Ge­nau ana­ly­siert

Rheinische Post Moenchengladbach - - LESERBRIEFE - Ro­land Es­ser 47829 Kre­feld Axel Goe­bels 40668 Meer­busch

Zu „Den­ken kann der Mensch nur al­lein“(RP vom 1. De­zem­ber): Herz­li­chen Glück­wunsch zu Ih­rem tief­grün­di­gen Ar­ti­kel. Ich ha­be ihn ein­ge­scannt und ab­ge­spei­chert, da­mit ich ihn spä­ter wie­der­fin­de, auch für un­se­re er­wach­se­nen Söh­ne. Sie ha­ben sehr ge­nau die Si­tua­ti­on der Men­schen in un­se­rer Ge­sell­schaft ana­ly­siert. Mit dem zwang­haf­ten Be­mü­hen, im­mer in Ak­ti­on zu sein, ver­hin­de­re ich mein Al­lein­sein, ver­mei­de ich die nö­ti­ge Ru­he, zur Be­sin­nung zu kom­men und über mich sel­ber nach­zu­den­ken. Die über­all und zu je­der Zeit er­reich­ba­ren elek­tro­ni­schen Me­di­en las­sen mich ab­len­ken vor dem Nach­den­ken über mich und mei­ne Stel­lung in der/in mei­ner Welt. Ich ver­lie­re qua­si mein Selbst­be­wusst­sein und bin in Ge­fahr, po­pu­lis­ti­schen Mei­nungs­ma­chern nach­zu­lau­fen, oh­ne al­lei­ne dar­über nach­zu­den­ken. So wer­den po­li­ti­sche Mei­nungs­bil­dungs­pro­zes­se so­gar durch see­len­lo­se Ge­rä­te mög­lich ge­macht. Wer hät­te das vor ei­ni­ger Zeit ge­dacht, so et­was für mög­lich ge­hal­ten in un­se­rer Zeit mit der größ­ten In­for­ma­ti­ons­ver­füg­bar­keit, In­for­ma­ti­ons­dich­te al­ler Zei­ten? Nur so kann es sein, dass vie­le Wäh­ler men­schen­ver­ach­ten­den Po­pu­lis­ten mit lee­ren Ver­spre­chen hin­ter­her­lau­fen. ge­re Re­geln bei den so­ge­nann­ten so­zia­len Netz­wer­ken Het­ze, Ver­leum­dung, Ras­sis­mus u. ä. zu un­ter­bin­den und straf­bar zu ma­chen. Aber auch die Po­li­tik selbst muss sich än­dern, da­mit die po­li­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung auch wie­der dort statt­fin­det, wo sie hin­ge­hört: in die „ho­hen Häu­ser“der Par­la­men­te. Der po­li­ti­sche Streit über Sach- und Per­so­nal­the­men darf nicht nur hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren im Kanz­ler­amt bei Ko­ali­ti­ons­run­den statt­fin­den. Als Ne­ga­tiv­bei­spiel sei die No­mi­nie­rung von Frank-Wal­ter St­ein­mei­er zum Bun­des­prä­si­den­ten ge­nannt. Ar­ti­kel 54, Abs. 1, Satz 1 des Grund­ge­setz­tes lau­tet: „Der Bun­des­prä­si­dent wird oh­ne Aus­spra­che von der Bun­des­ver­samm­lung ge­wählt“und nicht: „Der Bun­des­prä­si­dent wird im Kanz­ler­amt von den Par­tei­vor­sit­zen­den der Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on aus­ge­kun­gelt.“War­um fin­det hier kei­ne ech­te Aus­wahl statt? Dies tä­te der De­mo­kra­tie gut. Da­ge­gen füh­ren sol­che Ab­spra­chen ver­mehrt zu Po­li­tik­ver­dros­sen­heit und ja­gen nur den Po­pu­lis­ten die Wäh­ler zu.

FO­TO: DPA

Ar­min La­schet, Vor­sit­zen­der der NRW-CDU.

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