Die ers­te gro­ße Be­wäh­rungs­pro­be

Die Mit­glie­der des Opern­stu­di­os über­zeug­ten als Al­ter­na­tiv­be­set­zung der Neu­in­sze­nie­rung von „Hänsel und Gre­tel“im Thea­ter. Da­bei ist die „Kin­der­oper“al­les an­de­re als leicht.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON HEI­DE OEHMEN

So ist das, wenn man Mit­glied im „Opern­stu­dio Nie­der­rhein“ist: Die För­de­rung die­ser aus­schließ­lich von Spon­so­ren­gel­dern fi­nan­zier­ten Ein­rich­tung des Thea­ters Kre­fel­dMön­chen­glad­bach ist zwar um­fas­send und in­ten­siv. Aber kaum hat man das stren­ge Aus­wahl­ver­fah­ren be­stan­den, war­ten be­reits an­spruchs­vol­le Büh­nen­auf­ga­ben – und das nicht nur in klei­nen Ne­ben­rol­len. So er­ging es jüngst den neu­en Opern­stu­dio-Mit­glie­dern, der So­pra­nis­tin Ju­lia Danz und der Mez­zo­so­pra­nis­tin Ag­nes Thorn­steins. Zu­nächst gab es für die Neu­lin­ge, die ge­ra­de ih­re Hoch­schul­aus­bil­dung ab­ge­schlos­sen hat­ten, le­dig­lich Stu­dier­auf­trä­ge – die Par­ti­en Gre­tel be­zie­hungs­wei­se Hänsel be­tref­fend – doch bald dar­auf ent­deck­ten sich die bei­den er­staun­ten jun­gen Sän­ge­rin­nen be­reits auf der Be­set­zungs­lis­te.

Die Oper „Hänsel und Gre­tel“von En­gel­bert Hum­per­dinck wird ge­mein­hin als „Kin­der­oper“an­ge­se­hen und fälsch­li­cher­wei­se als „leicht“er­ach­tet. Doch vor al­lem die Haupt­par­ti­en Hänsel und Gre­tel sind äu­ßerst an­spruchs­voll, zu­mal der Kom­po­nist ein gro­ßes Orches­ter mit um­fang­rei­chem Blech­in­stru­men­ta­ri­um vor­schreibt. So sind al­so die Prot­ago­nis­ten in der Zwick­müh­le, ei­ner­seits kind­lich zu er­schei­nen, sich an­de­rer­seits aber trotz des um­fang­rei­chen Orches­te­rap­pa­ra­tes stimm­lich be­haup­ten zu müs­sen.

Ju­lia Danz in der Rol­le der Gre­tel und Ag­nes Thor­steins als Hänsel – für bei­de war es die ers­te voll­stän­di­ge Par­tie auf ei­ner Opern­büh­ne über­haupt – meis­ter­ten die­se Grat­wan­de­rung in der zwei­ten, wie­der­um fast aus­ver­kauf­ten Auf­füh­rung der be­lieb­ten Mär­chen­oper be­wun- derns­wert, so­wohl was ihr Ge­sang als auch was ihr lo­cke­res und aus­ge­spro­chen le­ben­di­ges Spiel be­traf. Das wirk­te, als hät­ten die bei­den Sti­pen­dia­ten schon ei­ne Men­ge Büh­nen­er­fah­rung. Thor­steins hat­te über­haupt kei­ne Pro­ble­me, sich mit ih­rem vo­lu­mi­nö­sen, da­bei reich dif­fe­ren­zier­ten, bruch­los flie­ßen­den Mez­zo dem Orches­ter ge­gen­über zu be­haup­ten – für Danz‘ fein­glied­ri­ge­ren So­pran mit be­wun­derns­wer­ter Hö­hen­si­cher­heit hät­te der neue Ka­pell­meis­ter Die­go Martin-Et­xe­bar­ria die vol­ler Wohl­klang und Ein­satz­be­reit­schaft agie­ren­den Nie­der­rhei­ni­schen Sin­fo­ni­ker manch­mal et­was zu­rück­neh­men müs­sen. Be­rü­ckend ge­lang der Sän­ge­rin das wun­der­schön kind­lich und doch aus­drucks­reich ge­stal­te­te Lied „Ein Männ­lein steht im Wal­de“.

Opern­stu­di­o­schü­ler im zwei­ten Jahr, Shin­y­oung Yeo, der die Rol­le des an­ge­nehm pol­tern­den Pe­ter Be­sen­bin­der über­nom­men hat­te, plag­te ei­ne Er­käl­tung, er sang al­so „mit An­sa­ge“. Doch sei­ner Stim­me wa­ren kei­ner­lei Ein­bu­ßen an­zu­mer­ken, im Ge­gen­teil. Durch das viel­leicht be­son­ders acht­sa­me Sin­gen klang der raum­fül­len­de Bass viel run­der als sonst.

Als groß­ar­ti­ge Knus­per­he­xe mit aus­ge­spro­che­ner Spiel­freu­de ent­pupp­te sich So­pra­nis­tin De­bra Hays, und die Par­tie der Mut­ter war dies­mal Ma­ren Schä­fer an­ver­traut, die im Pro­gramm­heft ei­gent­lich als Re­gie­hos­pi­tan­tin aus­ge­wie­sen ist. Ga­b­rie­la Kuhn war die Ein­zi­ge, die auch in der Pre­mie­re be­setzt war – sie sang die Par­ti­en des Sand­männ­chens und des Tau­männ­chens. Der Kin­der­chor „Thea­ter­spat­zen“, ein­stu­diert von Su­san­ne See­fing, un­ter­strich als En­gel und als be­frei­te Leb­ku­chen­kin­der die ro­man­ti­sche Grund­stim­mung des von al­len Ge­ne­ra­tio­nen ge­lieb­ten Wer­kes.

Das be­geis­ter­te Pu­bli­kum fei­er­te ei­nen mu­si­ka­lisch in je­der Wei­se über­zeu­gen­den Abend, vor al­lem na­tür­lich die bei­den glück­li­chen De­bü­tan­tin­nen.

FO­TO: MAT­THI­AS STUTTE

Die bei­den Opern­stu­dio-Mit­glie­der Ag­nes Thor­steins als Hänsel (links) und Ju­lia Danz in der Rol­le der Gre­tel (rechts) über­zeug­ten bei ih­rem De­büt.

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