Wer ist An­ge­la Mer­kel?

Ein Por­trät der Frau, die es an die Spit­ze der ka­tho­lisch ge­präg­ten Män­ner-Par­tei ge­schafft hat.

Rheinische Post Moenchengladbach - - FERNSEHEN - VON EVA QUAD­BECK

BER­LIN Wer ist die­se Frau? Die Fra­ge be­glei­tet An­ge­la Mer­kel, seit sie vor 16 Jah­ren über­ra­schend zur CDUChe­fin ge­wählt wur­de und sich an­schick­te, fünf Jah­re spä­ter Kanz­le­rin zu wer­den. Die ARD strahlt heu­te Abend ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on mit dem Ti­tel „Die Un­er­war­te­te“aus, in der sich die Au­to­ren Tors­ten Kör­ner und Mat­thi­as Schmidt der Po­li­ti­ke­rin aus vie­len Rich­tun­gen nä­hern. Sie selbst kommt zu Wort, aber auch ih­re Kri­ti­ker so­wie Ver­bün­de­te, Be­ob­ach­ter, al­te Klas­sen­ka­me­ra­den und ihr Leh­rer aus dem bran­den­bur­gi­schen Tem­plin.

Das Por­trät ent­hält kei­ne über­ra­schen­den Neu­ig­kei­ten. Es ist den­noch sehr se­hens­wert, da es auf 90 Mi­nu­ten dicht ih­re po­li­ti­sche Kar­rie­re er­zählt. Da­bei ge­lingt den Au­to­ren die rich­ti­ge Mi­schung aus Nä­he und Dis­tanz, was den Zu­schau­ern Frei­raum für ihr ei­ge­nes Ur­teil über die Kanz­le­rin gibt.

Der Ti­tel „Die Un­er­war­te­te“er­füllt sich in zwei­fa­cher Hin­sicht. Mer­kel, die Pro­tes­tan­tin aus der DDR, war selbst­ver­ständ­lich als Par­tei­che­fin in der ka­tho­lisch ge­präg­ten Män­ner-Par­tei CDU die über­ra­schen­de Füh­rungs­fi­gur. Sorg­fäl­tig und mit vie­len se­hens­wer­ten Ar­chiv­bil­dern er­klärt die Do­ku­men­ta­ti­on, wie es da­zu kom­men konn­te: Mit Fleiß, Ehr­geiz, Schläue und Macht­be­wusst­sein ging sie ih­ren Weg. Ihr al­ter Leh­rer Wolf Do­nath er­zählt, dass sie schon im­mer die Bes­te sein woll­te. Die Zu­schrei­bung „Kohls Mäd­chen“sei nur ei­ne „Tarn­kap­pe“ge­we­sen, be­fin­den die Au­to­ren.

Als die „Un­er­war­te­te“be­schreibt die Do­ku­men­ta­ti­on, die über drei Jah­re ent­stan­den ist, die Kanz­le­rin auch in der Flücht­lings­kri­se. Sie, die Zö­ger­li­che, die den Deut­schen im­mer das Ge­fühl von Si­cher­heit ver­mit­tel­te, bringt plötz­lich das Land ins Wan­ken. War­um Mer­kel in der Flücht­lings­kri­se für vie­le so un­er­war­tet agiert, kann das Por­trät über sie auch nicht ab­schlie­ßend klä­ren. Es ver­weist nur dar­auf, dass sie im­mer schon mit Lei­den­schaft für ih­re Über­zeu­gun­gen ge­kämpft ha­be. Die Au­to­ren se­hen ih­re Flücht­lings­po­li­tik al­so nicht als Bruch ih­rer bis­he­ri­gen Po­li­tik.

Die Do­ku­men­ta­ti­on zeich­net den po­li­ti­schen Weg An­ge­la Mer­kels nach und zeigt ei­ne Po­li­ti­ke­rin, die weiß, was sie tut, und die mit­un­ter auf Ri­si­ko spielt, um sich durch­zu­set­zen. Das Por­trät ist auch ei­ne Spu­ren­su­che nach dem Ge­heim­nis ih­rer Macht. Als Ver­tre­ter der al­ten Christ­de­mo­kra­tie, je­ner Män­ner­rie­ge, die an Mer­kel ge­schei­tert ist, kommt mehr­fach Ro­land Koch zu Wort. Koch, der heu­te als An­walt in Frank­furt ar­bei­tet, ur­teilt im Nach­hin­ein ab­ge­klärt. Ei­ne ech­te Abrech­nung mit ihr lässt er sich nicht ent­lo­cken, geht nur so weit, dass er bei ihr die „Wer­te ver­schwim­men“sieht. „Die Un­er­war­te­te“, ARD, 22.45 Uhr

FO­TO: MAR­TIN MEISS­NER

Das 90-mi­nü­ti­ge Por­trät von An­ge­la Mer­kels zeigt ei­ne Po­li­ti­ke­rin, die weiß, was sie tut und mit­un­ter auf Ri­si­ko spielt, um sich durch­zu­set­zen.

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