Dr­mic und an­de­re Op­tio­nen

Der Stür­mer fei­er­te ge­gen Mainz nach lan­ger Ver­let­zungs­pau­se sein Come­back. Noch wird er nur mi­nu­ten­wei­se hel­fen kön­nen, doch zur Rück­run­de will der 24-Jäh­ri­ge durch­star­ten. Es gibt wei­te­re Kan­di­da­ten mit die­sem An­sin­nen. Und ein „Xh­ak­zl“wird ge­sucht.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON KARS­TEN KELLERMANN

Jo­sip Dr­mic streck­te die Hän­de aus, stand da, et­was nach vorn ge­beugt, die Fü­ße aber noch we­ni­ge Zen­ti­me­ter ent­fernt von der Au­ßen­li­nie, und war­te­te auf Raf­fa­el. Der Ma­e­s­tro kam vom Spiel­feld und patsch­te sei­ne Hän­de in die von Dr­mic. Und der rann­te los auf das Spiel­feld. 1:0 führ­te Bo­rus­sia zu die­sem Zeit­punkt ge­gen Mainz, nur we­ni­ge Mi­nu­ten wa­ren noch zu spie­len. Nor­ma­ler­wei­se ist das kein schö­ner Zeit­punkt für ei­nen Stür­mer ins Spiel zu kom­men, denn es bleibt ein­fach zu we­nig Zeit, um noch et­was zu bewegen. Doch die­se we­ni­gen Mi­nu­ten wa­ren für Dr­mic, 24, der Him­mel auf Er­den.

Was al­les in sei­nem Kopf los war, wie sehr sein Herz vor Freu­de hüpf­te, als er auf das Spiel­feld lief und die Fans Bei­fall klatsch­ten, das kann man nur er­ah­nen. „Mein größ­tes Glück ist, dass ich ir­gend­wann wie­der Fuß­ball spie­len kann“, hat­te er En­de Sep­tem­ber im In­ter­view mit die­ser Zei­tung ge­sagt. Und nun war der Mo­ment da, das Come­back nach 273 Ta­gen Ver­let­zungs­pau­se, nach der Angst, dass der Knor­pel­scha­den, den er er­lit­ten hat­te, viel­leicht sei­ne Kar­rie­re be­en­den könn­te. Dr­mic hat nie auf­ge­ge­ben, er hat im­mer dar­an ge­glaubt, dass er es schafft.

Nun gab es die Be­loh­nung am spä­ten Sonn­tag­nach­mit­tag, und es ist zu ver­mu­ten, dass die­ser 11. De­zem­ber 2016 für Dr­mic von nun an ein per­sön­li­cher Fei­er­tag sein wird, war es doch so et­was wie sei­ne Wie­der­ge­burt als Spie­ler. „Es tut gut, wie­der den Ra­sen un­ter den Fü­ßen und die Fans im Rü­cken zu spü­ren. Die­ses Ge­fühl ver­voll­stän­digt mich“, sag­te Dr­mic. Jetzt fühlt sich der Schwei­zer wie­der als ech­ter Fuß­bal­ler.

Er ist gleich nach sei­ner Ver­let­zung, die er sich als Leih­spie­ler des Ham­bur­ger SV zu­zog, nach Glad­bach zu­rück­ge­gan­gen, um sich hier be­han­deln zu las­sen, neun Mo­na­te hat er in der Re­ha ge­schuf­tet. „Es freut mich für Jo­sip, dass er wie­der da ist, er hat viel ge­tan, wie­der den An­schluss zu fin­den. Er ist sehr gut da­bei im Trai­ning, mit viel Prä­senz. Und ein paar Mi­nu­ten zu spie­len, das tut der Psy­che gut“, sag­te Trai­ner An­dré Schu­bert. „Er ist ei­ne Op­ti­on mehr für uns“, sag­te Schu­bert. Noch wohl nur mi­nu­ten­wei­se, doch in der Rück­run­de will Dr­mic dann wie­der rich­tig an­grei­fen. „Ich kann nur sa­gen, dass ein an­de­rer Jo­sip Dr­mic zu­rück­keh­ren wird, ei­ner der stär­ker ist als vor­her“, kün­dig­te Dr­mic En­de Sep­tem­ber klingt viel­ver­spre­chend.

