Po­li­zei nimmt Dräng­ler ins Vi­sier

Im kom­men­den Jahr wol­len Stadt und Au­to­bahn­po­li­zei ver­stärkt ge­gen Au­to­fah­rer vor­ge­hen, die den Min­dest­ab­stand auf Au­to­bah­nen nicht ein­hal­ten. Um die Buß­geld­be­schei­de ab­ar­bei­ten zu kön­nen, stellt die Stadt mehr Per­so­nal ein.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - VON ANDRE­AS GRUHN

Dräng­ler auf den Glad­ba­cher Au­to­bah­nen sol­len im kom­men­den Jahr nicht mehr so leicht da­von­kom­men. Die Stadt und die Au­to­bahn­po­li­zei pla­nen für das Jahr 2017 deut­lich mehr Kon­trol­len bei Ab­stands­mes­sun­gen auf den Mön­chen­glad­ba­cher Ab­schnit­ten der Au­to­bah­nen 61 und 52. Wer zu dicht auf­fährt, soll stär­ker zur Kas­se ge­be­ten wer­den. Das geht aus dem Stel­len­plan der Stadt­ver­wal­tung für das kom­men­de Jahr her­vor. Die Stadt er­war­tet ein der­art ho­hes zu­sätz­li­ches Auf­kom­men von Buß­geld-Be­schei­den, dass sie ei­nen zu­sätz­li­chen Sach­be­ar­bei­ter im Ord­nungs­amt ein­stel­len will, um sie be­ar­bei­ten zu kön­nen. Stadt­spre­cher Wolf­gang Speen be­stä­tigt: „Die Po­li­zei ist mit dem Plan auf die Stadt zu­ge­kom­men. Weil die Ver­wal­tung die Er­geb­nis­se aus­wer­tet und Buß­geld­ver­fah­ren durch­führt, muss ei­ne zu­sätz­li­che Stel­le ge­schaf­fen wer­den.“

Da­bei han­delt es sich um ei­nen Pos­ten, der sich qua­si selbst fi­nan­ziert. Der Auf­wand sei durch die zu er­war­ten­den Mehr­ein­nah­men ge­deckt, heißt es im Stel­len­plan. Nach ei­ner ers­ten gro­ben Schät­zung er­war­tet die Stadt rund 100.000 Eu­ro an Mehr­ein­nah­men durch die ver­schärf­ten Kon­trol­len. Er­fah­rungs­wer­te aus So­lin­gen zeig­ten et­wa, dass pro Fall rund 100 Eu­ro an Ein­nah­men er­zielt wür­den, so Speen. Zwar bleibt nach Ab­zug der Per­so­nal­kos­ten bei­lei­be kein Ver­mö­gen üb­rig, aber dar­um geht es selbst­re­dend nicht: „Das Wich­tigs­te ist die Si­cher­heit im Stra­ßen­ver­kehr“, be­tont Speen.

Wann die Ab­stands­mes­sun­gen an­lau­fen sol­len, ist noch nicht klar. Die Stadt geht vom „nächst-mög­li­chen Zeit­punkt“aus. Ei­ne Spre­che­rin des Düs­sel­dor­fer Po­li­zei­prä­si­di­ums, zu der die Rhe­ydter Wa­che der Au­to­bahn­po­li­zei ge­hört, be­stä­tig­te die Plä­ne, De­tails über Zei­t­räu­me und Häu­fig­keit der zu­sätz­li­chen Kon­trol­len für 2017 nann­te sie aber noch nicht.

Wie oft der Si­cher­heits­ab­stand auf den Au­to­bah­nen un­ter­schrit­ten wird, ma­chen die Zah­len aus den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren deut­lich: 2015 re­gis­trier­te die Au­to­bahn­po­li­zei noch 958 Ab­stands­de­lik­te auf den Mön­chen­glad­ba­cher Au­to­bahn­ab­schnit­ten, in die­sem Jahr wa­ren es bis­her nur 714. Dass auch prak­tisch je­de Kon­trol­le di­rekt ins Schwar­ze trifft, zeig­te zu­letzt ei­ne groß an­ge­leg­te Schwer­punkt­kon­trol­le der Au­to­bahn­po­li­zei an der Au­to­bahn 61 in Rhe­ydt. In­ner­halb von nur sechs St­un­den wur­den ins­ge­samt 103 Lkw-Fah­rer er­wischt, die 30 Me­ter oder nä­her zum Vor­der­mann auf­fuh­ren – vor­ge­schrie- ben ist für Last­wa­gen ein Min­dest­ab­stand von 50 Me­tern. Da­bei stan­den nur Last­wa­gen­fah­rer im Fo­kus, auf Au­to­fah­rer, die zu dicht auf­fuh­ren, hat­ten die Be­am­ten an dem Tag nicht ein­mal ge­ach­tet. „Zu ge­rin­ger Ab­stand ist das größ­te Pro­blem auf den Au­to­bah­nen. Die Fol­gen sind gra­vie­rend“, sag­te Ste­phan Voß­enkaul, stell­ver­tre­ten­der Lei­ter der Mön­chen­glad­ba­cher Wa­che der Au­to­bahn­po­li­zei.

Um den Ab­stand zu mes­sen, hat die Au­to­bahn­po­li­zei in wei­ten Tei­len des Lan­des ein spe­zi­el­les Team im Ein­satz. Von ei­ner Brü­cke aus zeich­net ei­ne Ka­me­ra die Fahr­strei­fen auf. Ei­ne zwei­te macht Na­h­auf­nah­men von un­ter der Brü­cke und fängt un­ter an­de­rem das Kenn­zei­chen ein. Ein Be­am­ter im Strei­fen­wa­gen löst die Auf­zeich­nun­gen aus, wenn der Ab­stand zu ge­ring ist. Auf die­se Wei­se wer­den das Ver­ge­hen und das Kenn­zei­chen zu­sam­men auf­ge­zeich­net – das reicht für ein Buß­geld.

FO­TO: HANS-PE­TER REICHARTZ

Mit die­ser Ka­me­ra zeich­net die Po­li­zei Pkw- und Lkw-Fah­rer auf, die auf der Au­to­bahn zu dicht auf­fah­ren.

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