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Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - VON LUD­WIG JOVANOVIC

DÜS­SEL­DORF Die be­kann­te „Star Wars“-Ti­tel­mu­sik wur­de durch ein neu­es The­ma er­setzt. Und auch die tra­di­tio­nel­le Lauf­schrift, die bis­lang zu Be­ginn ei­nes je­den Krieg-derS­ter­ne-Fil­mes über die Lein­wand zieht, ist weg­ge­fal­len. „Ro­gue One“macht so­fort klar, dass er ein et­was an­de­rer Film der Rei­he wird. Tat­säch­lich hat er auch nichts mit der neu­en Tri­lo­gie zu tun, die J. J. Abrams ver­gan­ge­nes Jahr mit „Das Er­wa­chen der Macht“be­ein­dru­ckend ge­star­tet hat. Viel­mehr spielt der Film Jahr­zehn­te da­vor und so­gar noch vor dem al­ler­ers­ten „Star Wars“-Film „Epi­so­de IV – A New Ho­pe“aus dem Jahr 1977, an den er aber naht­los an­knüp­fen soll.

Und das ge­lingt Re­gis­seur Ga­reth Ed­wards durch­aus, ob­wohl der Film fast 40 Jah­re spä­ter ent­stan­den ist. Al­ler­dings ist Ed­wards nicht auf der ge­sam­ten Stre­cke oh­ne Ta­del. Ge­ra­de zu Be­ginn stol­pert „Ro­gue One“vor sich hin: Nach­dem Jyn Er­so (Fe­li­ci­ty Jo­nes) und ihr Va­ter Ga­len (Mads Mik­kel­sen) ein­ge­führt wor­den sind, wird die Fa­mi­lie be­reits wie­der aus­ein­an­der­ge­ris­sen. Man kann er­ah­nen war­um – aber so ganz klar wird es dann doch nicht. Schnell wird noch die Fi­gur Saw Ger­re­ra (Fo­rest Whi­ta­ker) ins Spiel ge­bracht, aber das Be­zie­hungs­ge­flecht wird nicht wei­ter aus­ge­ar­bei­tet. Dann springt der Film auch noch zwi­schen Pla­ne­ten und Per­so­nen, die man zu­nächst nicht ein­ord­nen kann, um die ei­gent­li­che Sto­ry in Gang zu brin­gen. Weil aber zu Be­ginn vie­le Sze­nen ge­zeigt wer­den, die man aus den Trai­lern be­reits kennt, wirkt das et­was lang­at­mig. Und ge­ra­de die an sich be­ein­dru- cken­de Fi­gur des Saw Ger­re­ra ist zu­dem für den Film ei­gent­lich über­flüs­sig, und ihr Auf­tritt wirkt er­zwun­gen. Die ers­ten 20 bis 30 Mi­nu­ten ha­ben dar­um et­was von ei­ner Ge­dulds­pro­be.

Nach­dem sich dann aber Jyn Er­so, Cas­si­an An­dor (Die­go Lu­na), Chir­rut Im­we (Don­nie Yen), Ba­ze Mal­bus (Wen Jiang), Bodhi Rook (Riz Ah­med) und der über­aus ei­gen­sin­ni­ge, schnip­pi­sche Dro­ide K2SO (Alan Tu­dyk) ge­fun­den ha­ben, nimmt „Ro­gue One“Fahrt auf. Kei­ne der Fi­gu­ren wird vom Re­gis­seur Ga­reth Ed­wards ver­nach­läs­sigt. Je­der von ih­nen hat ei­ne Per­sön­lich­keit; das Zu­sam­men­spiel der Fi­gu­ren funk­tio­niert, und die teils bis­si­gen Dia­lo­ge pas­sen. Zu­mal je­der ei­ne an­de­re Prio­ri­tät bei der Mis­si­on hat, mehr über den To­des­stern – die Su­per­waf­fe des Im­pe­ri­ums – zu er­fah­ren. Das führt zu Kon­flik­ten in­ner­halb die­ser Grup­pe, die nach­voll­zieh­bar und re­al wir­ken.

