ca-Ge­schäft des US-Un­ter­neh­mens Hu­ber. Da­mit wird Evo­nik Zu­lie­fe­rer für Zahn­pas­ta.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON ANTJE HÖ­NING

ES­SEN In der Che­mie­bran­che rollt die glo­ba­le Fu­si­ons­wel­le wei­ter, und Evo­nik mischt kräf­tig mit. Nun kauft der Es­se­ner Che­mie­kon­zern das Si­li­ca-Ge­schäft der ame­ri­ka­ni­schen Fa­mi­li­en­hol­ding JM Hu­ber, wie er ges­tern nach ei­ner Auf­sichts­rats­sit­zung mit­teil­te. Evo­nik zahlt da­für 630 Mil­lio­nen Dol­lar (590 Mil­lio­nen Eu­ro). Das Geld hat der Kon­zern in der Por­to­kas­se. Er ist an­ders als an­de­re Ruhr­rie­sen schul­den­frei und sucht hän­de­rin­gend gu­te Zu­käu­fe.

Bis­lang stellt Evo­nik in die­sem Be­reich nur Kie­sel­säu­re her, die für die Rei­fen­in­dus­trie ver­wen­det wird. Mit Hu­ber kommt nun der Be­reich Zahn­pas­ta und Kos­me­tik da­zu. Kie­sel­säu­re steckt zum Bei­spiel in den Putz­kör­pern von Zahn­pas­ta. „Das Ge­schäft mit der Rei­fen­in­dus­trie wächst dy­na­misch, das Den­tal­ge­schäft ist sta­bil und we­ni­ger zy­kli­schen Schwan­kun­gen un­ter­wor­fen. Mit die­ser Über­nah­me kom­bi­nie­ren wir bei­de Stär­ken des viel­sei­ti- gen Si­li­ca-Ge­schäfts“, sag­te Evo­ni­kChef Klaus En­gel. Zugleich kauft Evo­nik ei­ne vor­ge­la­ger­te Pro­duk­ti­ons­stu­fe mit: Hu­ber ge­winnt aus Sand die Vor­pro­duk­te der Kie­sel­säu­re. Das Un­ter­neh­men ist nicht nur in den USA, son­dern auch in In­di­en stark, was bis­lang ein wei­ßer Fle­cken auf Evo­niks Welt­kar­te war.

Hu­ber Si­li­ca macht mit 700 Mit­ar­bei­tern ei­nen Um­satz von 300 Mil­lio­nen Dol­lar und ei­nen Ge­winn (Ebit­da) von 60 Mil­lio­nen. Das be­deu­tet, dass Evo­nik für Hu­ber Si­li­ca das Zehn­fa­che des Ge­winns zahlt, was im Ver­gleich zum Bran­chen­üb­li­chen teu­er ist. Evo­nik ver­weist aber dar­auf, dass man von den USBe­hör­den Steu­er­gut­schrif­ten in Hö­he von 80 Mil­lio­nen er­hal­ten wer­de, die zu­sam­men mit den er­war­te­ten Sy­ner­gi­en die­sen Fak­tor (das so ge­nann­te Mul­ti­ple) auf bran­chen­üb­li­che sie­ben drü­cken.

Durch den Kauf will Evo­nik nach ei­ge­nen An­ga­ben zum Welt­markt­füh­rer bei Fein­che­mie auf­stei­gen und sich zugleich brei­ter auf­stel­len. Zu­letzt war der Kon­zern ge­fähr­lich stark auf Zu­satz­stof­fe für die Tier­mast (Me­thio­nin) kon­zen­triert. We­gen des wach­sen­den Fleisch­hun­gers der Welt hat­te Evo­nik da­mit in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gu­tes Geld ver­dient. Doch die Wett­be­wer­ber schla­fen nicht, die Ka­pa­zi­tä­ten neh­men zu, das drückt die Prei­se. Im drit­ten Quar­tal war der Evo­nik-Ge­winn um elf Pro­zent ein­ge­bro­chen, der Um­satz sank um sechs Pro­zent.

Um un­ab­hän­gi­ger von Me­thio­nin zu wer­den, hat­te der Kon­zern schon frü­her die An­gel aus­ge­wor­fen und die Che­mie­spar­te von Air Products für 3,8 Mil­li­ar­den Dol­lar ein­ge­fan­gen. Für die­se Über­nah­me hat Evo­nik in­zwi­schen grü­nes Licht von den Kar­tell­be­hör­den be­kom­men, der Ab­schluss des De­als steht be­vor.

Martin Rö­di­ger, Ana­lyst von Ke­p­ler Cheu­vreux, sieht den Hu­berDe­al kri­tisch: Der Zu­kauf er­fol­ge zeit­gleich mit der Über­nah­me der Spar­te von Air Products, wo­durch die In­te­gra­ti­ons­ri­si­ken stei­gen. Zu­dem er­war­te er Kar­tell­pro­ble­me.

Evo­nik ist da­ge­gen zu­ver­sicht­lich: Die Ge­schäf­te er­gän­zen sich re­gio­nal wie von den Pro­duk­ten her, heißt es. Auch Är­ger mit An­teils­eig­nern sind nicht zu er­war­ten: Die Hu­ber Cor­po­ra­ti­on ist ei­ne Fa­mi­li­en­hol­ding aus New Jer­sey, die 1883 von deut­schen Aus­wan­de­rern ge­grün­det wur­de und mit der Holz­ver­ar­bei­tung groß ge­wor­den ist. Nun will die Fa­mi­lie ihr Rand­ge­schäft Si­li­ca ver­kau­fen.

Der neue De­al soll auch der Evo­nik-Ak­tie gut tun, hofft man in Es­sen. Trotz des ak­tu­el­len Booms an den Ak­ti­en­märk­ten düm­pelt der Evo­nik-Kurs bei 27 Eu­ro. Er liegt da­mit drei­ein­halb Jah­re nach dem Bör­sen­gang wei­ter un­ter der Erst­no­tiz von 33 Eu­ro.

Et­was mehr Be­geis­te­rung der An­le­ger könn­te Evo­nik gut ge­brau­chen: Im nächs­ten Jahr fei­ert der Kon­zern sein zehn­jäh­ri­ges Be­ste­hen. Evo­nik war 2007 als wei­ßer Be­reich aus dem RAG-Kon­zern her­vor­ge­gan­gen. Die RAG-Stif­tung hält heu­te noch 67,9 Pro­zent der An­tei­le.

FO­TO: DPA

Die Kon­zern­zen­tra­le von Evo­nik in Es­sen.

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