Und jähr­lich grüßt das Mur­mel­tier

Bay­ern spielt mal wie­der ge­gen Ar­senal, das deut­lich stär­ker ist als vor ei­nem Jahr. Dort­mund steht vor ei­ner lös­ba­ren Auf­ga­be.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON RO­BERT PE­TERS

NYON/DÜS­SEL­DORF Den Weg in die Ka­bi­ne des Ar­senal-Sta­di­ons in Lon­don ken­nen Bay­ern Mün­chens Fuß­bal­ler in­zwi­schen bes­ser als die Zu­fahrt­stra­ßen zur Are­na in Leip­zig. Das tra­di­tio­nel­le Cham­pi­ons-Le­ague-Du­ell wird auch nächs­tes Jahr aus­ge­tra­gen. Zum fünf­ten Mal seit 2004 tref­fen die Teams in der Meis­ter­klas­se auf­ein­an­der. Das er­gab die Aus­lo­sung des Ach­tel­fi­nals ges­tern in Nyon. Die Geg­ner und die Chan­cen der deut­schen Mann­schaf­ten in den Eu­ro­pa­po­kal-Wett­be­wer­ben: Bay­ern Mün­chen - Ar­senal. Es hät­te schlim­mer kom­men kön­nen. Schließ­lich wä­re auch der FC Bar­ce­lo­na mög­lich ge­we­sen. Des­halb bli­cken die Ober-Bay­ern mit staats­män­ni­schem Re­spekt und an­ge­mes­se­nem Op­ti­mis­mus auf ihr Ach­tel­fi­na­le. „Das ist ei­ne gu­te Mann­schaft“, sagt Mün­chens Vor­stands­chef Karl-Heinz Rum­me­nig­ge, „es wer­den zwei schwe­re Spie­le.“Das glaubt Trai­ner Car­lo An­ce­lot­ti eben­falls. Aber er sagt auch: „Ich bin zu­ver­sicht­lich.“Tat­säch­lich hat sich Ar­senal mit den deut­schen Na­tio­nal­spie­lern Skho­dran Musta­fi und Me­sut Özil in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit deut­lich ver­bes­sert. Die Mann­schaft ist stär­ker als je­ne, die ver­gan­ge­nes Jahr in der Grup­pen­pha­se zu Hau­se 2:0 ge­gen die Bay­ern ge­wann, das Rück­spiel al­ler­dings mit 1:5 ver­lor. Das liegt vor al­len Din­gen an Özil, der sich in der Form des Le­bens be­fin­det. Das Team ver­steht sein Spiel im­mer bes­ser, die Bay­ern wer­den or­dent­lich zu tun ha­ben, die Räu­me zu schlie­ßen. Da­für ha­ben sie aus­rei­chend qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal, und sie sind auf den meis­ten Po­si­tio­nen bes­ser be­setzt als die Mann­schaft aus Lon­don.

Un­ser Tipp: Bay­ern kommt wei­ter. Ben­fi­ca Lis­s­a­bon - Bo­rus­sia Dort­mund. Auch die Dort­mun­der kön­nen mit ih­rem Geg­ner si­cher le­ben. In Por­tu­gals Fuß­ball ken­nen sich Spie­ler und Scouts in­zwi­schen ziem­lich gut aus. Der BVB spiel­te schon ge­gen den FC Por­to und Sporting Lis­s­a­bon, und er hat sich da­von über­zeu­gen kön­nen, dass die Por­tu­gie­sen längst wie­der ei­ne ernst­zu­neh­men­de Rol­le auf der gro­ßen eu­ro­päi­schen Büh­ne spie­len. Nach sehr star­ken Auf­trit­ten in der Grup­pen­pha­se ge­hen die Dort­mun­der je­doch mit brei­ter Brust in die Be­geg­nun­gen mit dem Meis­ter. „Ben­fi­ca ist zur­zeit die stärks­te Mann­schaft Por­tu­gals“, er­klärt der in al­len Sach­fra­gen kun­di­ge Ge­schäfts­füh­rer Hans-Joachim Watz­ke, „aber wir ha­ben ei­ne gu­te Chan­ce, da zu be­ste­hen.“Er darf dar­auf set­zen, dass der BVB über ein un­ver­gleich­li­ches Of­fen­siv-Po­ten­zi­al ver­fügt. Das kol­lek­ti­ve Ab­wehr­ver­hal­ten lässt al­ler­dings häu­fig noch zu wün­schen üb­rig. In der Win­ter­pau­se wird Trai­ner Thomas Tu­chel dar­an si­cher mit der hin­läng­lich be­kann­ten Hin­ga­be ar­bei­ten.