Ins­be­son­de­re Die­go Lu­na schafft es, ei­nen Re­bel­len-Spi­on zu spie­len, der be­rech­nend und kalt sei­ne Ar­beit ver­rich­tet – und den­noch un­ter dem lei­det, was er tun muss. Für die of­fen­bar gu­te Sa­che. Und „Ro­gue One“scheut sich nicht da­vor, eben das zu the­ma­ti­sie­ren. Wo ist der Un­ter­schied zwi­schen dem bö­sen Im­pe­ri­um und der gu­ten Re­bel­len-Al­li­anz, wenn es am En­de nur dar­auf hin­aus­läuft, Be­feh­le zu be­fol­gen und zu tö­ten?

Ed­wards fin­det da­für im­mer wie­der be­ein­dru­cken­de Bil­der: Wenn ein Ster­nen­zer­stö­rer be­droh­lich über ei­nem Pla­teau schwebt, sich der To­des­stern wie ein Mond in den Wol­ken ab­zeich­net oder rie­si­ge Je­di-Sta­tu­en lang­sam vom Sand be­gra­ben wer­den, hat das ei­ne vi­su­el­le Kraft, die im Ge­dächt­nis bleibt.

Eben­so wie die Auf­trit­te von Lord Darth Va­der: Die Star-Wars-Iko­ne taucht zwar nicht häu­fig auf. Aber wenn sie es tut, dann mit Nach­druck. Ins­be­son­de­re ih­re letz­ten Mo­men­te im Film er­zeu­gen Gän­se­haut – weil man Darth Va­der so noch nie ge­se­hen hat. Da ver­zeiht man, dass der ei­gent­li­che Bö­se, Di­rec­tor Or­son Kren­nic (be­ein­dru­ckend: Ben Men­delsohn), eher wie ein Bü­ro­krat wirkt, der ver­zwei­felt und skru­pel­los dar­um be­müht ist, Kar­rie­re im Im­pe­ri­um zu ma­chen und sich ins rech­te Licht zu rü­cken.

Aber auch die Re­bel­len-Al­li­anz gibt kein gu­tes Bild ab: Sie setzt sich zu­sam­men aus ei­ner Samm­lung he­te­ro­ge­ner Grup­pen, die zwar das glei­che Ziel ha­ben, näm­lich das Im­pe­ri­um zu stür­zen. Aber ih­re Be­reit­schaft, sich da­für ein­zu­set­zen, hat durch­aus un­ter­schied­li­che Grün­de.

Bei die­sen in­ter­nen Kon­flik­ten ha­ben dann mehr oder we­ni­ger al­te Be­kann­te wie Bail Or­ga­na (Jim­my Smits) und Mon Moth­ma (Ge­ne­vie­ve O’Reil­ly) mehr zu tun als in al­len bis­he­ri­gen Fil­men zu­sam­men­ge­nom­men. Aber das al­les fügt sich er- staun­lich gut in den Film ein. So wie die meis­ten Gast­auf­trit­te be­kann­ter „Star Wars“-Fi­gu­ren. Nur ei­ner da­von wirkt er­zwun­gen. Nach den über­ra­schend holp­ri­gen ers­ten 20 Mi­nu­ten wird „Ro­gue One“gut. Span­nend und über­ra­schend. Und im drit­ten Akt wird er dann so gran­di­os, wie man es sich er­hofft hat­te.

Auf der pa­ra­die­si­schen Welt Sca­rif ent­wi­ckelt sich ei­ne gro­ße, mit­rei­ßen­de Schlacht zwi­schen Re­bel­len und dem Im­pe­ri­um, bei der Ga­reth Ed­wards nie den Über­blick oder sich in Hek­tik ver­liert. Er rückt vor al­lem Men­schen in den Vor­der­grund. Erst da­durch aber wer­den die letz­ten 30 Mi­nu­ten des Films zu ei­ner emo­tio­na­len Ach­ter­bahn­fahrt, die aus dem Krieg nichts He­roi­sches macht, son­dern als das ab­bil­det, was er ist: et­was Tra­gi­sches und Trau­ri­ges.

FO­TO: LUCASFILM

Sturm­trupp­ler in „Ro­gue One“auf dem Weg zum Ein­satz.

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