Nacht­flug­re­kord in Düsseldorf

Am Flug­ha­fen lan­den Jets so häu­fig erst nach 23 Uhr wie seit zehn Jah­ren nicht. Dies zei­gen neue Aus­wer­tun­gen. Die Flug­ha­fen­geg­ner sind em­pört. Auch der Airport ist un­zu­frie­den und will han­deln.

Rheinische Post Moenchengladbach - - VORDERSEITE - VON REIN­HARD KOWALEWSKY

DÜSSELDORF Der Flug­ha­fen Düsseldorf wird die­ses Jahr mit 23 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­ren ei­nen Re­kord mel­den, zu­gleich muss das Un­ter­neh­men ei­ne schwie­ri­ge Ent­wick­lung ein­räu­men: In ei­ner bis­her nur in­tern be­kann­ten Sta­tis­tik tau­chen 780 Jets auf, die von An­fang Ju­li bis En­de Sep­tem­ber zwi­schen 23 Uhr und null Uhr lan­de­ten oder zwi­schen fünf Uhr und sechs Uhr an­ka­men. „Die­se vie­len Nacht­lan­dun­gen sind ein Re­kord und nicht ak­zep­ta­bel“, sagt Chris­toph Lan­ge, Vor­sit­zen­der des Bür­ger­ver­eins ge­gen Flug­lärm. Zum Ver­gleich: 2015 gab es im 3. Quar­tal nur 632 zu spä­te Lan­dun­gen, 2014 wa­ren es 491. Auch der Flug­ha­fen ist nicht be­geis­tert: „Die Zah­len stim­men uns nicht zu­frie­den“, er­klärt Tho­mas Köt­ter, Spre­cher des Air­ports. Das Un­ter­neh­men wol­le al­les tun, um die La­ge zu ver­bes­sern.

Wie ernst die La­ge ist, be­stä­tigt ein Zehn-Jah­res-Rück­blick. Laut ei­ner Prä­sen­ta­ti­on des Flug­ha­fens, die un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt, hat es von Ja­nu­ar bis En­de Ok­to­ber ins­ge­samt 1901 Nacht­lan­dun­gen ge­ge- ben – mehr als in je­dem an­de­ren gan­zen Jahr seit 2005. Kom­men nur 100 Nacht­lan­dun­gen bis En­de De­zem­ber hin­zu, wer­den 2000 Fäl­le im gan­zen Jahr er­reicht – fast sie­ben pro Tag, rund 600 mehr als in vie­len Vor­jah­ren.

Ein Grund für die zahl­rei­chen Ver­spä­tun­gen die­ses Jahr war ne­ben Streiks und Un­wet­tern die Über­las­tung des Flug­raums über den Ba­lea­ren, Spa­ni­en und Ita­li­en. Pal­ma mel­de­te bis En­de Ok­to­ber mit 24,7 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­ren mehr Rei­sen­de als je, hun­der­te Jets flo­gen der we­gen Ter­ror­sor­gen der Tou­ris­ten ins west­li­che Mit­tel­meer statt in die Tür­kei – lan­ge War­te­schlei­fen wa­ren die Re­gel. In ganz Eu­ro­pa ist die Pünkt­lich­keit ab­ge­rutscht. „Wir ha­ben Staus am Him­mel“, sagt ein In­si­der.

Düsseldorf hat zwei Son­der­pro­ble­me: Ei­ne zu lang­sa­me Ge­päck­ab­fer­ti­gung führ­te da­zu, dass vie­le Ma­schi­nen schon tags­über spä­ter als ge­plant ab­ho­ben – ent­spre­chend spät ka­men sie oft zu­rück. „Um­lauf­ver­spä­tung“heißt dies im Luft­fahr­tJar­gon. Flug­ha­fen­chef Tho­mas Schnal­ke han­del­te und sorg­te da­für, das die spa­ni­sche Accio­na nun als drit­ter Di­enst­leis­ter zum Aus­la­den des Ge­päcks be­reit steht.

Zu­dem hofft der Flug­ha­fen, mit der be­an­trag­ten neu­en Be­triebs­ge­neh­mi­gung nicht nur rund 18 Pro­zent hö­he­re Ka­pa­zi­tä­ten in Spit­zen­zei­ten zu er­hal­ten, son­dern auch ei­ne hö­he­re Fle­xi­bi­li­tät beim Nut­zen der Lan­de­bah­nen, um bei Streiks oder et­wa Frost bes­ser re­agie­ren zu kön­nen. Ganz an­ders se­hen da­ge­gen die Kri­ti­ker des Flug- ha­fens den An­trag auf hö­he­re Ka­pa­zi­tä­ten: „Wenn mehr Ma­schi­nen star­ten und lan­den, ist ab­seh­bar, dass es auch mehr Nacht­lan­dun­gen gibt“, so Wer­ner Kinds­mül­ler, Vor­sit­zen­der des Ver­eins „Kaars­ter ge­gen Flug­lärm“.

Das NRW-Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um er­klär­te ges­tern auf An­fra­ge, dass die Be­zirks­re­gie­rung Düsseldorf die Ur­sa­che der vie­len spä­ten Lan­dun­gen prü­fen wird. Da­bei könn­te es auch um die Fra­ge ge­hen, ob man­che Air­lines Flü­ge fahr­läs­sig so eng plan­ten, dass es zwangs­läu­fig zu ver­spä­te­ten Lan­dun­gen kam.

Wo­mög­lich er­hält der Flug­ha­fen­mehr Flug­rech­te, muss je­doch im Ge­gen­zug strik­te­re Re­geln zum Nacht­flug­ver­bot ak­zep­tie­ren. Die Grü­nen ha­ben ein Li­mit ab 22 Uhr vor­ge­schla­gen. Auch we­gen die­ses Ri­si­kos hat­te sich Luft­han­sa-Chef Cars­ten Sp­ohr im Mai skep­tisch zu den be­an­trag­ten hö­he­ren Ka­pa­zi­tä­ten ge­äu­ßert. Ihm ist das Recht auf spä­te Heim­kehr für sei­ne hie­si­ge Eu­ro­wings-Flot­te wich­ti­ger als zu­sätz­li­che Start­rech­te, von de­nen eher die Kon­kur­renz pro­fi­tie­ren wür­de. Leit­ar­ti­kel

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