Un­ser Tipp: Dort­mund kommt wei­ter. Bay­er Le­ver­ku­sen - At­lé­ti­co Ma­drid. Die­se Be­geg­nung gab es in der Spiel­zeit 2014/15 schon ein­mal. Da­mals setz­te sich der Ar­bei­ter­klub aus Ma­drid im Elf­me­ter­schie­ßen durch. Dar­aus schließt Bay­ers Ge­schäfts­füh­rer Micha­el Scha­de: „Es ist ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung. Ers­tens ist Ma­drid im­mer ei­ne schö­ne Stadt. Und zwei­tens ha­ben wir ja noch ei­ne Rech­nung of­fen.“Es ist frei­lich nicht un­be­dingt her­aus, ob die Rech­nung in Scha­des Sinn be­gli­chen wer­den kann. Die Un­ter­schie­de zwi­schen den bei­den Mann­schaf­ten sind doch be­trächt­lich. Le­ver­ku­sen hat sich in die­ser Sai­son zwar in ei­ner nicht ein­fa­chen Cham­pi­ons-Le­ague-Grup­pe durch­ge­setzt, in der Bun­des­li­ga ist die Elf aber nicht mehr als bes­se­res Mit­tel­maß. At­lé­ti­co hat sich da­ge­gen mit sei­nem für je­den Geg­ner un­an­ge­neh­men Fuß­ball-An­satz ne­ben Bar­ce­lo­na und dem Stadt­ri­va­len Re­al Ma­drid als drit­te Kraft in Spa­ni­en eta­bliert. Und es hat in der Grup­pen­pha­se un­ter an­de­rem den FC Bay­ern mal wie­der nach­hal­tig ge­är­gert. Die Münch­ner ka­men im Hin­spiel in Ma­drid we­der mit der Här­te noch mit dem Tem­po von At­lé­ti­co zu­recht. Das sind die Trümp­fe, die das Team von Trai­ner Die­go Si­meo­ne auch ge­gen Le­ver­ku­sens ver­gleichs­wei­se zart­be­sai­te­te Mann­schaft aus­spie­len will. Ma­drid wird da­bei von Si­meo­ne tat­kräf­tig un­ter- stützt, der den Ruf des mit Ab­stand kra­wal­ligs­ten Trai­ners der Cham­pi­ons Le­ague ge­ra­de­zu ge­nießt.

