Hier ist der Ver­kehr am si­chers­ten

Dem ak­tu­el­len De­kra-Re­port zu­fol­ge ist Ker­pen die ver­kehrs­si­chers­te Stadt in NRW. Sechs Jah­re in Fol­ge gab es dort kei­ne töd­li­chen Un­fäl­le. Aber auch in an­de­ren Kom­mu­nen wur­de viel für die Si­cher­heit im Stra­ßen­ver­kehr ge­tan.

Rheinische Post Moenchengladbach - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON BEA­TE WYGLENDA

KER­PEN Ein prü­fen­der Blick zu we­nig beim Über­que­ren der Stra­ße, ein Mo­ment der Unacht­sam­keit am Steu­er, und schon ist es pas­siert: ein Un­fall. Geht die­ser glimpf­lich aus, ist nur ein Sach­scha­den ent­stan­den. Im schlimms­ten Fall kos­tet er Men­schen das Le­ben. Doch so schnell solch ein Un­glück pas­sie­ren kann, so er­freu­lich ist das Er­geb­nis des De­kra-Ver­kehrs­si­cher­heits­re­ports 2016. Dem­nach ist es ins­ge­samt 54 nord­rhein-west­fä­li­schen Städ­ten mit mehr als 50.000 Ein­woh­nern in dem Zei­t­raum von 2009 bis 2014 ge­lun­gen, min­des­tens in ei­nem Jahr in­ner­orts kei­nen Ver­kehrs­to­ten zu ha­ben. Ker­pen hat so­gar in sechs auf­ein­an­der­fol­gen­den Jah­ren das Ziel von null Ver­kehrs­to­ten er­reicht. Da­für gab es nun den erst­mals ver­ge­be­nen „De­kra Vi­si­on Ze­ro Award“.

„Mit un­se­rem Award wol­len wir den Blick da­für schär­fen, dass das Ziel von null Ver­kehrs­to­ten kei­ne Uto­pie sein muss“, sagt De­kra-Vor­stands­chef Ste­fan Kölbl. „Un­se­re Un­fall­for­schung zeigt: Das Ziel ist in den ur­ba­nen Le­bens­räu­men er­reich­bar und in vie­len Städ­ten Deutsch­lands schon heu­te Rea­li­tät.“Auch Da­ten des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes be­stä­ti­gen, dass die Zahl der Ver­kehrs­to­ten in Deutsch­land seit 1970 um 85 Pro­zent von mehr als 21.300 auf rund 3400 im Jahr 2015 ge­sun­ken ist.

Und für 2016 wer­de ein wei­te­rer Rück­gang er­war­tet, wie Mar­tin Lan­glitz vom ADAC Nord­rhein sagt. „Es gibt ein Bün­del er­folg­rei­cher Maß­nah­men, die zur Ver­kehrs­si­cher­heit bei­tra­gen. Zum Bei­spiel hat sich die Fahr­zeug­tech­nik mit Brems- und Fahras­sis­tenz­sys­te­men stark ent­wi­ckelt, auch die Ein­satz­kräf­te sind bei Un­fäl­len schnell vor Ort“, er­klärt er. Wirk­sam sei zu­dem die heu­ti­ge Ver­kehrs­er­zie­hung. So wür­den Kin­der schon von früh auf in den Schu­len über die Ge­fah­ren im Stra­ßen­ver­kehr auf­ge­klärt.

Der Si­cher­heit von Kin­dern im Stra­ßen­ver­kehr wid­met auch Ker­pen ho­he Auf­merk­sam­keit. 2005 grün­de­te die Stadt das Netz­werk

