Jantsch­ke be­hält den Über­blick

Der 26-Jäh­ri­ge ging beim 1:0 ge­gen Mainz mit gu­ten Bei­spiel vor­an. Kein Spie­ler auf dem Platz ge­wann mehr Zwei­kämp­fe.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON JAN­NIK SORGATZ

Yann Som­mer schien erst nicht pro­tes­tie­ren zu wol­len. To­bi­as Strobl kick­te ver­är­gert den Ball ins Tor. Die Main­zer Spie­ler stürm­ten kol­lek­tiv in Rich­tung Gäs­te­block zu ih­ren Fans. Nur ei­ner ges­ti­ku­lier­te wild in Rich­tung Schieds­rich­ter Ro­bert Hart­mann und zeig­te an: „Die Hand war am Ball! Die Hand war am Ball!“Nicht vie­le teil­ten nach­her To­ny Jantsch­kes Mei­nung, aber die zwei­te ent­schei­den­de Sze­ne des Nach­mit­ta­ges, ne­ben Andre­as Chris­ten­sens Sieg­tref­fer in der 76. Mi­nu­te, stand stell­ver­tre­tend da­für, wie der 26-Jäh­ri­ge sich rein­ge­hau­en hat­te beim er­lö­sen­den 1:0-Sieg ge­gen den FSV Mainz 05.

In den ver­gan­ge­nen Kri­sen­wo­chen hat Jantsch­ke sei­nen Ruf un­ter­mau­ert, die Din­ge klar an­zu­spre­chen. Als „Fuß­ball­gott“, Vi­ze-Ka­pi­tän und Spie­ler, der seit zehn Jah­ren im Ver­ein ist, steht ihm das be­son­ders zu. „Boah“, be­gann Jantsch­ke sein Fa­zit, „ich war sel­ten in ei­nem Spiel, das fuß­bal­le­risch so schlecht war.“Als Pro­fi bei Bo­rus­sia hat er 210 Pflicht­spie­le mit­ge­macht, das ers­te bei ei­nem 1:3 ge­gen Ener­gie Cott­bus im Herbst 2008, dem­ge­gen­über den die ak­tu­el­le La­ge ei­ner Wohl­fühl­pha­se gleicht. Ge­ra­de des­halb weiß Jantsch­ke aber auch, wie wich­tig Sie­ge sind, die einst­wei­len ei­ne Kri­se be­en­den. „Heu­te neh­men wir das so mit, wir hat­ten ge­nug Pech mit an­de­ren Sa­chen“, sag­te er. „Es war wich­tig, ein­fach drei Punk­te zu ho­len.“

Im Grun­de lief al­les an­ders als in den Spie­len, die Bo­rus­sia zu­letzt nicht ge­wann. Nicht je­de Än­de­rung zum Gu­ten führ­te sie selbst her­bei. Dem Geg­ner wur­de mit Glück ein re­gu­lä­res Tor ab­er­kannt. Glad­bach schoss selbst ei­nes, so­gar ein sel­te­nes in der zwei­ten Halb­zeit, oh­ne wie­der den Aus­gleich zu kas­sie­ren. Es fiel so­gar nach ei­ner Ecke, das war seit neun Mo­na­ten nicht pas­siert. Hät­te nur noch ge­fehlt, dass sich all das in ei­nem Aus­wärts­spiel zu­trug. „Ich mer­ke das auch, dass die Er­leich­te­rung et­was ab­fällt“, sag­te Jantsch­ke. „Von der Ein­stel­lung und wie wir hin­ten kom­pakt ge­stan­den ha­ben, war das zu­min­dest ein An­fang.“Sein Trai­ner An­dré Schu­bert pflich­te­te ihm bei. „Es war nur wich­tig, ein­fach mal zu ge­win­nen“, sag­te er.

Bo­rus­sia hol­te ei­nen Sieg im Not­fall­mo­dus. An Nor­mal­be­trieb war und ist nach den Er­geb­nis­sen der ver­gan­ge­nen Wo­chen nicht zu den­ken. Vor dem Weih­nach­ten wird das wohl auch nichts mehr. „Wir ha­ben jetzt noch zwei wich­ti­ge Spie­le, die vom Cha­rak­ter ähn­lich wer­den“, sag­te Jantsch­ke. Am Sams­tag geht es zum FC Augs­burg, wo Glad­bach in der Bun­des­li­ga noch nie ge­won­nen hat. Dann kommt zum Ab­schluss am Di­ens­tag, den 20. De­zem­ber, der VfL Wolfs­burg. Das Ab­rut­schen in den Ab­stiegs­kampf hat Bo­rus­sia erst ein­mal ver­hin­dert. Es wa­ren drei Punk­ten im An­ti-Ab­stiegs­kampf.