Un­ser Tipp: Le­ver­ku­sen schei­det aus. PAOK Sa­lo­ni­ki - Schal­ke 04. Die Gel­sen­kir­che­ner tra­fen vor drei Jah­ren schon ein­mal auf Sa­lo­ni­ki. Da­mals ging es um die Qua­li­fi­ka­ti­on zur Cham­pi­ons Le­ague, dies­mal ist es der klei­ne­re Wett­be­werb, die Eu­ro­pa Le­ague. Die Schal­ker Er­in­ne­run­gen an die Tref­fen mit Sa­lo­ni­ki sind nicht völ­lig un­ge­trübt. Ih­re Mann­schaft setz­te sich sport­lich zwar durch (1:1, 3:2), im Heim­spiel aber stürm­te ei­ne Hun­dert­schaft Po­li­zei den Schal­ker Block, weil Gel­sen­kir­che­ner An­hän­ger die geg­ne­ri­schen Fans mit ei­ner ma­ze­do­ni­schen Flag­ge pro­vo­ziert hat­ten. Von der in ganz Grie­chen­land be­wun­der­ten Stim­mung im Sta­di­on von Sa­lo­ni­ki konn­ten sich die Schal­ker kein ei­ge­nes Bild ma­chen, weil die Rän­ge we­gen ei­ner Ue­fa-Stra­fe leer blie­ben. Dies­mal wird es un­gleich lau­ter zu- ge­hen. Das kann mäch­tig Ein­druck ma­chen, weil die Mann­schaft von PAOK es ver­steht, den Schwung mit­zu­neh­men, für den die Fans sor­gen. Für Schal­ke wird folg­lich vor al­lem das Hin­spiel in Thes­sa­lo­ni­ki zu ei­ner Her­aus­for­de­rung. Ein­schüch­tern lässt sich der Bun­des­li­gist nicht. „Ich freue mich, dies­mal in ei­nem voll­be­setz­ten Sta­di­on zu spie­len“, ver­si­chert Ka­pi­tän Be­ne­dikt Hö­we­des. Und sein Trai­ner Mar­kus Wein­zierl er­war­tet „stim­mungs­vol­le Du­el­le. Das Sta­di­on von PAOK ist als He­xen­kes­sel be­kannt. Dort wol­len wir be­ste­hen“. Das ist dem Bun­des­li­gis­ten zu­zu­trau­en. Die Schal­ker Mann­schaft ist je­den­falls deut­lich hö­her ein­zu­schät­zen als ihr Geg­ner.

Un­ser Tipp: Schal­ke kommt wei­ter. Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach - AC Flo­renz. Lars St­indl ist nicht nur Ka­pi­tän von Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach, er kennt sich auch in tou­ris­ti­schen Fra­gen bes­tens aus. „Flo- renz“, sagt er, „ist ei­ne star­ke Mann­schaft, auf die wir uns aber trotz­dem freu­en. Auch für un­se­re Fans wird es ei­ne tol­le Rei­se.“Die Glad­ba­cher An­hän­ger kön­nen ihr ita­lie­ni­sches Fo­to­al­bum wei­ter füh­ren. In den ver­gan­ge­nen vier Jah­ren wa­ren sie schon zwei­mal im Land jen­seits der Al­pen zu Gast. Zu Sie­gen reich­te es aber we­der ge­gen La­zio Rom (3:3, 0:2) noch ge­gen Ju­ven­tus Tu­rin (1:1, 0:0). Das soll jetzt in der Eu­ro­pa Le­ague na­tür­lich an­ders wer­den. Ei­nen Fa­vo­ri­ten in der Be­geg­nung gibt es nicht. Der Glad­ba­cher Vi­ze­prä­si­dent Rai­ner Bon­hof ur­teilt in der ihm so ei­ge­nen Ge­las­sen­heit: „Es ist ein Spiel, in dem die Chan­cen 50:50 ste­hen. Bei ei­ner gu­ten Vor­stel­lung von uns ist es aber mach­bar.“So rich­tig gu­te Leis­tun­gen der Bo­rus­sia vom Nie­der­rhein wa­ren zu­letzt eher sel­ten. Der Geg­ner ist eben­falls nicht in über­ra­gen­der Form, der Fünf­te der ver­gan­ge­nen Sai­son liegt in der Se­rie A zur­zeit nur im Mit­tel­feld.

Un­ser Tipp: Aus­gang völ­lig of­fen.

FO­TO: DPA

Drei ge­gen Me­sut Özil: Die Bay­ern-Spie­ler Dou­glas Cos­ta, Xa­bi Alon­so und Ar­turo Vi­dal (von links) ja­gen Ar­senals deut­schen Spiel­ge­stal­ter.

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