NRW Schluss­licht bei U3-Be­treu­ung

Nur je­des vier­te nord­rhein-west­fä­li­sche Kind un­ter drei Jah­ren wird in ei­ner Ki­ta be­treut. Da­mit be­legt das Land bun­des­weit den letz­ten Platz. Ex­per­ten for­dern den wei­te­ren Aus­bau der Plät­ze.

Rheinische Post Moenchengladbach - - VORDERSEITE - VON MA­XI­MI­LI­AN KRO­NE UND MAR­KUS PLÜM

DÜS­SEL­DORF Am Stich­tag 1. März 2016 wur­den in Nord­rhein-West­fa­len 122.800 Kin­der un­ter drei Jah­ren in ei­ner Kin­der­ta­ges­ein­rich­tung oder in der Kin­der­ta­ges­pfle­ge be­treut. Das geht aus ei­ner Er­he­bung des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts her­vor. NRW weist ei­ne U3-Be­treu­ungs­quo­te von 25,7 Pro­zent auf und liegt da­mit bun­des­weit an letz­ter Stel­le.

Zum Ver­gleich: Spit­zen­rei­ter Bran­den­burg kommt auf ei­ne mehr als dop­pelt so ho­he Quo­te von 57,2 Pro­zent; ins­ge­samt be­su­chen in Deutsch­land 32,7 Pro­zent der un­ter Drei­jäh­ri­gen Ein­rich­tun­gen der Kin­der­ta­ges­be­treu­ung. Auf­fal­lend ist ein star­kes Ost-West-Ge­fäl­le: Wäh­rend in Ost­deutsch­land mehr als je­des zwei­te U3-Kind (51,8 Pro­zent) in ei­ner Kin­der­ta­ges­stät­te oder von Ta­ges­müt­tern und -vä­tern be­treut wird, neh­men in West­deutsch­land nur 28,1 Pro­zent der El­tern ein sol­ches An­ge­bot in An­spruch.

In NRW ist nach die­ser Er­he­bung die Be­treu­ungs­quo­te in Duis­burg mit 17,6 Pro­zent am nied­rigs­ten, in Müns­ter mit 35,1 Pro­zent am höchs- ten. „Wo die Wirt­schafts­kraft groß und die Ar­beits­lo­sig­keit nied­rig ist, sind die Quo­ten auch hö­her. Ar­bei­ten­de El­tern neh­men die An­ge­bo­te der Kin­derbe­treu­ung eher in An­spruch und kön­nen sich die­se auch leis­ten“, sag­te Bar­ba­ra Nol­te, Re­fe­rats­lei­te­rin im Ver­band Bil­dung und Er­zie­hung NRW.

Die Stadt Duis­burg teil­te auf An­fra­ge mit, dass man auf­grund ei­ner an­de­ren Be­rech­nungs­me­tho­de al­ler­dings von ei­ner ei­ge­nen Be­treu­ungs­quo­te von der­zeit 32 Pro­zent aus­ge­he. Die Zah­len wür­den va­ri­ie­ren, da das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt die tat­säch­lich be­treu­ten Kin­der als Grund­la­ge sei­ner Be­rech­nun­gen her­an­zie­he, die Städ­te und Ge­mein­den in NRW al­ler­dings die An­zahl der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Plät­ze. Dem­nach ge­be es der­zeit knapp 4000 U3Be­treu­ungs­plät­ze in Duis­burg; das Bun­des­amt geht von 2367 be­treu­ten Kin­dern aus.

Die­se Be­son­der­heit kennt auch Bar­ba­ra Nol­te: „Die un­ter­schied­li­chen Be­rech­nungs­me­tho­den ver­zer­ren die Er­geb­nis­se. Es gibt in man­schen Städ­ten ge­nü­gend Plät­ze.“Al­ler­dings sei­en noch mehr Per­so­nal und auch ein wei­te­rer Aus­bau nö­tig, Be­treu­ungs­quo­te in Pro­zent Bran­den­burg 52,2 50,6 45,9 42,9 57,2 57,0 56,0 um den wach­sen­den Be­darf in Zu­kunft de­cken zu kön­nen. NRW-Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Chris­ti­na Kamp­mann (SPD) ver­wies dar­auf, dass das Land in den ver­gan­ge­nen Jah­ren enor­me An­stren­gun­gen un­ter­nom­men ha­be, um das An­ge­bot zu ver­bes­sern: „NRW hat beim Aus­bau der U3-Be­treu­ung ei­ne bei­spiel­lo­se Auf­hol­jagd hin­ge­legt. Der Zu­wachs bei den be­treu­ten Kin­dern seit 2013 be­trägt ins­ge­samt 40,8 Pro­zent.“Der Aus­bau ge­he aber wei­ter, man pla­ne in den kom­men­den drei Jah­ren zu­sätz­li­che In­ves­ti­tio­nen von 100 Mil­lio­nen Eu­ro in Ü3-Plät­ze. Die sei­en nö­tig, um den seit 2013 gel­ten­den Rechts­an­spruch der El­tern auf ei­nen Be­treu­ungs­platz für ih­re Kin­der si­cher­zu­stel­len.

Trotz des Rechts­an­spruchs ver­zich­ten vie­le El­tern auf ei­ne Kla­ge. „In den kri­ti­schen Fäl­len ha­ben El­tern und Stadt ei­ne Lö­sung ge­fun­den“, sag­te Mar­cel Pr­euk­schat vom Lan­des­el­tern­bei­rat der Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen. So wür­den vie­le Kin­der in pri­va­ten Ki­tas un­ter­kom­men. Die Zu­satz­kos­ten trägt hier die Kom­mu­ne. Al­ler­dings de­cke das An­ge­bot noch nicht den Be­darf. Leit­ar­ti­kel

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.