War­te­lis­te: Oga­ta-Platz drin­gend ge­sucht

Die Stadt hat 1933 Plät­ze in der Of­fe­nen Ganz­tags­schu­le – aber der Be­darf ist deut­lich grö­ßer. Vie­le El­tern for­dern ei­nen Aus­bau der Oga­ta, weil ih­re Kin­der auf War­te­lis­ten ste­hen. CDU und SPD wol­len zu­sätz­li­chen Schul­raum schaf­fen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WISSEN - VON DIE­TER WE­BER

Bis vor ei­ni­gen Jah­ren war Lothar Bei­ne ei­ner der po­li­tisch Mäch­ti­gen in der Stadt. Als SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der saß er mit an den Schalt­he­beln. Heu­te ist Bei­ne im­mer noch ak­tiv – als eh­ren­amt­li­cher Hel­fer in der Flücht­lings­ar­beit. Und in die­ser Funk­ti­on be­kommt der Mitt­sech­zi­ger mit, wie pro­ble­ma­tisch die Si­tua­ti­on von be­nach­tei­lig­ten Kin­dern in der Stadt ist. „Nicht nur die von Flücht­lings­kin­dern. Auch von deut­schen“, be­tont Bei­ne.

Und er be­rich­tet von sei­nem bis­her ver­geb­li­chen Ein­satz, dem acht­jäh­ri­gen Achmed ei­nen Be­treu­ungs­platz in der Of­fe­nen Ganz­tags­schu­le (Oga­ta) zu be­sor­gen. „Er steht seit Mo­na­ten auf ei­ner War­te­lis­te. Jetzt gibt es die klei­ne Hoff­nung, dass er im nächs­ten Schul­jahr ei­nen Platz be­kommt. Viel­leicht“, sagt Bei­ne und for­dert, dass die Stadt den Oga­ta-Aus­bau for­ciert.

Das ist durch­aus im In­ter­es­se der Stadt. Und im Ge­gen­satz zu frü­he­ren Jah­ren gibt ihr jetzt das För­der­pro­gramm „Gu­te Schu­le 2020“die Mög­lich­keit, die Fi­nan­zie­rung ei­nes zü­gi­gen Oga­ta-Aus­baus si­cher­zu­stel­len. Mehr als 36 Mil­lio­nen Eu­ro be­kommt Mön­chen­glad­bach von 2017 bis 2020 – im­mer in Tran­chen von jähr­lich neun Mil­lio­nen Eu­ro. „Die Ver­wal­tung wird schnellst­mög­lich ein Kon­zept ent­wi­ckeln, das so­wohl die Be­dar­fe, als auch die räum­li­chen Vor­aus­set­zun­gen auf den je­wei­li­gen Schul­ge­län­den un­ter­sucht“, sagt Stadt­spre­cher Wolf­gang Speen. Die städ­ti­sche Schul­ver­wal­tung hat sich be­reits mit den Pla­nern die Platz­si­tua­ti­on an ei­ni- gen Schu­len an­ge­schaut. Speen: „Nach der­zei­ti­gem Er­kennt­nis­stand könn­te es an drei oder vier Stand­or­ten drin­gend not­wen­dig sein, kurz­fris­tig zu­sätz­li­che Räu­me zu schaf­fen. Die­se Plä­ne wird die Stadt dann auch zü­gig vor­an­trei­ben.“

Der­zeit sieht es so aus, dass von den 36 städ­ti­schen Grund­schu­len 27 über ei­ne Of­fe­ne Ganz­tags­schu­le ver­fü­gen: Die Stadt weist auf ins­ge­samt 1933 Oga­ta-Plät­ze in Grund­schu­len und För­der­zen­tren hin. Und ja, die Zahl der Mäd­chen und Jun­gen, die be­treut wer­den, wächst auch ste­tig: Im ers­ten Halb­jahr des Schul­jah­res 2016/2017 wa­ren es 2021 Kin­der – 90 mehr als im Schul­jahr zu­vor. Aber: Es gibt War­te­lis­ten, und die Fluk­tua­ti­on ist nicht so groß, dass ein zu­nächst ab­ge­lehn­tes Kind in we­ni­gen Wo­chen ei­nen Platz be­kom­men kann. Die Grund­schu­len ent­schei­den dar­über, wel­che ih­rer Schü­ler ei­nen der über­aus be­gehr­ten Oga­ta-Plät­ze be­kom­men. Die Be­rufs­tä­tig­keit der El­tern, der För­der­be­darf des Kin­des oder ob Mut­ter und Va­ter al­lein­er­zie­hend sind – das sind wich­ti­ge Ent­schei­dungs­kri­te­ri­en. Und wenn es für ei­nen Oga­ta-Platz nicht reicht, gibt es noch an­de­re Be­treu­ungs­an­ge­bo­te wie et­wa das Lan­des­pro­gramm „Schu­le von Acht bis Eins“.

Für Achmed, den Lothar Bei­ne be­treut, hat es trotz­dem nicht ge­reicht. „Und er bräuch­te den Platz drin­gend, weil sein Va­ter noch in Sy­ri­en ist und die Mut­ter sich um drei wei­te­re Kin­der, dar­un­ter ein schwer­be­hin­der­tes Mäd­chen, küm­mern muss. Ich weiß auch von deut­schen El­tern, die hän­de­rin­gend auf ei­nen Platz war­ten“, sagt Bei­ne.

Raum für zu­sätz­li­che Oga­ta-Plät­ze in be­ste­hen­den Schul­ge­bäu­den ist kaum noch vor­han­den. „Im Be­stand ist da kaum noch et­was zu ma­chen. Wir müs­sen in­ves­tie­ren“, sagt Bei­nes’ Nach­fol­ger im Amt des SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den, Fe­lix Hein­richs. Das wol­len CDU und SPD auch ver­stärkt an­ge­hen. Aber das ist teu­er. Ei­ne Con­tai­ner-Lö­sung für ei­ne Grup­pe ist un­ter 100.000 Eu­ro kaum zu ver­wirk­li­chen.

AR­CHIV-FO­TO: DPA

Die­ses Kind hat Glück und wird in der Schu­le be­treut. Die Stadt baut ih­re Plät­ze in der Of­fe­nen Ganz­tags­schu­le zwar aus, aber noch im­mer müs­sen in den Oga­ta-Ein­rich­tun­gen War­te­lis­ten ge­führt wer­den.

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