Vi­ren im Kin­der­gar­ten

Vie­le Kin­der fan­gen sich in öf­fent­li­chen Räu­men Kei­me ein und ent­wi­ckeln ei­ne Er­käl­tung. El­tern sind rat­los und fra­gen sich, was sie tun sol­len.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR -

Un­se­re Le­se­rin Jes­si­ca F. aus Rem­scheid fragt: „Mein fünf Jah­re al­ter Sohn hat Schnup­fen aus dem Kin­der­gar­ten mit­ge­bracht. Wie sol­len wir ihn be­han­deln? Und wie in Zu­kunft ver­hin­dern? Tim Nie­hu­es Er­käl­tun­gen in den Win­ter­mo­na­ten sind nor­mal, harm­los, aber läs­tig. Ein wis­sen­schaft­li­cher Zu­sam­men­hang mit Un­ter­küh­lung ist nicht be­legt, wohl aber mit zu we­nig Be­we­gung und Schlaf. Schuld sind Vi­ren, meist Rhi­no­vi­ren, von de­nen es mehr als 100 Ty­pen gibt. In den 40er Jah­ren wur­den Frei­wil­li­gen Er­käl­tungs­vi­ren in die Na­se ge­sprüht, trotz­dem in­fi­zier­ten sich nur 50 Pro­zent der Teil­neh­mer – das Im­mun­sys­tem kann Schnup­fen­vi­ren gut be­kämp­fen, wenn es die Vi­ren schon kennt: Früh übt sich. Und Kin­der, die ei­nen Kin­der­gar­ten be­sucht ha­ben, er­kran­ken spä­ter sel­te­ner an Er­käl­tun­gen.

Auf­grund der Viel­zahl der Vi­ren ist nach durch­ge­mach­tem Schnup­fen ei­ne neue Er­käl­tung lei­der wie­der mög­lich. Er­käl­tungs­vi­ren wer­den in mi­kro­sko­pisch klei­nen Tröpf­chen durch Hus­ten­stö­ße oder Nie­sen nach au­ßen ge­bracht und kön­nen auf Ober­flä­chen ta­ge­lang über­le­ben. Die Vi­ren ge­lan­gen zum Nächs­ten durch Kon­takt oder von der ei­ge­nen Hand in Mund, Na­se oder Au­gen. Die Sym­pto­me wie ver­stopf­te, lau­fen­de Na­se, Hus­ten, Nie­sen, Fie­ber und Kopf­schmer­zen dau­ern nicht län­ger als 14 Ta­ge. Die ef- fek­tivs­ten Mit­tel sind Ru­he, Schlaf und aus­rei­chen­de Flüs­sig­keits­zu­fuhr (war­me Tees und Sup­pen), da­mit die Se­kre­te im Na­sen- und Ra­chen­raum ver­flüs­sigt und die Durch­blu­tung der Schleim­häu­te ge­för­dert wer­den. Koch­salz­hal­ti­ge Lö­sun­gen wer­den ge­tropft, ge­sprayt oder in­ha­liert. In­ter­es­san­ter­wei­se hat sich ein Tee­löf­fel (et­wa zehn Gramm) Ho­nig vor dem Bett­gang in Stu­di­en als ef­fek­tiv für die Hus­ten­the­ra­pie er­wie­sen.

In­zwi­schen wer­den in der Schnupfen­the­ra­pie und -pro­phy­la­xe Me­di­ka­men­te wie ab-

Me­di­ka­men­te sind bei Klein­kin­dern nicht nur wir­kungs­los, son­dern kön­nen Scha­den an­rich­ten

schwel­len­de Na­sen­trop­fen, Hus­ten­mit­tel, An­ti­hist­ami­ni­ka , An­ti­bio­ti­ka, Vit­amin C, Zink, Knob­lauch, Echi­n­acea oder Schleim­lö­ser hö­fu­gi ver­wen­det und wur­den in vie­len Stu­di­en un­ter­sucht. Bei Klein­kin­dern sind sie sämt­lich in­ef­fek­tiv. Im Ge­gen­teil, sie kön­nen bei ih­nen Scha­den ver­ur­sa­chen.

Kann man den Schnup­fen ver­hin­dern? Prak­tisch nicht, da bei Kin­dern ei­ne strik­te Hän­de­des­in­fek­ti­on im All­tag kaum mög­lich ist und es sich nicht ver­mei­den lässt, dass sie Mund, Na­se und Au­gen mit den ei­ge­nen Hän­den be­rüh­ren. Prof. Tim Nie­hu­es ist Chef­arzt der Kin­der­kli­nik am He­li­os-Kli­ni­kum Kre­feld.

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