Weid­mann: Staats­hil­fe als Aus­nah­me

Der Bun­des­bank-Prä­si­dent pocht auf Ein­hal­tung der Re­geln für Ban­ken­ret­tung.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

FRANK­FURT (dpa) Bun­des­bank-Prä­si­dent Jens Weid­mann hat im Zu­sam­men­hang mit der Ret­tung der an­ge­schla­ge­nen Ban­ken Ita­li­ens da­vor ge­warnt, die in Eu­ro­pa auf­ge­stell­ten Re­geln zu ver­let­zen. Staats­hil­fen hält er un­ter Um­stän­den für Pri­vat­an­le­ger für zu­läs­sig, sag­te Weid­mann der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung“. „Im Fal­le Ita­li­ens wur­den of­fen­bar sehr ris­kan­te Fi­nanz­pro­duk­te an Men­schen ver­kauft, die ei­gent­lich eher kon­ser­va­ti­ve Pro­duk­te woll­ten. Möch­te man als be­son­ders schutz­wür­dig emp­fun­de­ne An­le­ger aus po­li­ti­schen Grün­den schüt­zen, könn­te dies bei­spiels­wei­se im Rah­men ge­ziel­ter staat­li­cher Trans­fers er­fol­gen“, schlug Weid­mann vor.

De­tails da­zu nann­te der Bun­des­bank-Prä­si­dent nicht. Er stell­te je­doch klar, dass ei­ne sol­che Hil­fe die „klar ein­ge­grenz­te Aus­nah­me und nicht der Re­gel­fall sein“müs­se. Es sei sehr wich­tig, dass die in­fol­ge der Fi­nanz­kri­se ver­ein­bar­ten Re­geln ein­ge­hal­ten wür­den. Dem­nach sol­len in ers­ter Li­nie Ei­gen­tü­mer und Gläu­bi­ger für Ver­lus­te haf­ten. Die Ak­zep­tanz des markt­wirt­schaft­li- Jens Weid­mann Bun­des­bank-Prä­si­dent chen Sys­tems kön­ne wei­ter un­ter­gra­ben wer­den, „wenn der Ein­druck ent­steht, dass bei Ver­lus­ten stets der Staat oder die No­ten­bank für pri­va­te Ent­schei­dun­gen von An­le­gern und In­ves­to­ren in die Bre­sche springt“.

In Ita­li­en be­las­ten Ber­ge von fau­len Kre­di­ten die Bi­lan­zen der Ban- ken. Sor­gen be­rei­tet et­wa die an­ge­schla­ge­ne Bank Mon­te dei Pa­schi di Sie­na (MPS), die bis En­de des Jah­res ih­ren Ret­tungs­plan er­fül­len muss. Die äl­tes­te noch exis­tie­ren­de Bank der Welt, in Ita­li­en die Num­mer drei, braucht we­gen Ver­lus­ten bei der Aus­la­ge­rung von fau­len Kre­di­ten in Mil­li­ar­den­hö­he drin­gend fri­sches Geld. Falls das Geld­haus die Sum­me von fünf Mil­li­ar­den Eu­ro in den nächs­ten Ta­gen nicht auf­brin­gen kann, könn­te es die Hil­fe des Steu­er­zah­lers brau­chen.

Auch die deut­lich grö­ße­re Bank Uni­credit, zu der die deut­sche Hy­po­Ver­eins­bank ge­hört, steckt in der Klem­me und braucht drin­gend Geld. Vor­stands­chef Je­an Pier­re Mus­tier will mor­gen sei­ne neue Stra­te­gie vor­stel­len und ver­mut­lich ei­ne bis zu 13 Mil­li­ar­den Eu­ro schwe­re Ka­pi­tal­er­hö­hung an­kün­di­gen.

„Es darf nicht der Ein­druck ent­ste­hen, dass bei Ver­lus­ten stets der Staat ein­springt“

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