Ein Eu­ro für sau­be­re Toi­let­ten

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - Stel­len Sie sich ei­ne Stil­fra­ge im­mer wie­der? Schi­cken Sie sie uns per Mail an stil­fra­ge@rheinische-post.de

Im­mer häu­fi­ger sieht man vor Toi­let­ten in Gast­stät­ten, Bahn­hö­fen, Au­to­bahn­rast­stät­ten oder Kauf­häu­sern dienst­ba­re Geis­ter in wei­ßen Kit­teln, die für die Sau­ber­keit zu­stän­dig sind und sich auf ei­nem Tel­ler ei­nen Obo­lus er­bit­ten. Man­cher fragt sich, ob er da­für zah­len soll. Ge­hört ein sol­ches An­ge­bot nicht zum Ser­vice des Hau­ses?

Bei Re­stau­rants kann man sich in der Tat wun­dern, war­um ei­nen die Be­nut­zung der hin­te­ren Ge­mä­cher Geld kos­ten soll. Trotz­dem ist es nicht sinn­voll, an der fal­schen Stel­le zu spa­ren. Sau­ber­keit auf Toi­let­ten ist ein ho­hes Gut. Und da es im­mer noch Schmutz­fin­ken gibt, die im Ste­hen in die Schüs­sel pin­keln oder ih­re kom­pak­ten Hin­ter­las­sen­schaf­ten nur un­ge­nü­gend be­sei­ti­gen, ist ein duld­sa­mes We­sen, das hier sicht­ba­re und un­sicht­ba­re Spu­ren be­sei­tigt, sehr be­grü­ßens­wert.

Das ist kein schö­ner Job; er ist von ab­son­der­li­chen Ge­rü­chen und Ge­räu­schen um­wölkt. Al­so soll­ten wir nicht kni­cke­rig sein; wer weiß denn schon, was die flei­ßi­gen Kräf­te als Ge­halt am En­de des Ta­ges nach Hau­se tra­gen? Zahl­zwang be­steht ja nicht; um­so grö­ßer ist beim Per­so­nal die Freu­de, wenn man et­was mehr als die rest­li­chen Zwei- und Fünf-Cent-Mün­zen aus dem Porte­mon­naie zu­sam­men­kratzt und auf den Tel­ler klin­geln lässt. Das Per­so­nal soll­te al­ler­dings nicht nur im Ge- brauch des Wischmopps, son­dern auch von Flä­chen­des­in­fek­ti­ons­mit­teln ge­übt sein. Der Fuß­bo­den ist es näm­lich nicht, der uns die Kei­me ein­brockt. Die sit­zen vor al­lem auf Klo­sit­zen, Tür­klin­ken und Spül­knöp­fen, von wo aus wir sie mit uns und in die Welt trans­por­tie­ren.

Apro­pos: In die­sem Kern­be­reich der Kun­den­pfle­ge ist die Si­tua­ti­on auf den Toi­let­ten des deut­schen Schie­nen­ver­kehrs de­sas­trös. Das be­trifft ICEs eben­so wie Re­gio­nal­zü­ge oder S-Bah­nen, vor de­ren Toi­let­ten (so­fern sie über­haupt vor­han­den und ge­öff­net sind) es ei­nem oft graust. Man­cher wür­de pro Fahrt 50 Cent mehr zah­len, wenn der Be­trei­ber ei­ne sau­be­re Toi­let­te ga­ran­tiert, die von mit­rei­sen­dem Per­so­nal be­treut wird. Ei­ne sol­che Mar­ke­tin­gOf­fen­si­ve („Sau­ber­keit fährt mit“) wür­de der Bahn und ih­ren Mit­be­wer­bern neue Fahr­gäs­te zu­spü­len.

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