Ge­schlos­se­ne Ge­sell­schaft

Der 1. FC Köln trotzt den Per­so­nal­sor­gen und be­rei­tet Bo­rus­sia Dort­mund beim 1:1 gro­ße Pro­ble­me.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON PATRICK SCHERER

KÖLN Sa­lih Öz­can hat­te es gut ge­meint. Was blieb, war aber ein Foul­spiel an Ous­ma­ne Dem­bé­lé und die Gelb-Ro­te Kar­te in der Nach­spiel­zeit. Da­mit ver­grö­ßert der jun­ge Köl­ner Mit­tel­feld­spie­ler die oh­ne­hin üp­pi­gen Per­so­nal­sor­gen sei­ner Mann­schaft. Wer aber glaubt, dass die­ser Vor­fall oder der spä­te Ge­gen­tref­fer zum 1:1 ge­gen Dort­mund die Stim­mung in der Dom­stadt dämpft, irrt ge­wal­tig. „Falls je­mand noch Fuß­ball­schu­he und ei­nen Spie­ler­pass hat: Wir trai­nie­ren un­ter der Wo­che am Geiß­bock­heim“, sag­te Tho­mas Kess­ler, der zur Zeit Ti­mo Horn im Tor des Fuß­ball-Bun­des­li­gis­ten ver­tritt. Und Trai­ner Pe­ter Stö­ger zieht für sich Po­si­ti­ves aus der Mi­se­re: „Na­ja, so wird die Chan­ce, dass ich falsch auf­stel­le, ge­rin­ger, denn so vie­le Al­ter­na­ti­ven ha­be ich ja nicht mehr.“Köln lacht die Sor­gen weg. Aus gu­tem Grund: Das üb­rig ge­blie­be­ne Per­so­nal zeig­te am Sams­tag wie­der ein­mal, dass die viel be­schwo­re­ne mann­schaft­li­che Ge­schlos­sen­heit des FC kei­ne Dampf­plau­de­rei ist, son­dern auf und ne­ben dem Platz ge­lebt wird.

In Horn, Do­mi­nic Ma­roh, Leo­nar­do Bit­ten­court, Mat­thi­as Leh­mann und Mar­cel Ris­se feh­len der­zeit fünf Stamm­spie­ler. Ei­ner, der von den Aus­fäl­len pro­fi­tiert, ist Art­joms Rud­nevs. Als un­er­müd­li­cher Ar­bei­ter im Sturm ist der Let­te oh­ne­hin be­kannt (Zi­tat Kess­ler: „Ru­di rennt im­mer, als hät­te er drei Bat­te­ri­en hin­ten­drin“). Ge­gen Dort­mund be­lohn­te sich Rud­nevs mit ei­nem Kopf­ball­tref­fer Mar­ke Horst Hru­besch. Nach dem 1:0 in der 28. Mi­nu­te kon­zen­trier­te sich das oh­ne­hin auf De­fen­siv­ar­beit aus­ge­rich­te­te Team noch mehr dar­auf, Dort­mund kei­ner­lei Platz für schnel­les Kom­bi­na­ti­ons­spiel zu las­sen. „Wir ha­ben man­n­ori­en­tier­ter agiert, als wir es sonst ma­chen. Wir ha­ben ver­sucht, ein sehr emo­tio­na­les Spiel zu brin­gen. Das war auch not­wen­dig“, er­klär­te Stö­ger.

Yu­ya Osa­ko at­ta­ckier­te die Auf­bau­spie­ler des BVB, Pa­wel Ol­kow­ski hat­te Reus weit­ge­hend im Griff, und Pier­re-Eme­rick Auba­meyang wur­de von Mer­gim Mav­raj und Fre­de­rik Sö­r­en­sen völ­lig ab­ge­mel­det, schoss nicht ein­mal aufs Tor. Her­aus­ra­gend war auch die Leis­tung von Do­mi­ni­que Heintz ge­gen den un­ge- mein schnel­len und wen­di­gen Ous­ma­ne Dem­bé­lé.

Vor al­lem Reus und Dem­bé­lé zeig­ten sich zu­neh­mend ent­nervt. Köln agier­te ge­schlos­sen und hart in den Zwei­kämp­fen. Da­mit ka­men die Man­nen von Trai­ner Tho­mas Tu­chel über­haupt nicht zu­recht – nicht das ers­te Mal in die­ser Spiel­zeit. „Es wä­re zu ein­fach, das nur auf ei­ne Sa­che zu re­du­zie­ren. Wir müs­sen noch viel ler­nen. Man lernt aber nicht im Wett­kampf, son­dern in der Trai­nings­wo­che“, sag­te Tu­chel. Da der Rah­men­ter­min­ka­len­der der Deut­schen Fuß­ball Liga sich aber wei­ter­hin nicht nach den Wün­schen der Trai­ner rich­ten wird, muss Tu­chel sei­ner Mann­schaft wohl ab­seits des Trai­nings­plat­zes bei­brin­gen, mit die­ser Art ro­bus­ter Ver­tei­di­gung bes­ser um­zu­ge­hen. Dass Mar­co Reus in der 90. Mi­nu­te doch noch zum 1:1 traf, half Tu­chel da­bei, den un­in­spi­rier­ten Auf­tritt we­nigs­tens als nor­ma­les Bun­des­li­ga­spiel zu ver­kau­fen.

Köln half das Tor zwar nicht, aber es brach­te Team und Trai­ner auch nicht da­von ab, sich für ei­nen gu­ten Auf­tritt zu lo­ben. „Wenn du vie­les rich­tig machst, ein biss­chen Glück hast, dann kannst du auch ein Spiel ge­gen Dort­mund ge­win­nen. Und in dem Be­reich be­we­gen wir uns. Und der Be­reich ist sehr or­dent­lich“, sag­te Stö­ger, der es sich nicht neh­men ließ, ne­ben Rud­nevs auch Pa­wel Ol­kow­ski, der erst­mals in die­ser Sai­son in der Start­elf stand, po­si­tiv her­vor­zu­he­ben. „Ich bin sehr stolz auf ihn“, sag­te Stö­ger, der be­kann­te, dass ihm mit die­sem Te­am­geist trotz Ver­letz­ten­mi­se­re nicht ban­ge vor dem Spiel bei Wer­der Bre­men am kom­men­den Sams­tag sei.

FO­TO: IM­A­GO

Wa­ren für das Köl­ner 1:0 ver­ant­wort­lich: Tor­schüt­ze Art­joms Rud­nevs (li.) und Vor­la­gen­ge­ber Jo­nas Hec­tor.

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