Sie küm­mern sich um die Ge­sund­heit der Bo­rus­sen

Die Vor­wür­fe des Spa­ni­ers Ál­va­ro Do­m­in­guez tref­fen ei­ne gan­ze me­di­zi­ni­sche Ab­tei­lung, zu der mehr als die drei Ärz­te ge­hö­ren.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON ANDRE­AS GRUHN

Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach sieht sich schwer­wie­gen­den Vor­wür­fen aus­ge­setzt. Der spa­ni­sche Ab­wehr­spie­ler Ál­va­ro Do­m­in­guez, seit Di­ens­tag of­fi­zi­ell Sport­in­va­li­de, fühlt sich nicht nur vom Ver­ein im Stich ge­las­sen, son­dern kri­ti­siert in meh­re­ren In­ter­views auch die Be­hand­lung durch Bo­rus­si­as me­di­zi­ni­sche Ab­tei­lung. Doch wer sind über­haupt die Män­ner, die Bo­rus­si­as Pro­fis fit ma­chen? Zur me­di­zi­ni­schen Ab­tei­lung ge­hö­ren drei Ärz- Dr. Stefan Hertl Mann­schafts­arzt in ei­nem In­ter­view vom Ok­to­ber 2014 mit un­se­rer Re­dak­ti­on te, drei Phy­sio­the­ra­peu­ten und im Grun­de auch die drei Spe­zi­al­trai­ner, die für Ath­le­tik und Re­ha­bi­li­ta­ti­on zu­stän­dig sind. Do­m­in­guez hat mit sei­nen Vor­wür­fen ein gan­zes Team hin­ter dem Team at­ta­ckiert.

Dr. Stefan Hertl (56) ist als Or­tho­pä­de seit 2003 Mann­schafts­arzt Bo­rus­si­as. Vor­her hat er be­reits ver­schie­de­ne Na­tio­nal­mann­schaf­ten des DFB be­treut und war 1989 für kur­ze Zeit Mann­schafts­arzt von Bo­rus­sia Dort­mund. Seit 1994 ist er als Fach­arzt für Or­tho­pä­die in ei­ner Ge­mein­schafts­pra­xis an der Sand­rad­stra­ße in der In­nen­stadt tä­tig. In ei­nem In­ter­view vor zwei Jah­ren mit un­se­rer Re­dak­ti­on be­ton­te Hertl, bei Bo­rus­sia wer­de kein Spie­ler fit ge­spritzt. Auf ei­ne ent­spre­chen­de Fra­ge ant­wor­te­te er: „Na­tür­lich kann man ei­nen Spie­ler fit sprit­zen, aber es scha­det auf Dau­er mehr, als es kurz­fris­tig hilft. Des­we­gen ma- chen wir das bei Bo­rus­sia auch nicht. Ich wür­de ei­nem Spie­ler auch im­mer da­von ab­ra­ten, denn ich bin ja in ers­ter Li­nie für sei­ne Ge­sund­heit ver­ant­wort­lich und erst da­nach für den Er­folg der Mann­schaft. Ich ha­be in mei­ner Zeit bei Bo­rus­sia aber auch noch nie er­lebt, dass ein Trai­ner von mir ver­langt hat, ei­nen be­stimm­ten Spie­ler fit zu sprit­zen. Das wür­de ich auch nicht mit­ma­chen.“

Deut­lich län­ger als Hertl ist Dr. He­ri­bert Dit­zel (64) als Mann­schafts­arzt bei Bo­rus­sia. Seit 1994 ge­hört der Fach­arzt für In­ne­re Me­di­zin und Sport­me­di­zi­ner zum Klub. Seit 1986 ist Dit­zel als Fach­arzt für In­ne­re Me- di­zin in Rhein­dah­len nie­der­ge­las­sen, ge­nau­so lan­ge be­treut er auch be­reits Brei­ten- und Hoch­leis­tungs­sport­ler in­ter­nis­tisch. Sein Schwer­punkt liegt in der Kar­dio­lo­gie.

Jüngs­tes Mit­glied im Ärz­te­team Bo­rus­si­as ist Dr. Stefan Por­ten (39). Der ge­bür­ti­ge Mön­chen­glad­ba­cher und Sport­leh­rer ist als Or­tho­pä­de seit 2011 beim Bun­des­li­gis­ten tä­tig. Por­ten ist als Ober­arzt und Fach­arzt für Or­tho­pä­die und Un­fall­chir­ur­gie im St. Au­gus­ti­nus Kran­ken­haus Dü­ren tä­tig, er ist über­dies auch Di­plom-Sport­wis­sen­schaft­ler. Zu­vor war er als Arzt un­ter an­de­rem am Köl­ner Olym­pia­stütz­punkt tä­tig.

Im me­di­zi­ni­schen Team Bo­rus­si­as fin­det sich üb­ri­gens auch ein ehe­ma­li­ger Pro­fi: Andre­as Bl­uhm küm­mert sich als Re­ha-Trai­ner um die Spie­ler, die nach ei­ner Ver­let­zung wie­der ans Mann­schafts­trai­ning her­an­ge­führt wer­den. Der 42 Jah­re al­te Ex-Pro­fi ist da­bei Trai­ner, Phy­sio­the­ra­peut, Psy­cho­lo­ge und En­ter­tai­ner in ei­ner Per­son, der zu­letzt be­son­ders viel Ar­beit hat­te. Die Ar­beits­tei­lung funk­tio­niert so, wie Bl­uhm im ver­gan­ge­nen Jahr er­klär­te: „Un­ser Mann­schafts­arzt Stefan Hertl gibt je nach Ver­let­zungs­grad oder Art der Be­schwer­den vor, wie der Spie­ler be­las­tet wer­den soll. Ein Spie­ler, der bei­spiels­wei­se mit ei­nem Mus­kel­fa­ser- oder Bän­der­riss aus­fällt, wird erst ein­mal in der Me­di­co­reha her­an­ge­führt, be­vor ich ihn fuß­ball­spe­zi­fisch auf dem Platz über­neh­me. Wenn er dann bei mir durch ist, ist er wie­der zu 100 Pro­zent be­last­bar und kann zu­rück ins Mann­schafts­trai­ning.“Sport

„Fit­sprit­zen scha­det auf Dau­er mehr, als es kurz­fris­tig hilft. Des­we­gen ma­chen wir das bei Bo­rus­sia auch nicht“ KA­RI­KA­TUR DER WO­CHE

FO­TOS: IMA­GO (AR­CHIV), HANS-PE­TER REICHARTZ (2)

Bo­rus­si­as Mann­schafts­arzt Dr. Stefan Hertl be­glei­tet die Mann­schaft auch im Trai­nings­la­ger. Der Or­tho­pä­de ist seit 2003 für den Bun­des­li­ga-Klub tä­tig. In der In­nen­stadt ar­bei­tet er in ei­ner Ge­mein­schafts­pra­xis.

Dr. He­ri­bert Dit­zel ist als In­ter­nist seit 1994 Mann­schafts­arzt.

Dr. Stefan Por­ten ist Or­tho­pä­de und Di­plom-Sport­wis­sen­schaft­ler.

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