Er ist nicht die ein­zi­ge Rück­run­den-Op­ti­on, die der Ka­der her­gibt. Im zen­tra­len Mit­tel­feld könn­te der Slo­wa­ke Lász­lo Bé­nes ers­te Ein­satz­zei­ten be­kom­men, er hat zu­letzt in der U 23 als tech­nisch ver­sier­ter Vor­be­rei­ter und Stan­dard­schüt­ze auf sich auf­merk­sam ge­macht. Be- an. Das nes kann vor der Ab­wehr als Um­schalt­spie­ler nütz­lich sein, oder wei­ter vorn. Dji­bril Sow hat­te schon sein De­büt im Pro­fi-Team, auch er kann mit sei­ner Schnel­lig­keit und Tor­ge­fahr ei­ne Al­ter­na­ti­ve sein. Für die De­fen­si­ve kommt der Fran­zo­se Ma­ma­dou Dou­cou­ré in­fra­ge: Ein Ver­tei­di­ger mit ei­nem linken Fuß ist er, dem viel, viel, viel zu­ge­traut wird. Doch er muss nach sei­ner lan­gen Ver­let­zungs­pau­se (Mus­kel­bün­del­riss) na­tür­lich erst noch Fuß fas­sen.

Ganz vorn und ganz hin­ten ist Bo­rus­sia qua­li­ta­tiv und quan­ti­ta­tiv recht gut be­setzt. Auf den Flü­geln gibt es der­zeit ei­nen Eng­pass, da Patrick Herr­mann (der Stütz­schuh ist bald weg, Ibo Tra­o­ré, der län­ger Geh­hil­fen be­nö­tigt, und Fa­bi­an John­son (Achil­les­seh­nen­rei­zung) feh­len. Sie wer­den auch peu a peu zu­rück­keh­ren. Im zen­tra­len Mit­tel­feld scheint Nach­hol­be­darf zu sein, ein we­nig Er­fah­rung wür­de gut­tun. Was Nu­ri Sa­hin aus Dort­mund an­geht, der als Kan­di­dat ge­han­delt wird, hat BVB-Sport­di­rek­tor Micha­el Zorc ges­tern klar­ge­stellt, dass der 28-Jäh­ri­ge nicht ab­ge­ge­ben wer­den soll. Was Bo­rus­si­as Ma­na­ger Max Eberl gern hät­te, ist ein Boss, ei­nen, der ball­si­cher ist, ein Strip­pen­zie­her, ein Stra­te­ge, der auch mal un­an­ge­nehm sein kann und zu­dem ein gu­ter Ki­cker ist.

Der kom­men­de Geg­ner, der FC Augs­burg, hat so ei­nen: Da­ni­el Bai­er. Ein Typ wie der 32-Jäh­ri­ge, ein paar Jah­re jün­ger si­cher­lich, und viel­leicht et­was grö­ßer als der ge­bür­ti­ge Köl­ner (1,75 Me­ter), wä­re viel­leicht der „Xh­ak­zl“, eben die Mi­schung aus Gra­nit Xha­ka und Mar­tin Stranzl, die Glad­bach ge­brau­chen könn­te. Vor­erst muss es aber oh­ne ge­hen. Im­mer­hin ist Jo­sip Dr­mic ja wie­der da. Bei Be­darf kann er viel­leicht auch ein paar Mi­nu­ten län­ger hel­fen als ge­gen Mainz.

FO­TO: IMA­GO

Glücks­mo­ment: Jo­sip Dr­mic kommt ge­gen Mainz 05 für Raf­fa­el ins Spiel.

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