Ver­kehrs­to­ten... ... imin­den­letz­ten­letz­tenJahr sechs Jah­ren ... in den letz­ten zwei­fünf Jah­renJah­ren ... in den letz­ten drei­vier Jah­ren ... in den letz­ten vierJah­ren­d­rei Jah­ren ... in den letz­ten fünf­zwei Jah­renJah­ren ... in­im­den­letz­ten­letz­tenJahr sechs Jah­ren (Aus­wahl) „Kin­de­r­un­fall­kom­mis­si­on“, in dem Po­li­zei, ADAC, ADFC, der Kin­der­schutz­bund so­wie Ver­tre­ter der Ver­kehrs­be­trie­be und städ­ti­sche Fach­ab­tei­lun­gen mit­ar­bei­ten. „Ziel des Netz­wer­kes ist, die Schul­we­ge si­che­rer zu ma­chen“, er­klärt Bür­ger­meis­ter Die­ter Spürck. Da­bei wer­den so­wohl Bür­ger auf­ge­for­dert, Ge­fah­ren­stel­len zu be­nen­nen, wie auch in Ko­ope­ra­ti­on mit Schu­len und Ju­gend­ein­rich­tun­gen Ak­tio­nen wie „Schul­weg­de­tek­ti­ve“und „Rad­weg­de­tek­ti­ve“ge­star­tet. Um auf­fäl­li­ge Kno­ten­punk­te aus­zu­ma­chen, dien­ten zu­dem Lang­zeit­un­fal­l­ana­ly­sen. Ver­kehrs­un­fäl­le gibt es in Ker­pen näm­lich sehr­wohl: Al­lein in die­sem Jahr 1598. „Häu­fig rei­chen Grün­rück­schnitt, klei­ne­re Mar­kie­rungs­ar­bei­ten oder das Ein­zie­hen ein­zel­ner Park­plät­ze schon zur ent­schei­den­den Ver­bes­se­rung der Sicht­ver­hält­nis­se“, sagt der Bür­ger­meis­ter. Aber auch die Ein­rich­tung von Ze­bra­strei­fen und Que­rungs­an­la­gen oder die Um­ge­stal­tung von Kno­ten zu Krei­seln wür­den um­ge­setzt. Ent­schei­dend für Sprück ist: „Die Ver­wal­tung war­tet nicht, bis Be­schwer­den ein­ge­hen. Im Ge­gen­teil, sie fragt, ob Ge­fah­ren im Stra­ßen­raum er­kannt wer­den.“

In Düsseldorf hin­ge­gen steigt die Zahl der Ver­kehrs­to­ten: 2015 star­ben 14 Men­schen bei Crashs im Stadt­ge­biet, vier mehr als im Jahr da­vor. 2013 wa­ren es noch sechs Per­so­nen. Ein Düs­sel­dor­fer Po­li­zei­spre­cher re­la­ti­viert je­doch: „So tra­gisch ein töd­lich aus­ge­hen­der Ver­kehrs­un­fall ist, bei der Grö­ße der Stadt und dem ho­hen Ver­kehrs­auf­kom­men sind die­se Zah­len noch re­la­tiv ge­ring.“Er­freu­lich sei, dass seit acht Jah­ren kein ein­zi­ges Kind töd­lich ver­un­glückt ist, auf­fal­lend da­für die ho­he Zahl der ver­un­fall­ten Se­nio­ren. Von den acht Un­fall­to­ten im lau­fen­den Jahr (Köln: 14 Per­so­nen) wa­ren fünf äl­ter als 65 Jah­re. „Das ist re­prä­sen­ta­tiv für die vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­re“, sagt der Po­li­zei­spre­cher. „Ei­ner­seits sind Se­nio­ren auf­grund der nach­las­sen­den Hörund Seh­funk­ti­on häu­fi­ger in Un­fäl­le ver­wi­ckelt, an­de­rer­seits sind sie we­gen ih­rer kör­per­li­chen Kon­sti­tu­ti­on stär­ker von den Fol­gen be­trof­fen.“

Ne­ben über­höh­ter Ge­schwin­dig­keit, fal­schen Über­hol- und Wen­de­ma­nö­vern spie­le ei­ne Un­fall­ur­sa­che ei­ne im­mer grö­ße­re Rol­le: die Ablen­kung durch tech­ni­sche Ge­rä­te. „Der Check der Mails, das Schrei­ben ei­ner Nach­richt oder Be­die­nen des Na­vi­ga­ti­ons­ge­rä­tes wäh­rend der Fahrt – und der da­mit ver­bun­de­ne Blind­flug über die Stra­ße – ist und bleibt ge­fähr­lich“, sagt Po­li­zei­prä­si­dent Nor­bert Wes­se­ler. Ent­spre­chend wur­den die Kon­trol­len ge­gen te­le­fo­nie­ren­de Ver­kehrs­teil­neh­mer um 77 Pro­zent er­höht.

QU­EL­LE: DE­KRA | FO­TO: THINKSTOCK GRA­FIK: C. SCHNETTLER

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