Der Dok­tor und Burg­graf von Oden­kir­chen

Zwei Wor­te ge­nü­gen: „Der Dok­tor“. So heißt Rolf Pe­ter Mahn­ke in Oden­kir­chen. Und je­der­mann dort weiß, wer ge­meint ist. Vor zwei Jah­ren wur­de der Arzt als „Burg­graf“ge­adelt. Über die Stadt hin­aus be­kannt wur­de er auch mit Blau-Weiß Wick­rath in der Ten­nis-B

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON O. E. SCHÜTZ

„Ich bin kein Rhein­län­der“, be­haup­tet Dr. Rolf Pe­ter Mahn­ke. Und das nach nun schon 47 Jah­ren als Mön­chen­glad­ba­cher? Der 74-Jäh­ri­ge, an der Nord­see auf­ge­wach­sen, ist doch längst in die­ser Stadt ver­wur­zelt, in die ihn 1969 sein Be­ruf als Arzt ver­schla­gen hat. Al­ler­spä­tes­tens, seit er sich 2014 als 45. Burg­graf von Oden­kir­chen vom Brauch­tum ver­ein­nah­men ließ, muss er sein Ver­hält­nis zum Rhein­land re­la­ti­vie­ren: „Ich bin stolz, auch Mön­chen­glad­ba­cher ge­wor­den zu sein. Aber ich ha­be auch die Tu­gen­den mei­ner al­ten Hei­mat be­wahrt: Zu­ver­läs­sig­keit, Durch­hal­te­ver­mö­gen, Dis­zi­plin.“

Und die las­sen sich durch­aus mit der Men­ta­li­tät der Rhein­län­der ver­ein­ba­ren: Sie sind of­fen, to­le­rant, hu­mor­voll, mö­gen die Ge­mein­schaft, ge­hen auf an­de­re zu und neh­men an­de­re Men­schen schnell in ih­ren Kreis auf, wenn die es wol­len. Wie Rolf Pe­ter Mahn­ke, der in Nor­den­ham auf­ge­wach­sen ist, wo die We­ser in die Nord­see mün­det. Sein Va­ter war Ka­pi­tän zur See, fiel im Krieg ein Jahr nach der Ge­burt sei­nes Soh­nes.

Pe­ter Mahn­ke oder „der Dok­tor“, wie ihn die Oden­kir­che­ner nen­nen, hat in sei­ner neu­en Hei­mat schnell Kon­takt ge­fun­den, durch sei­nen Be­ruf und den Sport: Ten­nis. Mit dem TC Blau-Weiß Wick­rath hat er als Sport­wart so­gar zwei­mal an die Tür zur Ers­ten Bun­des­li­ga ge­klopft. Sich selbst hat er aber lie­ber et­was im Hin­ter­grund ge­hal­ten: „Ich ste­he nicht ger­ne in der Öf­fent­lich­keit.“

So hat die Kar­ne­vals-Ge­sell­schaft Ru­et-Wiss Oker­ke ei­ni­ge Jah­re bag­gern müs­sen, bis der Dok­tor sich breit­schla­gen ließ, das Eh­ren­amt als „Burg­graf von Oden­kir­chen“an­zu­neh­men: Der „45. der Neu­zeit“war er 2014, zu­erst mit noch et­was Skep­sis. Der Ti­tel „Burg­graf von Oden­kir­chen“geht bis auf den Zei­t­raum von 1153 bis 1745 zu­rück, als meh­re­re Adels­ge­schlech­ter auf Burg Oden­kir­chen herrsch­ten. Seit 1969 wird der Ti­tel von der Kar­ne­vals­ge­sell­schaft „Ru­et-Wiss Oker­ke“an Per­so­nen ver­lie­hen, die sich um Oden­kir­chen ver­dient ge­macht ha­ben. Und da­zu ge­hö­re nun mal auch „der Dok­tor“, be­fan­den die Obe­ren der KG Ru­et-Wiss. Und am En­de hat es Pe­ter Mahn­ke so­gar Spaß ge­macht, mit dem Burg­gra­fen­hut auf­zu­tre­ten, bei Fes­ten und Um­zü­gen bis hin zum gro­ßen Mön­chen­glad­ba­cher Veil­chen­diens­tags­zug.