Im be­sag­ten Not­fall­mo­dus ste­hen mehr die be­rühm­ten Ba­sics im Mit­tel­punkt, das Spie­le­ri­sche rückt et­was in den Hin­ter­grund. „Wir hat­ten uns vor­ge­nom­men, bru­tal da­ge­gen­zu­hal­ten. Man sieht ein­fach, dass wir fuß­bal­le­risch Pro­ble­me ha­ben mo­men­tan“, sag­te Jantsch­ke. Bei den läu­fe­ri­schen Wer­ten be­weg­te sich Bo­rus­sia ge­gen Mainz im Top­be­reich die­ser Sai­son. Die Spiel­wei­se des Geg­ners mit vie­len lan­gen Bäl­len und dem no­to­ri­schen Lau­ern auf die zwei­ten Bäl­le sorg­te – wie vor­ab von Schu­bert er­war­tet – für vie­le in­ten­si­ve Zwei­kämp­fe. Jantsch­ke ent­schied 16 für sich, die meis­ten al­ler Bo­rus­sen.

Für sei­nen Auf­tritt in Bar­ce­lo­na hat­te er zu­min­dest ei­ne lo­ben­de Er­wäh­nung des Trai­ners ein­ge­heimst. Da war noch et­was un­ter­ge­gan­gen, dass der De­fen­si­v­all­roun­der sich als ei­ner der we­ni­gen auf die ge­wünsch­te Wei­se ge­gen ein De­ba­kel stemm­te. Auf­grund sei­nes phy­si­schen, aber in­tel­li­gen­ten Spiels ist Jantsch­ke plötz­lich so et­was wie Schu­berts Mus­ter­schü­ler.

„Na­tür­lich spielt der Druck ei­ne Rol­le, weil wir ei­ne Mann­schaft sind, die da nicht hin­ge­hört“, sag­te er. Zwar kennt Jantsch­ke die Zei­ten, als der zwölf­te Platz or­dent­lich war. Aber auch ihm ist das an­ge­sichts des Po­ten­zi­als nicht gut ge­nug.

No­te 4 TO­NY JANTSCH­KE Der 26-Jäh­ri­ge hau­te sich vor­bild­lich rein. Nach vor­ne ging we­nig, aber hin­ten er­füll­te er al­le An­for­de­run­gen. No­te 3 ANDRE­AS CHRIS­TEN­SEN Sei­ne star­ke Ret­tungs­tat ge­gen Oni­si­wo be­rei­te­te er selbst vor. Wirk­te un­ge­wohnt ner­vös in vie­len Sze­nen, wur­de dann aber zum um­ju­bel­ten Match­win­ner. No­te 3JANNIK VESTERGAARD Der Dä­ne war Bo­rus­si­as bes­ter Zwei­kämp­fer. Vestergaard strahl­te Si­cher­heit aus, spiel­te vie­le lan­ge Bäl­le, die je­doch we­nig be­wirk­ten. No­te 3+ NI­CO ELVEDI Der Jüngs­te wirk­te am we­nigs­ten ver­un­si­chert. Nicht al­les ge­lang, aber El­ve­dis Of­fen­siv­drang, dies­mal als Links­ver­tei­di­ger, war be­mer­kens­wert. No­te 3 AN­DRÉ HAHNDies­mal war er auf dem Flü­gel un­ter­wegs. Ei­ne Flan­ke hin­ter das Tor in der 36. Mi­nu­te sag­te al­les. Hahns tech­ni­sche De­fi­zi­te wa­ren frap­pie­rend, wur­de zur Pau­se raus­ge­nom­men. No­te 5 TO­BI­AS STROBLAuch bei ihm wa­ren die tech­ni­schen Män­gel wie­der groß, zu­dem nicht so re­so­lut wie sei­ne Ne­ben­leu­te. Fiel dies­mal eher mit ein paar Vor­stö­ßen auf. No­te 4 MO DAHOUDEin­mal schick­te er Wendt steil, fand an­sons­ten wie­der nicht so rich­tig in das in­ten­si­ve Spiel. Ver­spiel­te den Kon­ter in der Nach­spiel­zeit kläg­lich. No­te 4OSCARWENDT In sei­ner of­fen­si­ven Rol­le konn­te er sich nur sel­ten gut ein­brin­gen. Aber sein Ein­satz stach dies­mal her­aus. No­te 3LARS ST­INDL Auch der Ka­pi­tän hat­te sei­ne Fü­ße wie­der nicht so gut bei­sam­men – so­wohl bei der An­nah­me als auch bei der Wei­ter­lei­tung. So war selbst sei­ne Vor­la­ge auf Chris­ten­sen ein ver­un­glück­ter Schuss­ver­such. No­te 4RAFFAEL Der­art ne­ben sich stand der Bra­si­lia­ner sel­ten. Die Pass­quo­te lag nur knapp über 50 Pro­zent. Selbst Aus­rut­scher des Geg­ners konn­te er nicht nut­zen. No­te 5 THORGANHAZARD Er trat die Ecke zum 1:0, konn­te sich sonst aber kaum emp­feh­len. No­te 4NICO SCHULZ und JO­SIP DR­MIC ka­men in den letz­ten Mi­nu­ten, für Dr­mic war es das Come­back.

FO­TO: DPA

Bloß nicht zu Bo­den ge­hen: To­ny Jantsch­ke warf sich ge­gen Mainz in je­den Zwei­kampf. Mit sei­ner kör­per­li­chen, aber im­mer be­son­ne­nen Art ver­kör­pert er das, was Bo­rus­sia in der schwie­ri­gen Pha­se be­nö­tigt. Mo­men­tan geht es in der Bun­des­li­ga nur um Punk­te.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.