Glad­bach zit­tert sich zum Sieg

1:0 ge­gen Mainz: Bo­rus­sia holt den ers­ten Liga-Sieg seit dem 24. Sep­tem­ber und ver­grö­ßert den Ab­stand auf die Ab­stiegs­rän­ge.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON KARS­TEN KELLERMANN

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Ver­tei­di­ger Andre­as Chris­ten­sen hat Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach den lang er­sehn­ten Bun­des­li­ga­sieg be­schert. Vor 78 Ta­gen hat­te es den letz­ten Drei­er ge­ge­ben, und nun er­ziel­te der Dä­ne das 1:0-Sieg­tor ge­gen Mainz 05. Die Gäs­te er­ziel­ten in der Schluss­mi­nu­te zwar den Aus­gleich durch Pa­blo De Bla­sis, doch Ro­bert Hart­mann pfiff die ju­beln­den Main­zer zu­rück. Der Schieds­rich­ter hat­te die Hand von Tor­hü­ter Yann Som­mer bei De Bla­sis’ Schuss auf dem Ball ge­se­hen und dem Tref­fer des­halb die An­er­ken­nung ver­wei­gert. Ei­ne höchst umstrittene Ent­schei­dung. „Das Glück war heu­te auf un­se­rer Sei­te. Das war schon lan­ge nicht mehr der Fall“, sag­te Chris­ten­sen.

Bo­rus­si­as Trai­ner An­dré Schu­bert hat­te sich ei­ne neue al­te Tak­tik aus­ge­dacht. 4-4-2 ließ er spie­len, das Wohl­fühl­sys­tem der Bo­rus­sen aus Zei­ten von Lu­ci­en Fav­re, in dem die Alt­vor­de­ren im Team selbst nachts um Drei wis­sen, wel­che Lauf­we­ge ge­macht wer­den müs­sen. Und weil es ein Neu­an­fang sein soll­te, saß noch ei­ner auf der Bank, der vor 273 ei­nen Knor­pel­scha­den er­lit­ten hat­te: Jo­sip Dr­mic. Er hat sich zu­rück­ge­kämpft, und das woll­ten ge­gen Mainz auch die an­de­ren Bo­rus­sen schaf­fen.

To­re muss­ten da­für her. Die hat­ten zu­letzt ge­fehlt, oder bes­ser die Selbst­ver­ständ­lich­keit, sie zu ma­chen. In Dort­mund (1:4) und Bar­ce­lo­na (0:4) fehl­ten dann fast al­le Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten, und so ging es ges­tern ge­gen Mainz ir­gend­wie um al­les, es war ein Spiel am Schei­de­weg, mög­li­cher­wei­se auch in Sa­chen Trai­ner. Leicht vom Fuß ging es den Bo­rus­sen nicht ge­gen ge­wohnt lauf­freu­di­ge Main­zer. Ve­r­un­si­che­rung ist nach acht Spie­len oh­ne Sieg hart­nä­ckig.

Zu kom­pli­ziert wur­de an­ge­grif­fen, den ein­zi­gen Tor­schuss in der ers­ten Halb­zeit pro­du­zier­te St­indl, doch der Ball flog ge­nau in die Ar­me von Mainz-Tor­wart Jo­nas Lössl. Vor al­lem Raf­fa­el hat­te nicht sei­nen bes- ten Tag, er hat­te selt­sam vie­le Ball­ver­lus­te. Das Spiel rann zäh vor sich hin, das Wol­len war zu spü­ren, doch auch die Blo­cka­de. Kri­sen sind auch Kopf­sa­che – wer ei­nen Lehr­film da­zu ma­chen will, fin­det reich­lich Ma­te­ri­al in den Bil­dern die­ser 45 Mi­nu­ten.

Th­or­gan Ha­zard kam für An­dré Hahn. Der Bel­gi­er soll­te mehr Spiel­witz ein­brin­gen und da­mit vi­el­leicht die Blo­cka­de zu­min­dest auf­wei­chen. Er lei­te­te dann auch die ent­schei­den­de Si­tua­ti­on ein. Als Ecken­schüt­ze. Das ist schon skur­ril: 165 Ecken lang pas­sier­te nichts, und nun flip­per­te der Ball nach Ha­zards Her­ein­ga­be zu Chris­ten­sen, der dann den Ball ins Tor lenk­te (76.). „Wir ha­ben vor­her vor die­sem Tor Ecken ge­übt“, be­rich­te­te Schu­bert. Dass es ein Ver­tei­di­ger-Tor war, mit­hin das ers­te die­se Sai­son, pass­te auch zum Spiel. Chris­ten­sen riss an der Rau­te an sei­nem Tri­kot, dann ver­schwand er in ei­ner Ju­bel­trau­be. Bo­rus­sia führ­te wie­der 1:0 – wie zu­letzt so oft. Aber die­ses Mal reich­te es zum Sieg.

Dass die­ses in Ab­we­sen­heit des Fuß­balls zu­stan­de kam, war den Bo­rus­sen egal. Am 24. Sep­tem­ber hat­te es den letz­ten Liga-Drei­er ge­ben, dar­um ging es nur um das Er­geb­nis an die­sem Tag. Ist das die Trend­wen­de? „Wir hof­fen, dass es ein Neu­an­fang war, wir wer­den jetzt wei­ter kämp­fen, um auch in den letz­ten bei­den Spie­len des Jah­res er­folg­reich zu sein“, sag­te Chris­ten­sen. Er hat­te sich in der Pau­se über­ge­ben. „Ich bin et­was krank“, be­rich­te­te er spä­ter. Trotz­dem wur­de Chris­ten­sen zum Glad­ba­cher Hel­den des Ta­ges, weil das Glück in Per­son des Schieds­rich­ters half. Dass am En­de auch noch Dr­mic ein paar Mi­nu­ten spiel­te, das run­de­te die Ge­schich­te die­ses Ta­ges ab. „Es war ein sehr wich­ti­ger Sieg, der sich gut an­fühlt“, sag­te Chris­ten­sen.

FO­TO: GETTY

Die Ent­schei­dung im Bo­rus­sia-Park: Andre­as Chris­ten­sen (Mit­te) be­ju­belt sei­nen Tref­fer; Mo Dahoud freut sich mit.

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