Handball-Mär­chen, zwei­ter Teil?

Wie­der hat die deut­sche DHB-Aus­wahl vor ei­nem gro­ßen Tur­nier mit Ver­let­zungs­pro­ble­men zu kämp­fen. Wie­der zeigt sich Trai­ner Da­gur Si­gurds­son den­noch zu­ver­sicht­lich. Die WM in Frank­reich im Ja­nu­ar ist sei­ne Ab­schieds­vor­stel­lung.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON PATRICK SCHE­RER

DÜS­SEL­DORF Da­gur Si­gurds­son hat den Kämp­fer­blick auf­ge­setzt. „Deutsch­land ist die bes­te Na­ti­on, um sol­che Aus­fäl­le zu kom­pen­sie­ren. Ich se­he kei­nen Grund, war­um wir kei­nen gu­ten Handball spie­len kön­nen“, sag­te der Trai­ner der deut­schen Handball-Na­tio­nal­mann­schaft. Knapp ein Jahr ist es her, dass der Is­län­der die­se Aus­sa­ge traf. Nun hat den Coach ein Déjà-vu-Er­leb­nis er­eilt. Wie­der steht ein gro­ßes Tur­nier an. Wie­der muss er auf vie­le Schlüs­sel­spie­ler ver­zich­ten. Bei der EM im Ja­nu­ar in Po­len hat­te das jun­ge Team den Glau­ben an gro­ße Ta­ten von Si­gurds­son ein­ge­impft be­kom­men und am En­de über­ra­schend den Ti­tel ge­won­nen. Des­halb lau­tet die Marsch­rou­te bei der WM in Frank­reich (11. bis 29. Ja­nu­ar) jetzt eben: Handball-Mär­chen, Teil II.

Dass die Eu­ro­pa­meis­ter Chris­ti­an Dis­sin­ger, Hen­drik Pe­keler, Fa­bi­an Wie­de und Martin Stro­bel feh­len wer­den, war klar. Seit ges­tern steht fest, dass auch Stef­fen Wein­hold die Di­enst­rei­se ins Nach­bar­land nicht an­tre­ten kann. Am Sonn­tag zog sich der 30-Jäh­ri­ge in der Bun­des­li­ga­par­tie mit dem THW Kiel ge­gen Magdeburg (28:24) ei­nen Syn­des­mo­se­riss zu. Drei Mo­na­te muss er pau­sie­ren. Als Er­satz ste­hen für den rech­ten Rück­raum ne­ben Kai Häf­ner und Jens Schön­garth auch De­bü­tant Ni­co­lai Thei­lin­ger und Alt­meis­ter Hol­ger Glan­dorf im 28-köp­fi­gen Auf­ge­bot, das Si- gurds­son ges­tern be­kannt­gab. Auch Pe­keler, der wie Dis­sin­ger we­gen zu ho­her Be­las­tun­gen frei­wil­lig auf die WM ver­zich­tet, steht im vor­läu­fi­gen Ka­der.

„Pe­keler und Glan­dorf sind als Re­ser­ve für den Not­fall ein­ge­plant, bei­de ha­ben sich da­zu be­reit er­klärt. Das zeigt Cha­rak­ter“, sag­te Si­gurds­son, der aber auch deut­lich mach­te, dass bei­de Spie­ler al­ler Vor­aus­sicht nach nicht zum 18-köp­fi­gen Ka­der ge­hö­ren wer­den, mit dem der DHB die WMVor­be­rei­tung am 28. De­zem­ber be­gin­nen wird. Am Abend vor dem ers­ten WM-Spiel ge­gen Un­garn (13. Ja­nu­ar) muss Si­gurds­son sich dann auf ma­xi­mal 16 Spie­ler fest­le­gen. „Wir ha­ben schon öf­ter mit Ver­let­zun­gen le­ben müs­sen. Wir wis­sen, dass der Ka­der breit und stark ist. Wich­tig ist ei­ne gu­te Vor­be­rei­tung“, sag­te der 43-Jäh­ri­ge. Die größ­te Waf­fe der deut­schen Mann­schaft dürf­ten ne­ben den Tor­hü­tern die Au­ßen- po­si­tio­nen sein. Durch Ka­pi­tän Uwe Gens­hei­mer und Ru­ne Dahm­ke auf links so­wie Eu­ro­pa­meis­ter To­bi­as Reich­mann und Patrick Gro­etz­ki auf rechts sind bei­de Sei­ten dop­pelt stark be­setzt. Die WM wird das vier­te und letz­te Tur­nier für Si­gurds­son mit der deut­schen Na­tio­nal­mann­schaft. Da­nach wird er Na­tio­nal­trai­ner Ja­pans. „Ich ha­be im­mer ver­sucht, die­se Sa­che nicht so dra­ma­tisch zu se­hen und ein­fach tro­cken die nächs­te Auf­ga­be zu ma­chen. Und so bleibt es auch“, sag­te Si­gurds­son. Ne­ben Un­garn trifft die DHBAus­wahl in der Grup­pe C auf Kroa­ti­en, Weiß­russ­land, Chi­le und Sau­di-Ara­bi­en. Die je­weils vier bes­ten Teams aus den vier Sech­ser­grup­pen qua­li­fi­zie­ren sich für das Ach­tel­fi­na­le. Das deut­sche Team will bes­ser als vor zwei Jah­ren ab­schlie­ßen. Bei der WM in Ka­tar wur­de sie Sieb­ter. Bob Han­ning setzt da­bei wie­der auf den Fak­tor Si­gurds­son. „Das wird si­cher ei­ne sehr, sehr schwie­ri­ge WM. Aber vi­el­leicht kann man sich mit der ei­nen oder an­de­ren cle­ve­ren Va­ri­an­te des Coa­ches in das Tur­nier spie­len“, sag­te der DHBVi­ze­prä­si­dent. Der Coach hat oh­ne­hin wie­der den Kämp­fer­blick auf­ge­setzt: „Auf­grund un­se­rer Leis­tungs­dich­te sind wir zu­ver­sicht­lich, die­se Aus­fäl­le ähn­lich wie bei der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft im ver­gan­ge­nen Ja­nu­ar kom­pen­sie­ren zu kön­nen.“

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