Das müs­se es nun aber ge­we­sen sein, fin­det er. Und setzt sei­ne auch im 75. Le­bens­jahr noch vor­han­de­ne Ener­gie wei­ter für das ein, was ihm ne­ben der Fa­mi­lie am wich­tigs­ten ist: sei­nen Be­ruf. Der für ihn schon ein Stück Be­ru­fung ist: kran­ken Men­schen zu hel­fen. „Im Zen­trum mei­nes Le­bens ste­hen mei­ne Pa­ti­en­ten“, sagt er. Auch für sie hat er schon En­de der 80er Jah­re „als ei­ner der Ers­ten in Nord­rhein­West­fa­len“ei­ne Ge­mein­schafts­pra­xis auf­ge­baut: „Sie bringt ei­ne schnel­le und op­ti­ma­le Ver­sor­gung,

„Die Tu­gen­den der al­ten Hei­mat be­wahrt: Zu­ver­läs­sig­keit, Durch­hal­te­ver­mö­gen und Dis­zi­plin.“

Rolf Pe­ter Mahn­ke und so gab es auch schnell ei­ne gro­ße Ak­zep­tanz durch die Pa­ti­en­ten.“Die ka­men längst nicht nur aus Mön­chen­glad­bach, son­dern auch aus Düs­sel­dorf oder Aa­chen. Bis zu 15 Ärz­te hat­te die Ge­mein­schafts­pra­xis in der Pas­tors­gas­se im Oden­kir­che­ner Zen­trum. Heu­te sind es sie­ben, und „der Dok­tor“, seit ei­nem Jahr­zehnt im Ren­ten­al­ter, ist im­mer noch da­bei: „Nicht zwölf St­un­den am Tag wie frü­her, aber deut­lich mehr als ei­nen hal­ben Ar- beits­tag.“Ein be­son­de­rer Schwer­punkt ist die Pal­lia­tiv­me­di­zin: tod­kran­ken Men­schen ein Ster­ben in Wür­de mit mög­lichst we­nig Schmer­zen zu er­mög­li­chen.

Und es gibt auch noch den Dach­ver­band der La­bor­ge­mein­schaf­ten, den Mahn­ke da­mals ge­grün­det hat und der „ei­ner der größ­ten Deutsch­lands“ge­wor­den ist.

Wie lan­ge will er noch wei­ter­ma­chen? „So lan­ge es mei­ne Ge­sund­heit zu­lässt und ich Spaß dar­an ha­be.“Für sei­ne Fit­ness tut er ei­ni­ges: Er joggt re­gel­mä­ßig, trai­niert täg­lich zu Hau­se nach dem Grund­satz, den er als Arzt ver­in­ner­licht hat: „Mens sa­na in co­po­re sa­no“– ein ge­sun­der Geist lebt in ei­nem ge­sun­den Kör­per. Golf hat­te mal Ten­nis ab­ge­löst, aber nicht so ernst­haft. Ei­ne Zeit lang hat er mit Freun­den aus dem Ten­nis­club Wick­rath ab und zu ge­se­gelt, wie er es einst in sei­ner ers­ten Hei­mat an der Nord­see ge­lernt, aber nicht oh­ne Ein- schrän­kung ge­liebt hat: „Wir hat­ten zu­hau­se im­mer zwei Se­gel­boo­te im Ha­fen. Seit ich vier war, muss­te ich je­des Wo­che­n­en­de mit raus auf die See. Da hat­te ich ei­nes Ta­ges die Schnau­ze voll.“

FO­TO: ISA­BEL­LA RAUPOLD

Pro­kla­ma­ti­on des 45. Burg­gra­fen der Neu­zeit:, Rolf Pe­ter Mahn­ke (rechts), durch Hel­mut De­den, Prä­si­dent der KG Ru­et-Wiss Oker­ke.

FO­TOS (6): KN

Den Men­schen hel­fen: Rolf Pe­ter Mahn­ke ist auch mit 74 Jah­ren noch „der Dok­tor“von Oden­kir­chen, vol­ler Über­zeu­gung.

FO­TO: RAUPOLD

Oden­kir­che­ner Tra­di­ti­on: Ei­chen­mes­sung der KG Ru­et-Wiss Oker­ke im Tier­park mit von l.: Hop­pe­diz An­ne­ma­rie Ja­ko­bitz, Vor­sit­zen­der Hel­mut De­den, Burg­graf Rolf Pe­ter Mahn­ke (ganz le­ger) und Burg­gra­fen­spre­cher Gün­ter Pilz.

Rolf Pe­ter Mahn­ke war selbst er­folg­reich auf dem Platz, zum Bei­spiel mit 15 Jah­ren als Nie­der­sach­sen-Meis­ter.

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